Kritik an Chinas Regierung:
Uiguren klagen «kulturellen Völkermord» an
21. Apr 2008 15:14
 |  Rebiya Kadeer kämpft gegen chinesische Unterdrückung | Foto: AP |
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Von der einen Minderheit hört man derzeit viel, den Tibetern, jetzt meldet sich eine weitere zu Wort: Die Uiguren kritisieren, dass China sie foltert, verhaftet, zwangsweise deportiert – und rufen auf zum Olympia-Boykott.
Das zentralasiatische Volk der Uiguren hat die Bundesregierung aufgefordert, den Druck auf Peking zu erhöhen. Die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen müssten aufhören, sagte die Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer, am Montag bei einer Tagung in Berlin. «Wir sind zu Menschen zweiter Klasse in der eigenen Heimat geworden.» Anders als die Tibeter seien die Uiguren von der Weltöffentlichkeit jedoch weitgehend vergessen.
Solange die Menschenrechtsverletzungen gegen Uiguren und andere Minderheiten in China nicht aufhörten, dürften die Olympischen Spiele nicht stattfinden. Kadeer forderte Staats- und Regierungschefs der internationalen Gemeinschaft auf, die Eröffnungsfeier in Peking zu boykottieren. Vor den Olympischen Spielen seien die Repressionsmaßnahmen gegen die mehrheitlich sunnitischen Uiguren noch weiter verschärft worden. Sie sei keineswegs gegen Olympische Spiele, sagte Kadeer. Aber diese Spiele hätten den Uiguren nur Leid und Unterdrückung gebracht. Wenn Menschenrechte verletzt würden, verstoße dies auch gegen olympische Grundsätze.
Pauschal als Terroristen betrachtet
Die Uiguren leben im autonomen Gebiet Ostturkestan im Westen der Volksrepublik und betrachten China als Besatzungsmacht. Die in China unterdrückte muslimische Minderheit der Uiguren warf der chinesischen Führung in Peking «kulturellen Völkermord» vor. Die Uiguren würden in der Region Xinjiang (Nordwest-China) gefoltert, verhaftet, zwangsweise deportiert und ihrer Sprache und Kultur beraubt, kritisierte die Menschenrechtlerin. Die Volksgruppe umfasse 20 Millionen Menschen. Chinesische Behörden gehen etwa von halb so vielen aus. Tausende Frauen seien gezwungen worden, an die chinesische Ostküste umzuziehen, sagte die Präsidentin. Im Gegenzug seien zahlreiche Chinesen in Ostturkestan angesiedelt worden — oft auf Land, das Uiguren vorher abgenommen worden war.
Nooke fordert von China Gesprächsbereitschaft
Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 würden die Angehörigen ihres Volkes pauschal als Terroristen betrachtet. Dieser Deckmantel diene den Behörden für Verbrechen und Willkür gegen Uiguren, sagte Kadeer. Ein Sprecher der Gesellschaft für bedrohte Völker bestätigte den Verdacht.Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Günter Nooke, forderte China zu einem substanziellen Dialog mit den Minderheiten auf. «Wir werden nicht nachlassen in dem Bemühen, der chinesischen Regierung deutlich zu machen, dass wir einen konstruktiven, auf Kooperation gerichteten Ansatz verfolgen», versprach er. Einen Boykott der Olympischen Spiele lehnte er ab. (epd/AP)