06.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Minister will mit der Kanzlerin in Brasilien ein Abkommen unterzeichnen.
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Obwohl Experten vor den verheerenden Folgen des Anbaus warnen, will der Umweltminister die Einfuhr des umstrittenen Ökokraftstoffs nicht stoppen. Stattdessen hegt er andere Pläne.
Trotz aller öffentlichen Kritik an Biokraftstoffen hat sich Umweltminister Sigmar Gabriel gegen ein Importverbot aus tropischen Ländern ausgesprochen. Vielmehr gehe es um den umwelt- und klimafreundlichen Anbau der Energiepflanzen, sagte Gabriel am Dienstag nach Rückkehr von einer Brasilienreise.
Er kündigte ein Abkommen mit Brasilien an, das die Nachhaltigkeit beim Anbau von Biokraftstoffen sicher stellen soll. Es werde bei der Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel kommende Woche in Brasilien unterzeichnet. «Das ist das zentrale Ergebnis» seiner eigenen Reise in den südamerikanischen Staat, sagte der SPD-Politiker.
Seehofer warnt vor VerteufelungAuch Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hat vor einer Verteufelung der Bioenergie angesichts der weltweiten Nahrungskrise gewarnt. Die Klimaschutzziele seien ohne nachwachsende Rohstoffe «in keiner Weise erreichbar», sagte Seehofer am Dienstag in Berlin. Biokraftstoffe seien nicht die Hauptursache für explodierende Lebensmittelpreise. Weltweit würden nur zwei Prozent der Ackerfläche für Biosprit-Pflanzen genutzt.
Dagegen müsse die Betonierung der Landschaft zurückgehen. Bis zur Sommerpause wolle die Regierung ein Konzept mit Lösungen zur Nahrungskrise vorlegen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner forderte Beschränkungen für Rohstoffspekulanten.
FDP fordert Korrekturen an Biosprit-StrategieDie FDP hat die Bundesregierung aufgefordert, ihre Biokraftstoff-Ziele zu korrigieren. «Das ist nicht haltbar», sagte FDP-Expertin Christel Happach-Kasan zu dem Plan der Großen Koalition, bis 2020 17 Prozent des Treibstoffs aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen. «Das muss überdacht werden», sagte sie.
Eine steigende Nachfrage nach Biodiesel könne «extreme Auswirkungen auf den Regenwald haben» und die Soja-Preise weiter in die Höhe treiben. Die FDP-Politikerin äußerte sich nach der Brasilien-Reise mit Umweltminister Sigmar Gabriel.
Zu wenig Personal für Monitoring in BrasilienHappach-Kasan sagte, im Prinzip sei Brasilien bereits gut auf den Schutz des Regenwaldes vorbereitet. «Das Monitoring ist sehr weit», sagte sie. Allerdings gebe es zu wenig Personal für die Überwachung. Nur 1000 Mitarbeiter seien damit betraut. Außerdem seien die Flächen nicht in einem Kataster erfasst, was die Schutzmaßnahmen erschwere. Die FDP-Politikerin mahnte Unterstützung auch aus Europa an. Dann könne der Regenwald besser geschützt werden. «Ich glaube, dass man da weiter kommt», sagte sie.
(AP)