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60 Jahre Israel: 

Kicken auf Hitlers Spuren

14. Mai 2008 12:58
Erinnerung an düstere Zeiten: Ort der Olympiade von 1936 - Berlin
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Die Gegend um das Olympiastadion in Berlin atmet noch einen Hauch von 1933. Dorthin Israelis einzuladen – wenn auch zum sportlichen Vergleich – ist ein heikles Unterfangen, sah Tilman Steffen. Deutschland hat es gewagt.

Kantige Türme aus graubraunem Stein ragen empor, das frische Maigrün der Bäume macht die Bauten der Olympischen Spiele von 1936 noch bedrohlicher. Die Dimension des Parkplatzes vor dem Oval des Olympiastadions weckt Erinnerungen an die Bilder von Aufmarschplätzen der Nazis. Steinerne Adler beäugen die Passanten. Auch wenn die Vorübergehenden sich gegen den Gedanken wehren: Die Mauern des Berliner Olympiageländes umweht noch immer eine Ahnung von 1933.


Eine Straße, nahe der Berlins Fußballelf Hertha BSC trainiert, ist nach dem preußischen Militärfunktionär Hindenburg benannt, dem Mann, der Hitler zum Reichskanzler machte. Zum abseits gelegenen «Stadion am Wurfplatz» führt die «Hans-Braun-Straße». Das wiederum hat nichts mit den Nazis zu tun: Der Münchner Leichtathlet konnte nichts für seinen Familiennamen und starb zudem im Ersten Weltkrieg.

Moritz Rinke hat sich gefragt, ob man Israelis hierher einladen sollte - ins Berlin der Wilmersdorfer Witwen. Der Literat geht für seine Gedichte oder Theaterwerke nicht nur geschickt mit Worten um, sondern kickt ähnlich galant den Fußball ins Tornetz. Als Mitglied der deutschen Autoren-Nationalmannschaft lud er ein Dutzend israelischer Kollegen auf einen Besuch in die Bundeshauptstadt. Er überzeugte die Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes, die Begegnung zu finanzieren, dann das Auswärtige Amt und die Israelis selbst. 60 Jahre nach Gründung ihres Staates sollte es eine erste Begegnung der kickenden Schriftsteller beider Staaten geben.

Grund für Vorbehalte der Gäste gäbe es genug: Einige der Israelis sind Nazi-Opfer – ihre Eltern starben durch Hitlers Helfer. Wie Rinke sagt, waren sich die Organisatoren der damit verbundenen Gefahr durchaus bewusst. Sorgfältig bereiteten sie ihre Gäste auf das vor, was sie sehen und erleben würden.

Die Aussicht auf das Gelingen der symbolträchtigen Begegnung besiegte schließlich alle Zweifel. Dass Israelis im Berliner Olympiagelände Fußball spielen, deren Eltern von den Nazis ermordet wurden, ist für Mitorganisator Rinke «ein ganz großes Zeichen».

Der Alltag der Gäste ist heute durch neue Konflikte geprägt, mancher der Spieler kämpft selbst an neuer Front: Nachum Patchenik etwa. Er ist Siedler im Westjordanland, das die Palästinenser für sich reklamieren. Er trägt selbst auf dem Spielfeld die Kippa, die Kopfbedeckung überzeugter Juden.

Die Frage, ob es angemessen ist, dass Deutsche an einem solch historisch beladenen Ort Israelis besiegen dürfen, stellte am Ende keiner. Die Israelis kamen und schossen auf einem sonnenüberfluteten Platz zwei Tore, die Deutschen vier, je einen Elfmetertreffer inbegriffen. Ex-Nationalspieler Karl Schmidt bescheinigte im NZ-Interview der israelischen Elf ein exzellentes Spiel, wenngleich die Gastgeber die besseren gewesen seien.

 
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