Friedensbemühungen für Unruhe-Provinz: 

netzeitung.dePakistans Regierung bietet Taliban Vertrag an

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Stammesangehörige in Waziristan (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stammesangehörige in Waziristan
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Weder die Briten noch die Pakistaner konnten die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan je unter ihre Kontrolle bringen. Der neuen Regierung in Islamabad könnte es jetzt gelingen - mit einem Vertrag.

Die im Februar neu gewählte Regierung Pakistans setzt auf einen Aussöhnungskurs mit den Taliban-nahen Extremisten und will mit den Aufständischen im unruhigen Süd-Waziristan einen Friedensvertrag schließen. Anschläge und Angriffe in Pakistan dürften abnehmen. In Afghanistan aber droht als Folge eines Abkommens womöglich eine Eskalation der Gewalt.

Nach pakistanischen Medienberichten sieht der Vertrag vor, dass die Armee sich aus dem Unruhegebiet zurückzieht. Im Gegenzug verpflichten sich die Aufständischen, ihre Angriffe auf Sicherheitskräfte zu beenden. Ausländische Extremisten müssen die Region verlassen. Doch es sind längst nicht nur Ausländer, die von den Stammesgebieten aus Ziele in Afghanistan angreifen. Auf beiden Seiten der Grenze wohnen Paschtunen, aus denen Mitte der 90er Jahre die Taliban in Afghanistan hervorgingen. Die Region ist streng muslimisch. Die ausländischen Truppen in Afghanistan gelten fast allen Paschtunen in den Stammesgebieten als ungläubige Besatzer. Von dort aus werden regelmäßig Ziele im Nachbarland angegriffen.

«Unser Dschihad in Afghanistan wird weitergehen»
Die Stammesgebiete sind zum Rückzugsraum für die radikalislamischen Rebellen geworden. Dorthin können ihnen die afghanischen und ausländischen Streitkräfte, deren Soldaten in Südafghanistan inzwischen fast täglich angegriffen werden, nicht folgen. Die afghanische Regierung wirft Islamabad immer wieder vor, den grenzüberschreitenden Terrorismus nicht zu unterbinden. Auch westliche Staaten drängen Islamabad regelmäßig, stärker gegen die Extremisten in der Grenzregion vorzugehen. An einen Vertrag wie jenen, dessen Abschluss nun bevorzustehen scheint, dürften sie dabei nicht gedacht haben. Medienberichten zufolge geht das Abkommen auf die grenzüberschreitenden Angriffe gar nicht ein.

Der wichtigste Extremistenführer in den Stammesgebieten ist Baitullah Mehsud. Der Chef der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), der Taliban-Bewegung Pakistans, befahl seinen Anhängern angesichts der Vertragsverhandlungen, alle Angriffe zu stoppen - in Pakistan. Mehsuds Sprecher machte am Donnerstag deutlich, dass das selbst bei einem Vertragsabschluss keinesfalls für Afghanistan gelten werde. Maulvi Omar sagte dem Urdu-Dienst der britischen BBC: «Wenn der Friedensvertrag unterzeichnet ist, werden wir nicht verpflichtet sein, unsere Aktionen gegen US- und alliierte Kräfte in Afghanistan abzubrechen. Unser Dschihad auf der anderen Seite der Grenze wird weitergehen, bis Amerika die Besatzung Afghanistans beendet.»

USA über Vertrag besorgt
Die Regierung in Washington ist nach eigenem Bekunden «besorgt» über den geplanten Vertrag. Nach dem in dem Abkommen vorgesehenen Abzug der pakistanischen Armee aus der Region dürften die Extremisten dort gänzlich ungestört operieren können. Unter dem damaligen Militärmachthaber Pervez Musharraf waren zwei solche Abkommen mit Extremisten in Nord- und Süd-Waziristan im Sommer vergangenen Jahres gescheitert. Die Zeit, in der die Verträge galten, nutzten die Extremisten, sich neu zu formieren. Einer der Vertragspartner war Mehsud, der das Abkommen nach dem Sturm der Armee auf die von Koranschülern besetzte Rote Moschee in Islamabad aufkündigte.

Seit dem Ende der Abkommen haben die Extremisten nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Pakistan zahlreiche Anschläge verübt. Mehsud wird von der Regierung unter anderem für den Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto von der Pakistanischen Volkspartei PPP Ende vergangenen Jahres verantwortlich gemacht. Die PPP führt nach ihrem Wahlsieg die Koalitionsregierung in Islamabad - die nun mit Mehsud Frieden schließen will. (Can Merey, dpa)