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Krawalle am 1. Mai: 

Steinhagel, Feuer und eine Hetzjagd

01. Mai 2008 15:07, ergänzt 21:27
Mitglieder autonomer Gruppen zünden während der 1. Mai-Demonstration in Hamburg Autos an.
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Nach Krawallen in Hamburg und Nürnberg ist es am Abend nun auch in Berlin zu den gefürchteten Ausschreitungen gekommen. Autonome warfen Steine und Stühle – und machten Jagd auf Berlins Polizeipräsidenten.


In Berlin ist es am Abend des 1. Mai nach anfänglicher Ruhe doch noch zu den befürchteten Ausschreitungen gekommen. Nachdem Polizeipräsident Dieter Glietsch aufgetaucht war, kam es bei einer Demonstration in Kreuzberg, mit nach Polizeiangaben mehreren tausend Teilnehmern, gegen 20.30 Uhr zu Krawallen.

Autonome machten Jagd auf Glietsch und bewarfen ihn mit Flaschen und Steinen. Der Polizeipräsident wurde daraufhin von Personenschützern in Sicherheit gebracht und mit einem Kastenwagen der Polizei weggefahren.

Die Autonomen bewarfen daraufhin auch den Wagen mit Flaschen, Steinen und Stühlen. In der Hauptstadt kommt es seit 1987 rund um die Feierlichkeiten zum 1. Mai zu Gewaltausbrüchen. In diesem Jahr war es aber in der Nacht zum Maifeiertag und auch am Tag selbst zunächst weitgehend ruhig geblieben.

Lage in Hamburg von Anfang an gespannt

Mit jeder Stunde stieg die Anspannung. Was am Morgen mit einer friedlichen Gegendemonstration zum NPD-Aufmarsch in Hamburg-Barmbek noch ruhig begonnen hatte, entwickelte sich am Donnerstagnachmittag immer mehr zur gewalttätigen Nervenprobe zwischen mehreren tausend linken und rechten Demonstranten sowie der Polizei.

Am S-Bahnhof Alte Wöhr standen sich die Anhänger der rechtsextremen NPD und zahlreiche Gegendemonstranten am 1. Mai zunächst stundenlang fast in Sichtweite gegenüber – getrennt nur von Polizeiketten und Wasserwerfern. Als die Rechten ihren angekündigten Aufmarsch durch das alte Arbeiterviertel nach stundenlanger Verspätung schließlich begannen, flogen Steine gegen Polizisten und gingen Autos in Flammen auf.

In Nürnberg konnte die NPD dank konsequent abgeriegelter Straßenzüge zwar weitgehend ungestört aufmarschieren. Mit der Marschroute und dem Ort der Abschlusskundgebung hatte die Stadt aber zugleich dafür gesorgt, dass die Rechtsextremen kaum wahrgenommen wurden. So verloren sich die rund 1000 Teilnehmer des Aufzugs am Nachmittag in einer von leeren Bürohäusern gesäumten Nebenstraße des Nürnberger Innenstadtrings. Viele Anwohner waren der Aufforderung der Stadt gefolgt, den Aufmarsch mit Nichtbeachtung zu strafen.

Polizei lässt Wasserwerfer auffahren

Polizisten setzen am nach den Krawallen in Hamburg auch Wasserwerfer gegen Demonstranten ein.
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Schwieriger gestaltete sich für die Polizei, die Gegendemonstranten auf Abstand zu halten. Vor allem Autonome, die es offensichtlich auf eine Konfrontation mit den Rechtsextremen angelegt hatten, suchten nach gescheitertem Blockadeversuch am Mittag immer wieder nach Schlupflöchern entlang der Aufmarschstrecke. Erst als am Nachmittag die rund 1000 rechten Demonstranten mit Sonder-U-Bahnzügen aus der Stadt gebracht wurden, atmeten die Sicherheitsbehörden auf.

In Hamburg räumte die Polizei mit Wasserwerfern die Straße vor dem rechten Demonstrationszug, die von Gegendemonstranten blockiert worden war. «Die Polizei hat alle Hände voll zu tun. Es gibt sehr, sehr viele gewalttätige Aktionen», berichtete Polizeisprecher Ralf Meyer. Sowohl auf linker als auch auf rechter Seite seien Demonstranten schon lange nicht mehr so aggressiv vorgegangen. Sachbeschädigungen hätten nicht verhindert werden können.

Kein Kontakt zwischen Rechten und Linken

In den unübersichtlichen Nebenstraßen und Hinterhöfen rund um den Barmbeker Bahnhof versuchten Gegendemonstranten aus den Reihen eines großen Protestzugs mit rund 10.000 Teilnehmern, zu den Rechten durchzubrechen. Diese wiederum vermummten sich teilweise und zündeten Feuerwerkskörper. Doch ihr Hauptziel habe die Polizei erreicht – das direkte Aufeinandertreffen der beiden Seiten weitgehend zu unterbinden.

Erheblich friedlicher hatten am Morgen zahlreiche Barmbeker Bürger bei einer großen gemeinsamen Demonstration ihre Ablehnung des NPD- Aufmarschs bekundet. Etliche Menschen trugen handbemalte Plakate gegen Rechts, von zahlreichen Gebäuden hingen Protestbanner mit Aufschriften wie «Nazis raus». «Aus unserer Sicht war die Aktion ein großer Erfolg, ein so breites Spektrum an Leuten hat in Hamburg lange nicht gemeinsam demonstriert», sagte Wolfram Siede vom Hamburger Bündnis gegen Rechts. (dpa)

 
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