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60 Jahre Israel: 

Israel will jüdische Ärzte ins Land holen

07. Mai 2008 08:08
Russische Einwanderinnen feiern ihre Ankunft in Israel
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Nach der letzten großen Einwanderungswelle in den 90er Jahren sinkt in Israel die Zahl der Immigranten. Jetzt startete die Regierung eine Kampagne unter dem Motto: «Wir kommen zu Israels 60. Geburtstag nach Hause».

60 Jahre nach der Staatsgründung fließt der Strom der Einwanderer nach Israel nur noch langsam. Etwas weniger als 20.000 Menschen sind nach Angaben des Zentralen Statistikbüros im vergangenen Jahr nach Israel eingewandert. Auch 2008 ist die Tendenz sinkend: 3424 Immigranten wurden im ersten Quartal verzeichnet. Damit ähnelt die Situation wieder der vor der großen Einwanderungswelle in den 90er Jahren, als knapp eine Million Menschen in das Land kamen - vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion. «Die Zahl der Menschen, die Israel verlassen, nähert sich jetzt der Zahl der Einwanderer an», erklärt Meital Noy, Sprecherin des Einwanderungsministeriums.

Angesichts der sinkenden Zahlen sucht das israelische Einwanderungsministerium jetzt nach neuen Zielgruppen. Mit einer Kampagne bemüht sich die Behörde seit November unter dem Motto «Wir kommen zu Israels 60. Geburtstag nach Hause» um die Rückkehr wieder in ihre Heimatländer abgewanderter Immigranten oder Auslands- Israelis. Ihnen werden besondere Vergünstigungen angeboten, etwa im Bereich der Krankenversicherung und Beschäftigung. Jüdische Ärzte werden sogar mit einer besonderen Prämie von 60.000 Dollar für eine Einwanderung im Jubiläumsjahr 2008 belohnt. Insgesamt leben nach Schätzungen des Einwanderungsministeriums bis zu 700.000 Israelis im Ausland, davon etwa 450.000 in den USA.

Die jüdische Immigration hat in Israel eine besondere politische und emotionale Bedeutung. Auf Hebräisch wird sie «Alija» genannt, Aufstieg. Die Auswanderer heißen dagegen «Jordim», Absteiger. Sie galten lange als Verräter, weil die Auswanderung als Gefährdung des Weiterbestands Israels angesehen wurde.

Offen Türen nach Staatsgründung

Auswanderungsbereite Juden 1938 in Wien
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Die jüdische Einwanderung, vor allem aus Osteuropa, begann zum Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der zionistischen Bewegung und als Reaktion auf Pogrome gegen Juden - also noch lange vor der Staatsgründung. Das damalige Palästina stand noch unter ottomanischer Herrschaft, die 1917 endete. Während des darauffolgenden britischen Mandats kamen weiter Einwanderer, hauptsächlich aus Russland und Polen. Insgesamt gab es vor der Staatsgründung fünf große Einwanderungswellen, die letzte brachte von 1929 bis 1939 fast 200.000 Juden, darunter zahlreiche aus Deutschland, die vor den Nationalsozialisten flohen.

Auf arabischen Druck hin beschränkte die britische Mandatsmacht dann von 1939 die Einwanderung nach Palästina. Für europäische Juden erschwerte die Politik weiter die Flucht vor den Nationalsozialisten und viele versuchten, illegal nach Palästina einzuwandern. Nach der Staatsgründung am 14. Mai 1948 standen dann die Türen offen für jüdische Einwanderer, die vor allem aus Europa und den arabischen Staaten kamen. Zwischen 1948 und 1970 kamen etwa 600.000 Juden allein aus Europa nach Israel. Die meisten von ihnen waren Holocaust- Überlebende. Bis 1973 stieg die Bevölkerung Israels von 657.000 auf mehr als drei Millionen. Für die Palästinenser bedeutete die israelische Staatsgründung eine Katastrophe - mehr als 700.000 arabische Einwohner Palästinas verloren im ersten Nahostkrieg durch Flucht oder Vertreibung ihre Heimat.

Vorurteile und Ressentiments

Jede jüdische Einwanderungsgruppe hatte in Israel mit Ressentiments und Vorurteilen gegenüber ihren ethnischen Eigenschaften zu kämpfen. Die deutschen «Jekkes» galten etwa als ordnungsliebend und pünktlich, aber auch als stur und humorlos. Den aus Marokko eingewanderten Juden sagte man nach, sie seien ungebildet und gewaltbereit. Jahrzehntelang beklagten die orientalisch-stämmigen Sepharden eine Diskriminierung durch die europäische Elite, die Aschkenasim.

«Heute wandern Juden eher aus freiem Willen und ideologischen Gründen und weniger unter wirtschaftlichem Druck nach Israel ein», erklärt Sprecherin Noy. Angesichts anti-semitischer Anfeindungen in Europa, vor allem in Frankreich, sehe man dort ein weiteres Potenzial für künftige Einwanderer. «Wir müssen auch in Zukunft alles tun, um Juden dabei zu helfen, nach Israel zu kommen.» (Von Sara Lemel, dpa)


 
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