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Katzenjammer im Parlament: 

«Das Volk gönnt uns ja nichts»

20. Mai 2008 16:15
Struck (r.) und Kauder: 'nicht vermittelbar'
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Alles richtig, nur die Menschen wollen es nicht verstehen: Die Begründung der Koalitionsfraktionäre für die Absage der geplanten Diätenerhöhung hält Tilman Steffen für einen Fall von Realitätsverlust. Den Schaden haben Parteien und Parlament.

Das Volk ist schuld. Es ist uneinsichtig, starrsinnig und missgünstig. Es versteht nicht, warum Bundestagsabgeordnete binnen nicht mal drei Jahren 15 Prozent mehr Diäten bekommen sollen. (Pressestimmen vom Mittwoch zum Anhören)

Während sie das Aus für die beiden 2009 und 2010 geplanten Erhöhungen verkünden, ist von Einsicht bei den Fraktionschefs von Union und SPD keine Spur. Sie halten die nun abgesagte Steigerungsstufe weiter für korrekt.

Nur weil sie «nicht vermittelbar» ist, empfehlen Peter Struck und Volker Kauder den Abgeordneten, die Erhöhung in der kommenden Woche nicht zu beschließen. Sie reagieren auf den landesweiten Protest von Funktionären, Verbänden, Kritikern und letztlich der Bürger, möglicherweise sogar auf die Kritik ihrer Oppositionskollegen.

Insofern bleiben sich die Parlamentarier treu, wenn sie die Erhöhung selbst nicht anzweifeln: Als «angemessen» und «richtig» hatten die Fraktionsverantwortlichen in den letzten Wochen den Einkommensaufschlag immer wieder verteidigt. Dass der selbst genehmigte Diäten-Zuwachs deutlich über das hinausgeht, was moralisch zu verantworten ist, darauf kam keiner von ihnen. Statt dessen verwies man darauf, dass der Beamtensold künftig Maßstab sein solle. Die Wortführer erinnerten an die Jahre der Nullrunden, nach denen eine Erhöhung nun endlich angebracht sei. Keiner fragte, was Nullrunden nützen, wenn in der Zeit danach sämtliche entgangenen Summen in Riesenschritten nachgeholt werden.

Zugegeben: Die diskutierten Summen retten den Staat nicht, noch schaden sie ihm nachhaltig. Monatlich knapp 500 Euro mehr für reichlich 600 Abgeordnete – davon kann man die exorbitanten Staatsschulden nicht abtragen. Gravierender ist, dass sich die Volksvertreter seit Jahren in einem Maß bedienen, von denen die Lokführer, Ärzte, Ingenieure, Friseurinnen und Wachschützer dieses Landes nicht mal träumen. Erlaubt ist die Frage, ob es nicht andersherum sein müsste: Geht es dem Volk gut, dann dürfen auch die Abgeordneten zulangen. Zugegeben, das ist Utopie, denn auch der Bundestag steht in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern und muss den Abgeordnetenjob attraktiv machen. Die Realität liegt irgendwo dazwischen.

Gut ist, dass durch den Verzicht der Abgeordneten auf die geplante Erhöhung der Raffgier-Vorwurf gegen die Mandatsträger zunächst vom Tisch ist. Erschreckend ist, dass dieser Vorwurf überhaupt erst erhoben wurde. Denn das, und das ist das Dritte, beschädigt das Parlament nachhaltig. Sein Ruf, die Befindlichkeiten und Lage der Menschen im Land zu kennen und für sie einzutreten, ist perforiert. Die regierenden Parteien haben den Schaden mitzutragen.

 
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