15. Mai 2008 07:59
die freiheitliche Gesellschaft. Zum Tag des Kriegsdienstverweigerers sagt der Politische Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft in einem Gastbeitrag für die Netzeitung, warum er die Wehrpflicht für verzichtbar hält.
Sind Wehrpflichtige überhaupt der «Spiegel der Gesellschaft»? Allein die Musterungszahlen 2007 zeigen anderes: von 451.000 Musterungen wurden lediglich 55 Prozent (248.000) als wehrdienstfähig abgeschlossen. Ist die Hälfte der jungen Männer wirklich unfähig? 148.000 der «wehrdienstfähig» Gemusterten verweigerten 2007 den Kriegsdienst mit der Waffe nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes, lediglich 67.800 waren 2007 Wehrdienstleistende bei der Bundeswehr. 15 Prozent aller jungen Wehrpflichtigen wurden noch zum Regeldienst bei der Bundeswehr einberufen. Die vom Bundesverfassungsgericht vorgeschriebene Wehrgerechtigkeit kann die Bundeswehr schon lange nicht mehr gewährleisten. Für junge Männer ist die Wehrpflicht zur Lotterie verkommen - ohne Möglichkeit, sich der Teilnahme an diesem Spiel zu entziehen.
Im Urteil des Truppendienstgerichtes zur Begründung der Inhaftierung des Wehrpflichtgegners Schirmer vom 8. Mai 2008 (63 Jahre nach der Niederschlagung des faschistischen Militarismus in Deutschland) heißt es: «Die Pflicht zum Gehorsam gehört zu den zentralen Dienstpflichten eines jeden Soldaten; fehlt die Bereitschaft zum Gehorsam, kann die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr in Frage gestellt werden.» Es wird Zeit, die Wehrpflicht endlich auch in der Bundesrepublik abzuschaffen. Grundrechte junger Menschen zum Zweck des Erlernens effektiven Tötens einzuschränken, ist für eine sich freiheitlich nennende Gesellschaft unwürdig, ja gefährlich. Denn dies geschieht in einem Lebensabschnitt, in dem die Heranwachsenden demokratisches Handeln und Denken erproben und erlernen. Zwangsdienstleistende lernen lediglich gehorchen und sich einpassen. Wollen wir das?