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Debatte über Abgeordnetenvergütung: 

Parteienkritiker will Volksabstimmung über Diäten

09. Mai 2008 09:19
Einige Parlamentarier gönnen sich selbst den Zuwachs auf dem Bankkonto nicht
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Dass die Parlamentarier acht Prozent mehr Geld bekommen sollen, halten einige unter ihnen für unangemessen. Die Zahl kritischer Stimmen nimmt zu. Ein Experte fordert ein völlig neues Modell für die Regelung der Bezüge.

Die Bürger sollten nach Ansicht des Parteienkritikers Hans Herbert von Arnim über die Höhe der Diäten von Parlamentariern abstimmen. «Das Volk sollte durch Volksentscheide eine Kontrolle über die Bezahlung seiner Vertreter ausüben können», sagte von Arnim laut «Mitteldeutscher Zeitung». Dies sei «urdemokratisch» und werde bereits in der Schweiz angewandt. Dort seien die Diäten in der Folge niedriger.

Das deutsche Grundgesetz sehe zwar vor, dass die Parlamentarier selbst ihr Gehalt bestimmen sollen. «Doch die Väter des Grundgesetzes waren davon ausgegangen, dass Abgeordnete nur eine Aufwandsentschädigung erhalten», sagte von Arnim der Zeitung zufolge.

Zur jetzigen «Vollversorgung und Überbezahlung» passe das bisherige Verfahren nicht mehr. Die neue Koppelung der Diäten an die Richterbesoldung lehnt von Arnim ab: Es werde unterschlagen, «dass Abgeordnete gewichtige Privilegien besitzen». Zudem seien die Abgeordneten künftig bei der Entscheidung über Richtergehälter nicht mehr unbefangen.

Derweil wächst auch in den Koalitionsfraktionen der Widerstand gegen die geplante Diätenerhöhung. Die schleswig-holsteinische Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion beschloss, der Anhebung der Abgeordnetenbezüge ab dem Jahr 2009 nicht zuzustimmen, wie die «Financial Times Deutschland» meldete.

Auch SPD-Abgeordnete aus Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen wollten die Erhöhung ablehnen, berichtete das Blatt weiter. In der CDU/CSU-Fraktion wolle der CDU-Mann Clemens Binninger aus Baden-Württemberg nicht zustimmen. Mit der Ende 2007 beschlossenen Erhöhung sei das Potenzial für 2008 und 2009 ausgeschöpft worden. «Ich sehe erst ab 2010 wieder Spielraum für höhere Bezüge», sagte Binninger dem Blatt zufolge.

Stiegler für Erhöhung der Bezüge

Der bayerische SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler verteidigte wie die SPD-Partteilinke Andrea Nahles die geplante Diätenerhöhung dagegen. Im Gesetz stehe, dass die Abgeordneten wie Bürgermeister mittlerer Städte oder Bundesrichter bezahlt werden sollen, erinnerte Stiegler im Deutschlandfunk. Die Erhöhung der Tarife für diese Gruppe ziehe eine Erhöhung der Diäten nach sich: «Die Abgeordnetendiäten sind eine Funktion von X. Und wenn X sich verändert, ändert sich auch das.» Nahles sagte im ZDF, sie könne zwar «verstehen, dass die Leute sich ärgern», bei der Entlohnung der Volksvertreter habe es jedoch einen «Systemwechsel» gegeben.

Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses, Gabriele Frechen (SPD), unterstrich ebenfalls die gesetzliche Festlegung der Diätenhöhe. Die nun vorgesehene Erhöhung beinhalte auch eine Nachholung seit 2003, sagte Frechen im ZDF- «Morgenmagazin». «Da wir viele Nullrunden gemacht haben, weil es immer nicht passt, weil eine Diätenerhöhung nie ins Bild passt, hatten wir eine erhebliche Lücke.» (nz/dpa/AP)

 
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