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Eigenlob und Superlative: 

Sarkozy will «zweite Chance» nutzen

25. Apr 2008 12:49
Nicolas Sarkozy am Donnerstag im Élysée-Palast
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Hinter dem großen TV-Monolog steckt eine neue Image-Kampagne des französischen Präsidenten. Nötig ist sie: Die Mehrheit der Wähler hält sein erstes Jahr im Amt für gescheitert.

Der «neue Sarkozy» ist da: ernst, sachlich, ein Präsident im Stile seines Vorgängers Jacques Chirac. Mit einem minutiös geplanten TV-Interview hat Nicolas Sarkozy eine «pädagogische Offensive» genannte Werbekampagne für seine Reformen gestartet. Tagelang hatten seine Medienexperten den Auftritt vorbereitet, der den Staatschef aus dem Umfragetief hieven soll. Nun sollen die Minister drei Tage lang im Dauereinsatz auf allen Kanälen die Botschaft ihres Chefs immer wieder neu verkünden. Jetzt, ein Jahr nach der Wahl und wenige Wochen vor Beginn der arbeitsintensiven EU-Ratspräsidentschaft, würden die Weichen gestellt für den Erfolg der Präsidentschaft, heißt es im Élyséepalast.

Um Superlative beim Eigenlob ist Nicolas Sarkozy eigentlich nicht verlegen. «Niemals seit Charles de Gaulle hat es eine solche Reformtätigkeit gegeben», sagte er kürzlich. Sein Bemühen um den sozialen Dialog nennt er «die wichtigste Reform seit der Befreiung» vom Nazi-Joch. Er schaffe den «Bruch» mit allem, was linke wie rechte Regierungen zuvor jahrzehntelang verkorkst und versäumt hätten. Doch die Bürger sahen nach einem Jahr Sarkozy lediglich einen «Bruch» bei den Manieren, aber eine Kontinuität beim Bruch der Wahlversprechen. Mit dem TV-Auftritt wollte der «Medienpräsident» diesen Eindruck verwischen und «neuen Schwung» für die Strukturreformen holen.

In allen Umfragen erreicht Sarkozy derzeit Werte der Superlative, aber nur bei der Enttäuschung der Wähler. 72 Prozent sind mit seiner Bilanz unzufrieden und sechs von zehn Franzosen erklären sein erstes Jahr schlicht für «gescheitert». So schlecht wurde noch kein Präsident nach seinem ersten Jahr bewertet. Sarkozy ist nach einer Erhebung für den «Le Parisien» in den Augen der Franzosen zudem der Staatschef, der in seiner Zeit sein Land am schlechtesten repräsentiert. Am besten schneidet ausgerechnet sein «politischer Urvater» General Charles de Gaulle ab.

Mit dem TV-Interview wollte der «große Kommunikator» die Wende einleiten. «Ich werde doch nicht zulassen, dass die Presse meine Bilanz zieht. Das brächte mir nur Kritik ein», zitierten Élysée-Mitarbeiter den Präsidenten einem Bericht des «Canard enchainé» zufolge. Regierung und Medienvertreter streiten, ob Sarkozy die Fragesteller für das Interview «ausgesucht» oder nur «akzeptiert» hat. Sarkozy machte aus dem Interview dann fast einen Monolog, der kaum Zeit zum Nachfragen ließ. Die TV-Sender investierten 280.000 Euro, um den Festsaal im Élyséepalast mit von unten beleuchtetem Glasboden und transparentem Designertisch für das Interview herzurichten. Der Star-Innenarchitekt Philippe Désert sorgte für das Decor.

Eigentlich bräuchte Sarkozy der Unmut der Bürger nicht zu kümmern, und er sagt es auch: «Ich habe noch vier Jahre, und niemand kann etwas daran ändern.» Allerdings wurde die eigene Fraktion zuletzt immer rebellischer. Die Abgeordneten sind es leid, wegen sinkender Kaufkraft und Sarkozys Lebenswandel in ihren Wahlkreisen «abgewatscht» zu werden. Mit dem TV-Auftritt werbe Sarkozy für eine «zweite Chance», schreibt «France Soir». Und die Wähler seien bereit, sie ihm zu geben, denn die Opposition biete keine Alternative. Das ist auch den von Machtkämpfen zerrissenen Sozialisten bewusst. «Die Idee des Sozialismus ist teilweise tot und wir können nicht alleine mit der Ablehnung Sarkozys gewinnen», analysiert der Partei-Jungstar Manuel Valls. Das gibt dem «neuen Sarkozy» Zeit zum Überzeugen. (Hans-Hermann Nikolai, dpa)


 
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