Steinmeier, der Mitte Juni nach Peking reisen will, setzt weiter auf Gespräche mit China, um die Lage der Tibeter zu verbessern. Auch durch seine Telefonate habe sich Peking bereiterklärt, den Dialog mit dem Dalai Lama wieder aufzunehmen, verlautete in seiner Umgebung. Zudem habe Steinmeier einem Repräsentanten des Dalai Lama vor dessen Besuch erläutert, warum er den Religionsführer «im Interesse des tibetischen Volkes» nicht empfangen könne. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte in Berlin über das Treffen von Wieczorek-Zeul: «Fakt ist, dass der Minister vorab nicht informiert war.» Das Bundeskanzleramt hingegen war nach Darstellung von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg informiert: «Die Bundeskanzlerin jedenfalls hatte von den Bemühungen und dem Wunsch von Frau Wieczorek-Zeul etwas vernommen.» Steg wies einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zurück, wonach Merkel das Treffen ohne Wissen Steinmeiers organisierte: «Die Kanzlerin hat in dieser Frage nichts unternommen.»
Die Zeitung schrieb unter Berufung auf Regierungskreise, die Kanzlerin habe sicherstellen wollen, dass der Dalai Lama mit zumindest einem Mitglied der Bundesregierung zusammentreffe. Ihre Wahl sei - auch aus parteipolitischen Gründen - auf die der SPD angehörende Entwicklungsministerin gefallen.
Der 72-jährige Religionsführer ging auf den innenpolitischen Streit nicht ein. Am Vortag hatte er - ohne Steinmeier namentlich zu nennen - Verständnis dafür geäußert, dass dieser ihn nicht empfängt. (AP/dpa)