Streit um Pflanzenschutzmittel: 

netzeitung.deSeehofer kämpft für Pestizide im Obst

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Auch wenn der Apfel ein bisschen belastet ist - der Minister beißt kraftvoll zu (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch wenn der Apfel ein bisschen belastet ist - der Minister beißt kraftvoll zu
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Einige Schadstoffe in Äpfeln oder Trauben gelten als potenziell krebserregend. Deshalb will die EU-Kommission sie verbieten. Der deutsche Agrarminister allerdings ist dagegen. Und nicht nur er.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hat sich gegen ein Totalverbot möglicherweise krebserregender oder fortpflanzungsschädigender Pestizide ausgesprochen. Eine Verschärfung der Grenzwerte für solche Inhaltsstoffe reiche aus, um Gesundheitsschäden beim Verzehr gespritzter Früchte vorzubeugen, sagte Seehofer am Montagmorgen vor Beratungen der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel. EU-Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou pocht aber weiter auf ein Totalverbot. «Gesundheit ist für mich das vorrangige Kriterium, deswegen werde ich in Gesundheitsfragen keinen Kompromiss eingehen», sagte Vassiliou.

Der slowenische Landwirtschaftsminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Iztoc Jarc erklärte, er rechne nicht mehr mit einer Einigung am Montag: «Wir werden heute wahrscheinlich keinen Kompromiss erzielen.»

EU-Kommission und Parlament fordern ein Verbot aller Pflanzenschutzmittel, die krebserregende oder fortpflanzungsschädigende Inhaltsstoffe der Gefahrenkategorie 1 oder 2 enthalten. Das europäische Parlament will darüber hinaus auch Pestizide mit neurotoxischen Substanzen verbieten. Das sind Stoffe, die im Verdacht stehen, langfristig die Hirntätigkeit zu beeinträchtigen.

Drei bis sieben Prozent der Pflanzenschutzmittel vom Markt
Eine Mehrheit der EU-Regierungen hält ein Totalverbot für übertrieben. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft hat deshalb einen Kompromiss vorgeschlagen: Danach sollen Pflanzenschutzmittel mit krebserregenden oder fortpflanzungsschädigenden Inhaltsstoffen nur noch dann zugelassen werden, wenn deren Menge höchstens ein Tausendstel des nachweislich gesundheitsschädlichen Werts beträgt. Seehofer verteidigte diesen Lösungsvorschlag: «Unser Grundsatz ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, dass keine Gesundheitsgefährdung für den Menschen damit verbunden sein darf, da nehmen wir kein Risiko in Kauf», erklärte der Bundeslandwirtschaftsminister. «Wir wollen keinen Wirkstoff zugelassen haben, der in seiner Dosierung irgendeine Gesundheitsgefahr für den Menschen bedeuten kann.»

Industrieverbände wie die Europäische Vereinigung für Pflanzenschutz (European Crop Protection Association, ECPA) kämpfen seit Monaten gegen eine Verschärfung der Zulassungskriterien für Pflanzenschutzmittel. Nach Angaben der ECPA müssten bei einem Totalverbot von Pestiziden mit potenziell krebserregenden oder fortpflanzungsschädigenden Inhaltsstoffen drei bis sieben Prozent aller heute verwendeten Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen werden.

Seehofer: Verdacht «absolut unbegründet»
Die britische Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel, PSD, kam in einer Studie sogar zu dem Schluss, mindestens 15 Prozent aller Pestizide seien betroffen. Großbritannien gehört nach Angaben aus Diplomatenkreisen zusammen mit Irland, Frankreich und Ungarn zu den Staaten, die eine Einigung zu blockieren drohten. Seehofer verwahrte sich gegen den Vorwurf, mit seinem Widerstand gegen ein Totalverbot den Interessen der Chemieindustrie nachzugeben. Dieser Verdacht sei «absolut unbegründet», erklärte der Landwirtschaftsminister. (AP)