22.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Jugendliche Kriminelle immer brutaler
Während die Jugendkriminalität insgesamt leicht gesunken ist, haben die Gewaltdelikte zugenommen. Unter den Tatverdächtigen steigt die Zahl von Mitgliedern zweier Gruppen - eine davon ist die der Deutschen.
Im Jahr 2007 hat es deutlich mehr Gewalttaten Jugendlicher gegeben als zuvor. Insgesamt ging die Zahl der gemeldeten Straftaten zwar leicht zurück, bei Gewalttaten und besonders stark bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung wurde aber ein deutlicher Anstieg verzeichnet.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble nannte diesen Zuwachs bei der Vorstellung der jährlichen polizeilichen Kriminalstatistik in Berlin besorgniserregend. Die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität insgesamt nahm um 4,9 Prozent gegenüber 2006 zu. Dabei seien auch die Gewaltdelikte junger Frauen um 4,9 Prozent gestiegen, so Schäuble. Die Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung stiegen sogar um 6,3 Prozent.
Nícht die Frage: Ausländer oder DeutscheDer CDU-Politiker betonte, Ursache für die höheren Zahlen bei Jugendlichen sei zum Teil, dass die Bevölkerung Taten häufiger anzeige. Dennoch sehe er die Entwicklung mit großer Sorge. «Gewalt stellt ein erhebliches Problem in unserer Gesellschaft dar», so Schäuble.
Die Ursachen für die Gewalt seien vielfältig, sagte der Innenminister und bezog sich auch auf den Wahlkampf in Hessen. Sie hätten allerdings «nicht so viel damit zu tun, ob sie Ausländer oder Deutsche sind, sondern ob sie in unsere Gesellschaft gut integriert sind oder nicht». Ein Grund für den Anstieg von Gewalttaten bei jungen Menschen könne auch der erhöhte Konsum an Alkohol und das teils exzessive Trinken sein, sagte Schäuble.
Leichter Rückgang der gemeldeten StraftatenInsgesamt ging die Zahl der gemeldeten Straftaten um 0,3 Prozent auf rund 6,28 Millionen zurück. Knapp 2,3 Millionen und damit 0,5 Prozent mehr Tatverdächtige wurden registriert.
Dabei ging die Zahl der nicht-deutschen Tatverdächtigen um 2,5 Prozent weiter auf rund 490.000 zurück, wie Schäuble betonte. Das Absinken sei auch ein Erfolg verstärkter Integrationsbemühungen. Gleichzeitig wurden 1,8 Millionen deutsche Tatverdächtige - 1,4 Prozent mehr - erfasst. Der Anteil an Personen ohne deutschen Pass an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen sank auf 21,4 Prozent.
«Konsequent und vor allem schnell reagieren»Schäuble forderte, die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendhilfe und Schulen müsse noch deutlich besser werden. «Und wichtig ist, dass der Staat auf Rechtsverstöße konsequent und vor allem auch schnell reagiert.»
Der Vorsitzende der Länder-Innenministerkonferenz, Jörg Schönbohm, sieht die Verantwortung vor allem bei den Erwachsenen. «Dass die Hauptaufgabe bei den Elternhäusern liegt, ist vollkommen klar.» Ein Projekt gegen Kriminalität in Brandenburg habe ergeben, dass ein Teil der Jugendlichen nicht mehr aufnimmt, welche Schäden sie anderen zufügen. Schönbohm räumte zugleich ein: «Es gibt bei der Lösung des Problems keinen Königsweg.»
Linke: «Floskel» von der Hauptverantwortung der Eltern Der Linke-Fraktionsvize Wolfgang Neskovic bezeichnete es als Floskel, wenn es heiße, die Eltern sollten die Hauptverantwortung haben. Die Familien, die mit der Erziehung überfordert seien, müssten unterstützt werden. Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring fordert, früher anzusetzen und die Jugendhilfe zu stärken.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft bezeichnete das Problem der Jugendgewalt als «nach wie vor ungelöst». Die Jugendhilfe müsse in einer Gesamtstrategie gebündelt werden, sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt.
Ergebnisse einer Großuntersuchung im SpätsommerIm Spätsommer dieses Jahres erwartet Schäuble Ergebnisse einer Befragung von 50.000 Schülern zur Jugendkriminalität. Die Erhebung wird vom Bundesinnenministerium und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen umgesetzt. (epd/dpa)