Biovielfalt in Bonn:
Gabriel fordert Rettung der Welt
19. Mai 2008 15:31
 |  Gabriel sieht die Erde "an einem entscheidenden Punkt". | Foto: dpa |
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Der Bundesumweltminister sieht das Leben auf der Erde bedroht. Um das Artensterben aufzuhalten, müssten alle Staaten handeln, sagte er zu Beginn der Naturschutzkonferenz. Trotz ihrer Anstrengungen sieht er die Uno auf «der falschen Spur».
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat zum Auftakt der Weltnaturschutzkonferenz in Bonn 190 Staaten eindringlich zum Schutz des biologischen Reichtums der Erde aufgerufen. Das Leben auf der Erde sei «an einem entscheidenden Punkt», sagte Gabriel am Montag auf der UN-Konferenz mit mehr als 6000 Teilnehmern aus aller Welt.
Dem raschen Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten sowie der Zerstörung von Wäldern und Meeresökosystemen müsse Einhalt geboten werden. Es gehe nicht nur um die bloße Konservierung von Natur, sondern darum, «wie wir unsere Leben auf der Erde organisieren». Gabriel forderte die wenigen Staaten, die noch nicht Mitglied der UN-Konvention sind, zum Beitritt auf. Er nannte jedoch keine Namen. Als einziges Industrieland der Welt sind die USA der Konvention nicht beigetreten. Zudem fehlen unter anderem der Irak, Somalia, Andorra und der Vatikan.
Biovielfalt als Funktions-Handbuch
Neben dem Klimawandel sei der Verlust an Biovielfalt «die am meisten alarmierende Herausforderung auf der globalen Tagesordnung», sagte Gabriel zum Auftakt der Konferenz. In keinem anderen Bereich sei internationales Handeln derart dringlich. Die Biovielfalt sei wie ein Handbuch zur Funktionstüchtigkeit der Erde. «Was wir jeden Tag tun, ist, dass wir eine Seite aus diesem Handbuch löschen.» Trotz ihrer Beschlüsse zur Drosselung des Verlusts an biologischer Vielfalt sei die Staatengemeinschaft «immer noch auf der falschen Spur», sagte Gabriel, der für das Gastgeberland Deutschland auch Präsident der fast zweiwöchigen Konferenz ist. Die 1992 auf der Erdkonferenz in Rio de Janeiro beschlossene UN-Konvention über die biologische Vielfalt stehe bei den Verhandlungen in Bonn am «Scheideweg»: «Wir müssen auf unbequeme Fragen ein Antwort geben: Fahren wir damit fort, riesige Mengen Papier mit wenig Inhalt zu produzieren oder beginnen wir damit, unsere Verantwortung ernst zu nehmen?»
Natürliche Aussterberate mal 1000
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums übersteigt die aktuelle Rate des globalen Artensterbens die angenommene natürliche Aussterberate um das 100- bis 1000-fache. Jährlich werde eine Waldfläche von 13 Millionen Hektar zerstört - das ist etwa die dreifache Größe der Schweiz. Umweltorganisationen appellierten an die Konferenzteilnehmer, mehr für den Schutz von Wäldern zu tun. Artenverlust und Klimawandel könnten nur gebremst werden, wenn die Industrieländer ausreichend Geld für die Einrichtung eines globalen Netzes von Waldschutzgebieten bereitstellten, teilte Greenpeace mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollte als Gastgeberin der UN-Konferenz die Finanzierungs- Initiative starten und jährlich zwei Milliarden Euro aus dem Abbau von klimaschädlichen Subventionen im Verkehrsbereich in den Urwald- und Klimaschutz investieren. Außerdem dürften keine Urwälder für den Anbau von Biosprit oder den illegalen Holzeinschlag zerstört werden.
13 Millionen Hektar verschwinden Jahr für Jahr
Nach Angaben der Umweltstiftung WWF gehen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren - etwa die dreifache Größe der Schweiz. Bis zum Jahr 2020 müsse der Netto-Waldverlust auf Null sinken und die Entwaldung gestoppt werden. Die Staatengemeinschaft müsse sich dazu verpflichten, bis 2050 wieder ein globale Waldfläche und -qualität auf dem Niveau des Jahres 2000 zu erreichen. Wälder erfüllten wichtige ökologische Funktionen, von denen auch der Mensch profitiere. Sie lieferten Holz, produzierten Sauerstoff, speicherten Kohlenstoff und Wasser, bewahrten vor Überflutungen und schützten vor Bodenerosionen. Der weltweite Waldverlust ist eine der Hauptursachen für den Klimawandel. «Wenn wir die Wälder weiter zerstören, zerstören wir unsere Lebensgrundlagen und die künftiger Generationen», sagte der WWF-Waldexperte Jörg Roos. (dpa)