Deutschlandbesuch des tibetischen Oberhaupts:
Dalai Lama begeistert in Bochum
16. Mai 2008 18:00
 |  Der Dalai Lama beantwortete in einer Bochumer Kirche den Fragen einiger Kinder | Foto: dpa |
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«Das ist ein Ereignis, das ist ergreifend», sagte eine Augenzeugin. Der Dalai Lama beeindruckte in Bochum viele mit seinen Weisheiten. Seine Mission: Frieden und Gewaltfreiheit – auch in Tibet.
Der Dalai Lama ist ein Weltstar zum Anfassen, Berührungsängste kennt er nicht. Und damit nimmt er die Menschen für sich ein. «Alle sechs Milliarden Menschen haben etwas Wesentliches gemeinsam - sie wollen glücklich sein» - das ist eine der Botschaften des buddhistischen Mönchs, mit denen jeder etwas anfangen kann.
So komplex manche seiner Gedankengänge sind, so einfach bringt er andere auf den Punkt: «Äußere Schönheit kostet Geld, innere nicht.» Was einfach klingt, kann dennoch schwer zu erfüllen sein: «Der Mensch sollte warmherzig sein, dann ist nicht nur er selbst glücklicher, sondern auch alle um ihn herum.» All dies sagt der 72 Jahre alte Friedensnobelpreisträger auch in Bochum, wo er Vorschulkinder trifft und einen Vortrag vor mehr als 3000 Anhängern hält. Und er schlägt spielerisch leicht den Bogen vom Individuum zur Gesellschaft, vom Einzelnen zur ganzen Welt: «Wahrer Weltfrieden kommt durch inneren Frieden. Äußere Abrüstung setzt innere Abrüstung voraus.»
Gewaltfreiheit als einziger Weg
Damit ist er mitten in dem Thema, das ihm mehr als alle anderen am Herzen liegt - Gewaltlosigkeit als einzige legitime Form des Widerstands gegen die chinesische Besetzung seiner Heimat. Vor genau zwei Monaten, als die Proteste in Tibet ihren Höhepunkt erreichten, zogen zwei sehr unterschiedliche Gruppen von Demonstranten durch Dharamsala, das indische Exil des Dalai Lama. «Ahimsa», «Gewaltlosigkeit», sangen Gruppen von Mönchen mit tiefer Stimme. «Gerechtigkeit und Freiheit für Tibet» verlangten Jugendliche mit geballter Faust und heiser vom Schreien. An diese Szenen erinnert er sich auch jetzt, bei seinem ersten Besuch in Europa seit den Unruhen. Er werde von manchen kritisiert, weil gewalttätiger Kampf mehr Aufsehen errege als gewaltloser. Immer wieder werde ihm die Aufmerksamkeit vorgehalten, den die Palästinenser genössen. «Unser Kampf zielt nicht auf Publicity, sondern auf wirkliche Veränderung. Und dafür ist Gewaltlosigkeit unabdingbar», sagt er. «Wir wollen echte Autonomie, wir suchen nicht die Unabhängigkeit», beteuert er in Richtung China. Auf die Frage, ob er es noch erleben werde, dass der Konflikt gelöst wird, antwortet er: «Ich habe Hoffnung.»
«Faszinierende Persönlichkeit»
Eine der Eigenschaften, die ihn so populär machen, ist, dass er nur sehr selten auf religiöse Überzeugungen zurückgreift und wo immer möglich praktische Argumente nutzt. Warmherzig zu sein, sei nicht nur eine Tugend: «Hass und Angst sind sehr schlecht für die Gesundheit.» Wie populär ihn solche Aussagen machen, war auch in Bochum wieder zu erleben. Die 15-jährige Luisa hatte ihre Schulleiterin überzeugt, dass die ganze Klasse zum Treffen an der katholischen Kirche in Wattenscheid pilgern durfte. «Weil er eine faszinierende Persönlichkeit ist», sagt sie zur Begründung. Und die 42-jährige Stefanie Ullrich findet: «Das ist ein Ereignis, das ist ergreifend. Wenn der Papst käme, würde ich auch hingehen.» (Jürgen Hein, dpa)