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US-Vorwahlen: 

Radikaler Pastor bringt Obama in neue Nöte

29. Apr 2008 17:25
Jeremiah Wright in einer Pressekonferenz am Montag
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Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Für den demokratischen Kandidaten ist sein Ex-Weggefährte Jeremiah Wright zu einem solchen geworden. Eine Woche vor zwei Vorwahlen muss Obama einen neuen Sturm der Entrüstung überstehen.

Der radikale ehemalige Pastor von Barack Obama, Jeremiah Wright, hat erneut Schlagzeilen ausgelöst. Nachdem sich Obama bereits Anfang März von mehreren früheren Predigt-Äußerungen des Geistlichen distanziert hatte, trat Wright mit kontroversen Bemerkungen erneut an die Öffentlichkeit. Der demokratische Präsidentschaftskandidat distanzierte sich umgehend von Wright. «Gewiss haben die vergangenen Tage klar gezeigt, dass wir unseren Wahlkampf nicht mit ihm koordinieren», sagte Obama am Montag in dem gequälten Versuch, dem Ganzen eine humorige Note zu geben. Da hatte das US-Fernsehen auf allen Kabelkanälen einen Tag lang fast nonstop über Wrights Auftritte berichtet. Und am Dienstag waren Wrights Eskapaden weiterhin das Topthema in den US-Medien.

Der inzwischen in den Ruhestand getretene Wright hatte in den im März bekannt gewordenen Predigt-Passagen unter anderem gesagt, die USA hätten durch eigenes terroristisches Verhalten die Terroranschläge vom 11. September selbst auf sich gezogen. Die Äußerungen hatten in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nach wochenlangem Schweigen war Wright seit Freitag gleich mehrere Male in den Medien aufgetreten. Dabei schwächte er Teile seiner Äußerungen ab oder betonte, sie seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Andere Passagen bekräftigte er jedoch, darunter seine Behauptung, dass Aids ein bewusstes Instrument der US-Regierung zur Vernichtung Schwarzer sei.

«Angriff auf die schwarze Kirche»

Wright selbst begründete seine Kampagne ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt für Obama damit, dass der Sturm der öffentlichen Kritik an seinen Predigt-Äußerungen einen Angriff auf die gesamte schwarze Kirche darstelle. Es sei an der Zeit gewesen, dem entgegen zu treten. In den meisten Medienkommentaren wurde eine andere Erklärung für den Feldzug des Geistlichen gegeben: ein Ego «größer als die Sonne», wie es beispielsweise ein Moderator des Senders MSNBC formulierte. Für Wright sei es so wichtig, «sich selbst reden zu hören», dass es ihm gleichgültig sei, welchen Schaden er damit dem einstigen Schaf seiner christlichen Herde zufüge.

«Wir alle haben unser Kreuz zu tragen. Reverend Jeremiah Wright ist das von Barack Obama geworden», hieß es in einem Gastkommentar der «Washington Post» mit der Empfehlung, der Senator solle sich nun seinerseits revanchieren und sich gänzlich von Wright distanzieren. Konnte sich Obama dazu immer noch nicht durchringen, kam Mitgefühl aus einer unerwarteten Ecke. «Mir tut Obama leid», zitierte die «USA Today» den republikanischen Parteistrategen Ed Rollins. «Dieser Kerl Wright ist wie ein Stück Kaugummi unter deiner Schuhsohle. Du kannst es einfach nicht los werden.»

Zwei wichtige Vorwahlen am 6. Mai

Wenige Tage vor der Präsidentschaftsvorwahl in North Carolina hat der Gouverneur des Staates die Nominierung von Hillary Clinton als demokratische Spitzenkandidatin empfohlen. Sie sei vom ersten Tag an einsatzbereit und handlungsfähig, sagte Mike Easley am Dienstag im Beisein der Ex-First Lady in Raleigh, der Hauptstadt des US-Bundesstaates. Die demokratische Kandidatenkür in North Carolina findet am 6. Mai statt. Am selben Tag sind auch Vorwahlen in Indiana angesetzt. Nach Umfragen liegt der schwarze Senator Obama in North Carolina, das einen hohen afroamerikanischen Bevölkerungsanteil hat, mit mindestens zehn Prozentpunkten in Führung. In Indiana deutet sich dagegen ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Viele Experten meinen, dass ein Doppelsieg von Obama massiv den Druck auf Clinton verstärken würde, aus dem Rennen auszusteigen. (dpa)


 
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