Presseschau zu den US-Vorwahlen:
USA nicht bereit für schwarzen Präsidenten
24. Apr 2008 12:33
 |  Clinton überzeugt vor allem Frauen, Ältere und die traditionelle Arbeiterklasse | Foto: AP |
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Hillary Clinton hat die Vorwahlen im US-Bundesstaat Pennsylvania gewonnen und ist damit weiter im Rennen gegen Obama. Der Republikaner McCain könnte von der Schlammschlacht der Demokraten profitieren.
Italiens «La Repubblica»: Bittere Wahrheit für Obama
Der Bruderkrieg. Wenn man hinter die Kulissen dieses entsetzlichen, endlosen und zerfetzenden Vorwahlkampfes zwischen Barack Obama und Hillary Clinton sieht, der mit dem öffentlichen Suizid der Demokratische Partei noch über Wochen so fortzufahren droht, dann stoßen wir auf einen bitteren Kern.
Es ist eine Wahrheit, bei der man nicht mehr so tun kann, als würde man sie nicht sehen: Auch das demokratische Amerika, jenes, das, wenn auch nicht immer, doch links stehen müsste, ist noch nicht zur Wahl des «schwarzen Mannes» bereit. Der klare Sieg der Hillary Clinton gegen den afroamerikanischen Senator im Bundesstaat Pennslyvania sagt das nur noch einmal, was alle Niederlagen des Barack Obama in den großen US-Bundesstaaten doch bereits deutlich gemacht haben.»
«Salzburger Nachrichten»: McCain reibt sich die Hände
Es ist förmlich zu spüren, dass die beiden Kandidaten einander nicht leiden können. Damit wächst die Gefahr, dass der Verlierer den Sieger im Wahlkampf gegen McCain womöglich nicht aus vollem Herzen unterstützen wird. Die Republikaner reiben sich die Hände. Sie haben den unpopulärsten Präsidenten seit langem, das Land leidet unter einer miserablen Wirtschaftslage, sie haben einen schlecht geführten Krieg zu verantworten - und weit und breit kein Gegner, der in der Lage wäre, die Situation zu seinen Gunsten auszunützen.
Dänemarks «Jyllands-Posten»: Obamas Image ist sauber
Nach dem Sieg in Pennsylvania deutet viel darauf hin, dass Hillary Clinton bis zum bitteren Ende weitermachen will. Damit wird der Gegenkandidat Barack Obama zu einem Balancegang zwischen zwei Strategien gezwungen. Wenn er nicht zeigt, dass er sich Clinton entgegenstellen kann, riskiert er die Schwächung seiner Schlagkraft gegen den Republikaner John McCain. Aber er muss auch auf sein sorgsam aufgebautes Image als neuer Politiker-Typ achten, der sich nicht der schmutzigen Tricks der etablierten politischen Elite bedient.
Englands «Independent»: Clinton besser im Kampf gegen McCain
Barack Obama muss geduldig bleiben; geduldig und sehr vorsichtig. Selbst wenn er am 6. Mai im Bundesstaat Indiana gewinnt, hat er die Kandidatur für die Demokratische Partei noch nicht in trockenen Tüchern. Je mehr sich Hillary Clinton unter Druck fühlt, umso eindrucksvoller nutzt sie ihr Image als Underdog für ihre Kampagne. Das Argument, dass sie gegen John McCain im November die besseren Chancen hat, wird ab jetzt wohl das zentrale Thema ihres Wahlkampfs werden – diesen Beweis habe die weiße Arbeiterklasse in Pennsylvania erbracht.
Hollands «de Volkskrant»: Obama patzt bei wichtiger Wählerschaft
In der Wählerschaft der Demokraten beginnt sich eine gefährliche Bruchlinie abzuzeichnen. Obama erreicht vor allem junge, gebildete und wohlhabende Wähler. Clinton kommt vor allem bei Frauen, Älteren und der traditionellen Arbeiterklasse an. Obama gewinnt in den meisten Staaten, Clinton gewinnt in allen großen Staaten. Im Prinzip ist und bleibt Obama der interessantere und attraktivere Politiker. Als relativer Neuling schleppt er den geringsten Ballast mit und sollte Trennwände aufbrechen können, die die amerikanische Politik schon lange behindern. Aber es ist sehr besorgniserregend, dass es ihm überhaupt nicht gelingt, eine Brücke zu jenem Teil der Wählerschaft zu bauen, der für die Demokraten bei der Präsidentenwahl von so entscheidender Bedeutung ist.
«Taz»: Vorwahlkampf ist ein Akt der Selbstzerstörung
Es spricht einerseits für die Demokratische Partei, dass sie ihren Vorwahlprozess so basisdemokratisch wie nur möglich gestalten will. Andererseits ist längst klar, dass ausgerechnet dieser Wahlkampf, in dem die Partei gleich mit zwei außergewöhnlichen Kandidaten Geschichte schreibt, zum Akt der Selbstzerstörung zu werden droht. Denn jeder Tag, den die demokratischen Vorwahlen länger in Anspruch nehmen, verkürzt den Hauptwahlkampf gegen die Republikaner. Und das ist schlecht.
Spaniens «El Mundo»: Duell weckt politisches Interesse
Drei Monate nach dem Beginn der Vorwahlen in den USA fiebert das ganze Land mit den Demokraten. Noch nie in ihrer Geschichte haben die USA einen so spannenden Kampf um eine Kandidatur für die Präsidentenwahl erlebt wie jetzt beim Duell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama. Die Vorwahlen erweckten in den Vereinigten Staaten und im Ausland ein ungewöhnliches Interesse für die Politik. Dies gilt nicht nur für die Medien, sondern auch für die einfachen Leute auf der Straße. Millionen von Amerikanern gaben erstmals ihre Stimme ab. Man sagt, das Duell bei den Demokraten nutze dem Republikaner John McCain. Das muss aber nicht so sein. McCain taucht in den Medien praktisch nicht auf, alles dreht sich um Clinton und Obama.»