| | | | | Deutschlands Kinder: Kleine Menschen mit großen Problemen27. Mai 2008 14:27  |  Cannabisraucher
| Foto: dpa |
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Sie sind zu dick, greifen gern zu Zigarette oder Schnapsflasche und schlagen auch schon mal hart zu: Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben körperliche und seelische Krankheiten. Und Hilfe lässt auf sich warten.
Sie rauchen mehr, treiben weniger Sport, sehen mehr fern, investieren weniger Zeit fürs Zähneputzen, leiden häufiger an Übergewicht und sind öfter Opfer von Verkehrsunfällen. Auch Verhaltensauffälligkeiten und Essstörungen sind bei Kindern aus ärmeren Familien öfter anzutreffen. Hinzu kommt ein Trend zu chronischen Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Asthma. Nicht zuletzt bestimmt die soziale Herkunft auch das Impfverhalten. Und jedes sechste Kind leidet unter einer Allergie.
Bis auf wenige Ausnahmen ist es um die Gesundheit vor allem von Kindern aus sozial benachteiligten Familien in allen gesundheitlichen Problemfeldern schlecht bestellt. Eine Aufgabe auch für die Politik.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zimmert mit am so genannten Präventionsgesetz, das den Menschen die persönliche Gesundheitsvorsorge erleichtern soll. Doch bisher existiert es nur als Skizze. Die SPD-Politikerin hofft auf einen Erfolg noch vor der nächsten Bundestagswahl. Warum es nicht läuft, begründet sie so: «Ich hoffe, dass die Einsicht noch kommt. Wir sind zu 95 Prozent auf die Wünsche des Koalitionspartners eingegangen.» Am Dienstag präsentierte sie die «Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit». Der Plan fasst die Initiativen aller Ressorts und Bundeseinrichtungen zusammen (Bericht folgt). Er ist eine Reaktion auf eine Ende 2006 veröffentlichte Studie des Robert-Koch-Instituts, das erstmals einen bundesweiten Überblick über den Gesundheitszustand der Kinder erstellte - mit diesen Ergebnissen:
Risikofaktor Rauchen: Gut 20 Prozent der Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren rauchen. Vor allem Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien greifen zur Zigarette. So rauchen zum Beispiel Hauptschüler fünf Mal häufiger als Gleichaltrige aus dem Gymnasium.Risiko Alkohol und Drogen: Beim Alkohol- und Drogenkonsum spielen soziale Unterschiede kaum eine Rolle. Ein Drittel der Jungen und ein Viertel der Mädchen trinken nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Woche Alkohol. Neun Prozent der Jungen und sechs Prozent der Mädchen geben an, in den letzten zwölf Monaten Haschisch oder Marihuana konsumiert zu haben. Zu Drogen wie Ecstasy oder Speed greifen weniger als ein Prozent der Elf- bis 17-Jährigen.
Chronische Erkrankungen: sind deutlich auf dem Vormarsch. Am häufigsten leiden Kinder und Jugendliche in Deutschland unter Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,3 Prozent) und Heuschnupfen (10,7 Prozent). Mehr als fünf Prozent haben eine Wirbelsäulenverkrümmung, knapp fünf Prozent leiden unter Asthma, 3,6 Prozent unter Krampfanfällen.
Allergien: haben ebenfalls massiv zugenommen. Bei Bluttests reagierten 40 Prozent der Jungen und Mädchen auf mindestens eines von 20 Allergenen positiv. Auffällig ist, dass die Allergierate in Ostdeutschland inzwischen genauso hoch ist wie im Westen. Vor der deutschen Einheit war sie dort noch signifikant niedriger.Übergewicht: 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren gelten als übergewichtig, 6,3 Prozent sogar als fettleibig. Das Problem verstärkt sich, je älter die Kinder werden. Klare Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen oder Ost und West sind nicht zu erkennen, wohl aber soziale Risikofaktoren. So sind Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund deutlich stärker gefährdet als andere. Das gilt auch für Heranwachsende, deren Mütter übergewichtig sind.
Die StudieVon Mai 2003 bis Mai 2006 wurden in 167 Städten und Gemeinden insgesamt 17.641 Jungen und Mädchen im Alter bis zu 17 Jahren medizinisch untersucht und - teils über die Eltern - befragt. Die Forscher erfassten Angaben zu Ernährung, Bewegung, Drogen- und Alkoholkonsum ebenso wie zum Impfstatus und zum Vorsorgeverhalten. Diese Daten ermöglichten erste Hinweise auf Risikofaktoren und besonders betroffene Gruppen. Erstmals wurden auch Heranwachsende mit Migrationshintergrund entsprechend ihres Bevölkerungsanteils beteiligt, bundesweit insgesamt 2590 Kinder und Jugendliche. - » Zur Studie ins Web
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Essstörungen: Fast 22 Prozent der Jugendlichen von elf bis 17 Jahren leiden unter Essstörungen. Mädchen sind besonders gefährdet. Von ihnen zeigen 29 Prozent entsprechende Symptome, unter den Jungen liegt der Anteil bei 15 Prozent. Besonders groß ist das Problem bei Kindern aus armen Familien, die fast doppelt so häufig betroffen sind wie ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen Familien. Essstörungen gehören der Studie zufolge zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen im Kindes- und Jugendalter. Auffällig ist, dass die Betroffenen mehr rauchen als andere und häufiger über Erfahrungen sexueller Belästigung berichten.Psychische Störungen: Fast 18 Prozent der Jungen und zwölf Prozent der Mädchen bis 17 Jahren zeigen Verhaltensauffälligkeiten, vor allem Verhaltensprobleme, emotionale Schwierigkeiten und Hyperaktivität. Jeder zehnte Junge (10,8 Prozent) hat Anzeichen für Hyperaktivität. Bei Mädchen liegt der Anteil bei knapp fünf Prozent. Unter den Kindern aus sozial schwachen Familien leiden sogar 23 Prozent unter psychischen Probleme oder zeigen zumindest Anzeichen dafür. Zehn Prozent der Kinder leiden unter Ängsten; bei 7,6 Prozent wurde eine Störung des Sozialverhaltens festgestellt. Mehr als fünf Prozent gelten als depressiv.
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