20. Mai 2008 08:18
Vor vier Jahren drückte Gesine Schwan Horst Köhler die Hand, die Universitätspräsidentin gratulierte dem früheren Finanzmanager zur Wahl zum Bundespräsidenten. Nächstes Jahr soll es umgekehrt sein, meinen Teile der SPD.
Was Schwan höchstens ahnt: Sie rettet schon jetzt mit ihrer Goodwill-Erklärung die SPD. Der von Mitgliederschwund gebeutelte Juniorpartner der Großen Koalition ist dieser Tage durch das Treffen des Dalai Lama mit einer SPD-Ministerin, von dem Parteichef Beck nichts wusste, zusätzlich durchgerüttelt. Unwirsche Worte des Mainzers sind überliefert (man habe «den Scheiß nicht mehr rückgängig» machen können). Hinzu kam ein eilig durch Beck versprochenes SPD-Steuerkonzept, nachdem FDP und CSU ihre Entwürfe präsentiert hatten. Von Becks Vorstoß wollte wieder die Parteiführung nichts gewusst haben. Viele Sozialdemokraten ersehnen das Ende dieses Chaos. So trifft es sich gut, dass Gesine Schwan der SPD vorübergehend zu neuem Selbstbewusstsein verhilft. Denn ein eigener Kandidat, den die Sozialdemokraten dem bürgerlichen Lager entgegen halten, hilft der Partei Kurt Becks aus der Lethargie. Das hat auch SPD-Bundsvorstand Wolfgang Jüttner erkannt: «Die SPD ist als große Volkspartei gut beraten, einen eigenen Kandidaten aufzustellen», sagte er der Netzeitung. «Frau Schwan zu nominieren, wäre ein überzeugender Vorschlag.»
Im Gegensatz zu damals sei die Unipräsidentin heute viel bekannter, ihre Wahlchancen stünden gut. Bereits 2004 erhielt sie eine Reihe von Stimmen aus dem Lager von CDU/CSU und FDP. Auch Sachsen-Anhalts SPD-Chef Holger Hövelmann zählt zu Schwans Unterstützern: «Sie ist eine honorige Persönlichkeit, die ihre Eignung für das Amt in ihren bisherigen Funktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.»