Gesine Schwan will: 

netzeitung.deBecks Rettung

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Ja, ich will: Gesine Schwan (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ja, ich will: Gesine Schwan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vor vier Jahren drückte Gesine Schwan Horst Köhler die Hand, die Universitätspräsidentin gratulierte dem früheren Finanzmanager zur Wahl zum Bundespräsidenten. Nächstes Jahr soll es umgekehrt sein, meinen Teile der SPD. Von Tilman Steffen

Gesine for President – so will es die Wissenschaftlerin selbst und so wollen es Teile der Sozialdemokratie. Was sie offiziell mit der Sprachformel bemäntelt, die Entscheidung liege nicht bei ihr, ist aus kleinem Kreise herausgesickert: In enger Runde soll sich die Frau aus Frankfurt an der Oder, die 2004 dem von der CDU nominierten Horst Köhler unterlag, bereits zu einer Wiederkandidatur für das höchste Staatsamt bereit erklärt haben. Zwar heißt es aus der SPD, man wolle zur Wahl im Mai 2009 Köhler unterstützen, doch manchem in der Partei ist Schwans Interesse nicht ganz unrecht.

So könnte es sich tatsächlich in einem Jahr zutragen, dass nach der Abstimmung in der Bundesversammlung der dann unterlegene Köhler der Frau mit der Lockentracht zum Wahlsieg gratuliert.

Was Schwan höchstens ahnt: Sie rettet schon jetzt mit ihrer Goodwill-Erklärung die SPD. Der von Mitgliederschwund gebeutelte Juniorpartner der Großen Koalition ist dieser Tage durch das Treffen des Dalai Lama mit einer SPD-Ministerin, von dem Parteichef Beck nichts wusste, zusätzlich durchgerüttelt. Unwirsche Worte des Mainzers sind überliefert (man habe «den Scheiß nicht mehr rückgängig» machen können). Hinzu kam ein eilig durch Beck versprochenes SPD-Steuerkonzept, nachdem FDP und CSU ihre Entwürfe präsentiert hatten. Von Becks Vorstoß wollte wieder die Parteiführung nichts gewusst haben. Viele Sozialdemokraten ersehnen das Ende dieses Chaos.

So trifft es sich gut, dass Gesine Schwan der SPD vorübergehend zu neuem Selbstbewusstsein verhilft. Denn ein eigener Kandidat, den die Sozialdemokraten dem bürgerlichen Lager entgegen halten, hilft der Partei Kurt Becks aus der Lethargie. Das hat auch SPD-Bundsvorstand Wolfgang Jüttner erkannt: «Die SPD ist als große Volkspartei gut beraten, einen eigenen Kandidaten aufzustellen», sagte er der Netzeitung. «Frau Schwan zu nominieren, wäre ein überzeugender Vorschlag.»

Im Gegensatz zu damals sei die Unipräsidentin heute viel bekannter, ihre Wahlchancen stünden gut. Bereits 2004 erhielt sie eine Reihe von Stimmen aus dem Lager von CDU/CSU und FDP. Auch Sachsen-Anhalts SPD-Chef Holger Hövelmann zählt zu Schwans Unterstützern: «Sie ist eine honorige Persönlichkeit, die ihre Eignung für das Amt in ihren bisherigen Funktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.»

Doch wer die Gemengelage genauer betrachtet, den beschleicht der Verdacht, dass Schwan für die SPD nur ein Vehikel ist, um gegen die Union höhere Interessen durchzusetzen. Geht es etwa darum, in Brüssel einen Kommissars-Posten zu besetzen, müsste die Union der SPD Zugeständnisse machen, sobald die sich von Schwan abwendet und den CDU-Kandidaten und Amtsinhaber Köhler unterstützt. Jüttner wehrt dieses Gedankenkonstrukt ab: Ein SPD-Kandidat «darf keine taktische Manövriermasse sein, sondern ein inhaltliches Angebot». Er hält Schwan für eine «ausgezeichnete Persönlichkeit für die Repräsentation Deutschlands». Sie wäre ein Angebot an Union und FDP, ihre Zustimmung zu geben, ergänzt der niedersächsische SPD-Politiker und prophezeit neue Kräfteverhältnisse unter den Wahlmännern und -frauen, die das Staatsoberhaupt küren: «Nach der Bayern-Wahl ist die schwarz-gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung dahin.» Also alles ist offen.

Doch für Jüttners schleswig-holsteinischen Kollegen Ralf Stegner ist das längst keine Garantie für einen Erfolg Schwans: «Wer in einer geheimen Wahl für wen stimmt, das weiß man vorher nicht», sagt der SPD-Chef aus dem Norden. Zu Wochenbeginn hielt die SPD-Spitze den Ball flach: Köhler solle sich erst selbst erklären, sagte Generalsekretär Hubertus Heil. Der Amtsinhaber will Ende Mai oder Anfang Juni mitteilen, ob er noch einmal antritt.