Welternährung:
Uno fehlen Finanzmittel gegen Hungerkrise
25. Apr 2008 11:01
 |  Hungernde in Haiti | Foto: AP |
|
Millionen Menschen droht laut Angaben der Vereinten Nationen der Hungertod, falls die reichen Länder der Bitte um sofortige Finanzhilfe weiterhin so schleppend nachkommen. Japan hat bereits darauf reagiert.
Zehn Tage nach dem Appell der Weltbank hat nun das Welternährungsprogramm der Uno (WFP) die internationale Gemeinschaft erneut um Soforthilfen im Kampf gegen die Hungerkrise gebeten. Wenn in den kommenden Wochen nicht 280 Millionen Dollar zusammenkämen, müsse die Versorgung von Millionen Bedürftigen eingeschränkt werden, warnte WFP-Direktorin Josette Sheeran am Donnerstag.
Japan hat bereits auf den Hilferuf des Welternährungsprogramms reagiert und stellt Auslandshilfen von rund 100 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Hälfte davon solle im Mai nach Afrika geschickt werden, sagte Kabinettsminister Nobutaka Machimura am Freitag. Der Rest solle im Laufe der kommenden drei Monate folgen. Darüber hinaus seien Maßnahmen wie eine mittel- und langfristige Erhöhung der Lebensmittelproduktion sowie Verbesserungen bei der Produktivität der Landwirtschaft nötig. Auch Handelsfragen und das Thema Klimawandel spielten in diese Frage hinein, sagte Machimura. Japan hat angekündigt, den Anstieg der Lebensmittelpreise auch beim G8-Gipfel im Juli auf die Agenda zu setzen.
Wegen der Erhöhung der Lebensmittelpreise hatte das WFP die Geberstaaten ursprünglich um zusätzliche Finanzhilfen in Höhe von 755 Millionen Dollar gebeten. Davon seien bislang aber nur 63 Prozent eingegangen. Allein die Preissteigerung um durchschnittlich 40 Prozent verursache Kosten von 280 Millionen Dollar, sagte Sheeran in Rom.
Nur ein Drittel der Ernte
Aufgrund der akuten Lebensmittelkrise sei das WFP aber auf zusätzliche Mittel der internationalen Gemeinschaft angewiesen. Das WFP versorgt jährlich etwa 80 bis 90 Millionen Flüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen. Es hilft unter anderem in der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur und in Afghanistan. Die dramatische Versorgungslage in Ländern wie Haiti habe nun eine neue Situation geschaffen, sagte Sheeran: «Ich habe dies das neue Gesicht des Hungers genannt.» So seien jetzt Millionen von Menschen auf Hilfen angewiesen, die noch vor sechs Monaten nicht als dringend hilfsbedürftig eingestuft worden seien. Bei einer Reise durch Kenia habe sie Bauern besucht, die nur ein Drittel der Ernte des vergangenen Jahres erwarteten, so Sheeran. Als Grund nannte sie die gestiegenen Preise für Saatgut und Düngemittel. «Wir sind auch deswegen sehr besorgt, weil dies nicht nur eine Frage des Hungers, sondern auch der Stabilität ist. In den jüngsten Monaten haben wir mehr als 34 Länder mit Protesten und Nahrungsmittelunruhen gesehen.»
Börsenspekulationen sind schuld
Der Hauptgrund für den rasanten Preisanstieg bei Lebensmitteln liegt nach Meinung des Chef-Volkswirts der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Heiner Flassbeck, in Spekulationen an Rohstoffbörsen. «Es muss eine dramatische Spekulation geben, nur so etwas kann den Reispreis in kurzer Zeit so hochtreiben», sagte Flassbeck der «Frankfurter Rundschau». An den Warenterminbörsen hätten sich die Spekulationen auf Nahrungsmittel seit vorigem Sommer «deutlich verstärkt». Zugleich hätten sich die Spekulanten vom amerikanischen Hypothekenmarkt zurückgezogen. Flassbeck fordert, dass die reichen Länder Notprogramme der Vereinten Nationen nachfinanzieren, um den Ärmsten der Armen schnell zu helfen. «Da geht es nicht um große Summen. Die letzte Zahl, die ich gehört habe, sind 750 Millionen Dollar», sagte der Ökonom. Er macht sich zudem dafür stark, dass die Landwirtschaft in Entwicklungsländern mit staatlichen Eingriffen gestärkt wird. «Man muss einen Mindestpreis und einen Höchstpreis festlegen. Anders geht es nicht.» Verlässliche Preise seien Voraussetzung dafür, dass Bauern in die Ausweitung der Produktion investierten. (nz/AP)