Kein Verständnis für Verweigerer: Wehrdienstgegner zu Gärtnern!16. Mai 2008 14:10  | 
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Für Wehrdienstgegner, die nicht einmal Rasen mähen oder Essen ausfahren wollen, hat Obergefreiter d. R. Andreas Ahammer kein Verständnis. In einem Gastbeitrag für die Netzeitung reagiert er auf einen Kommentar von Monty Schädel, Politischer Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft.
Es ist nicht tolerabel, sich einerseits auf die von Gesellschaft und Staat im Grundgesetz festgelegten Regeln zu berufen und anderseits die damit verbundenen Pflichten abzulehnen. Bei aller Sympathie für die Totalverweigerung: Es handelt sich dabei um einen Straftatbestand, der im Gesetz nicht umsonst so definiert ist. Denn es ist eben nicht so, dass sich jeder aussuchen kann, worauf er Lust hat, frei nach dem Motto, dass für einige die Regeln gelten und für andere nicht.
Die These- » «Die Pflicht zum Dienen gehört abgeschafft!»
Der Politische Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft, Monty Schädel, hatte in der Netzeitung die Wehrpflicht für verzichtbar erklärt. Hier antwortet ihm der Bundeswehrverband.
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Natürlich muss man dabei im Hinblick auf die Einberufungsgerechtigkeit über die Zukunft der Allgemeinen Wehrpflicht kritisch nachdenken. Aber bitte auch konstruktiv. So lange es einen Artikel 12a des Grundgesetzes gibt und das Bundesverfassungsgericht die Wehrpflicht als verfassungskonform ansieht, haben wir Bürger nur die Möglichkeit, über Wahlen im politischen Willensbildungsprozess zur Wehrpflicht Stellung zu beziehen. Es wäre äußerst unverantwortlich, jungen Menschen zum Rechtsbruch durch Totalverweigerung zu raten. So etwas lässt sich aus einen polizeilichen Führungszeugnis nicht so einfach streichen und verfolgt einen das ganze Leben.
Das jetzige System der Einberufung erscheint oft willkürlich, erklärt sich jedoch anhand der gesunkenen Zahl der benötigten Rekruten. Keineswegs sind alle Gemusterten unfähig, einen Dienst zu leisten. Darum geht es aber auch nicht. In einer etwa 250.000 Mann starken Bundeswehr leisten 76.500 junge Männer, also ein enormer Anteil, ihren Wehrdienst. Für mehr besteht der Bedarf nicht. Das heißt nicht, dass die restlichen nicht eingezogenen Männer unfähig sind, einen Dienst zu leisten. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sie sich nicht auch in den Dienst der Gesellschaft stellen können: sei es, um bei der Gemeinde Rasen zu mähen oder Essen auf Rädern auszufahren. Das ginge in Richtung einer allgemeinen Dienstpflicht. Doch dies bedürfte einer politischen Entscheidung, die der Gesetzgeber bisher so nicht getroffen hat.
 |  Zivildienstler im Einsatz | Foto: dpa |
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Was also tun? Eine Berufsarmee ist zu teuer. Ganz davon abgesehen, dass unsere Bundeswehr jahrelang unterfinanziert wurde – wer soll das bezahlen? Gegenüber der freien Wirtschaft ist unsere Armee schlicht nicht konkurrenzfähig. Sie gewinnt aus den Grundwehrdienstleistenden und freiwillig zusätzlichen Wehrdienst Leistenden 50 Prozent ihres Nachwuchses. Schaffen wir diesen Dienst ab, müssen wir uns an amerikanische Verhältnisse gewöhnen. Jugendoffiziere und Werber in Schulen und Supermärkten – eine Tradition, die in Deutschland wohl kaum zu etablieren ist. Die heutigen wichtigen Auslandseinsätze in der ganzen Welt wären im Übrigen ohne Freiwillig zusätzlichen Wehrdienst Leistende und Grundwehrdienstleistende nicht mehr zu stemmen. Sie übernehmen wichtige Funktionsdienstposten im Inland, erhalten den Betrieb der Kasernen und unterstützen somit die Truppe im Ausland.
Die Allgemeine Wehrpflicht darf nicht dazu dienen, den Zivildienst zu rechtfertigen, denn dieser ist ausdrücklich ein Ersatzdienst. In der Praxis ist klar, dass, wer nicht zur Bundeswehr möchte, zwecks Verweigerung eine Postkarte schicken kann. Alle, die sich entschieden haben, zur Bundeswehr zu gehen, haben dies also aufgrund persönlicher Beweggründe getan. Ich wehre mich stellvertretend für alle Wehrdienst- und Zivildienstleistenden vehement dagegen, dass Zwangsdienstleistende lediglich gehorchen lernen und sich einpassen würden. Wir geben Gehirn und Intellekt bei der Einberufung nicht an der Pforte ab. Eher erfüllen wir den von überwiegenden Teilen der Gesellschaft geforderten Beitrag zur Gemeinschaft und leisten unseren Dienst. Befehl und Gehorsam sind im Übrigen in einer demokratischen Parlamentsarmee auch dem Dogma der Inneren Führung unterworfen. Wer kann verlangen, im Beruf Verantwortung (etwa über Personal) übernehmen zu wollen, wenn er sich dieser grundlegenden gesellschaftlichen Verantwortung entzogen hat? Die Frage ist vielmehr, ob wir eine Gesellschaft wollen, in der jeder für sich auf persönliche Vorteile bedacht ist und in der die Gemeinschaft nichts mehr zählt? Ich glaube kaum.
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Obergefreiter d. R. Andreas Ahammer vertritt als Beisitzer für die Freiwillig zusätzlichen Wehrdienst Leistenden und Grundwehrdienstleistenden (GWDL/FWDL) zusammen mit Hauptgefreiter d. R. Stephan Nachtigall im Bundesvorstand des Deutschen Bundeswehrverbandes die Interessen der Wehrdienstleistenden. Sie erzielten durch eine Petition an den Deutschen Bundestag zuletzt eine Wehrsolderhöhung um zwei Euro, die auch Zivildienstleistenden zugute kommt.
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