Streit um Schutz:
Japaner lassen Olympia-Einheit abblitzen
20. Apr 2008 13:56
 |  Bei den Protesten in Paris waren die chinesischen Spezialisten vor Ort. | Foto: AP |
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Das rabiate Auftreten der chinesischen «Fackelbegleiter» hat für Kritik gesorgt. Deshalb soll das Feuer ohne sie durch Nagano transportiert werden. Eine deutsche Degenfechterin ruft unterdessen zum TV-Boykott auf.
Die olympische Fackel soll auf ihrem Weg durch die japanische Stadt Nagano nach dem Willen der örtlichen Polizei nicht von Mitgliedern chinesischer Spezialeinheiten begleitet werden. Die Behörden hätten einen Vorschlag der chinesischen Olympia-Organisatoren, sieben Sicherheitskräfte nach Nagano zu entsenden, offiziell abgelehnt, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag.
Die von Peking als «Fackelbegleiter» bezeichneten Männer haben mit ihrem Vorgehen in London und Paris Kritik auf sich gezogen. Zwei chinesische Vertreter, die allerdings nicht den Sicherheitskräften angehörten, dürften die Fackel begleitet, berichtete Kyodo weiter. Sie könnten die Fackel wieder entzünden, sollte sie ausgehen. Läufer in anderen Ländern hatten sich über das rabiate Vorgehen der Männer in den blauen Trainingsanzügen beschwert: Die Mitglieder von Eliteeinheiten der chinesischen Militärpolizei seien aggressiv gewesen, hätten Anweisungen gebrüllt und einem Läufer in Paris ein Stirnband mit einer tibetischen Flagge entrissen.
Fifa-Chef gegen Boykott
Die deutsche Degenfechterin Imke Duplitzer fordert die TV-Zuschauer unterdessen auf, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. «Auch als Fernsehzuschauer kann ich zeigen, dass es so nicht weitergehen soll. Indem ich abschalte», sagte die 32 Jahre alte Olympia-Teilnehmerin in einem Interview mit dem «Tagesspiegel am Sonntag». Die Vize-Weltmeisterin von 2002 hatte bereits zuvor angekündigt, bei ihren vierten Spielen der olympischen Eröffnungsfeier fern zu bleiben. Bei der Team-Weltmeisterschaft am Samstag in Peking hatte Duplitzer mit den deutschen Degendamen am Samstag die Bronzemedaille gewonnen.Fifa-Chef Joseph Blatter lehnt einen Boykott der Fußballer bei den Olympischen Spielen in Peking ab. Das Boykottieren von Wettkämpfen gehöre nicht zur Philosophie der Fifa, sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes. Die Fifa werde sich nicht an Diskussionen darüber beteiligen. Blatter, der Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, kritisierte zudem Attacken auf die olympische Fackel. «Die olympische Fackel repräsentiert eine Botschaft und ein Ideal des olympischen Geistes», sagte er. Wenn es nicht möglich sei, eine solche Fackel um die Welt zu tragen, stimme etwas mit der Welt nicht - nicht mit der Fackel.
Vorbereitungen in Australien
Die olympische Fackel soll am 26. April durch Nagano getragen werden. Die Zeremonie dort sollte eigentlich am buddhistischen Tempel Zenkokuji beginnen, der jedoch am Freitag seine Teilnahme absagte. Zur Begründung hieß es, man unterstütze die Mönche in Tibet. Auch Sicherheitsbedenken wurden genannt. Derweil begann die Polizei in Australien am Sonntag, Barrieren für den Fackellauf am kommenden Donnerstag in der Hauptstadt Canberra aufzubauen. «Ich mache mir große Sorgen», sagte Außenminister Stephen Smith: «Wenn die Leute, die protestieren wollen, dies nicht friedlich tun, könnten wir so etwas wie die Ausschreitungen bei Fußballspielen sehen.» In Canberra haben Tibet-Aktivisten und regierungstreue Chinesen Proteste angekündigt. Die chinesische Botschaft habe versprochen, Teilnehmer aus Sydney und Melbourne umsonst nach Canberra zu transportieren und zu verpflegen, sagte der Organisator der Kundgebung der Peking-Sympathisanten der Zeitung «Sydney Morning Herald». Er rechnet mit 10.000 Teilnehmern.
Soldaten mit Schießbefehl in Nepal
Nepal hat auf Anraten Chinas am Mount Everest im Basis-Camp 2 auf einer Höhe von 6500 Metern zwei Dutzend Soldaten mit Schießbefehl stationiert. Sie sollten jeden Versuch unterbinden, den Fackellauf dort zu stören, berichtete die Zeitung «Kathmandu Post». In Nepal leben mehr als 20.000 Tibeter. Die olympische Flamme soll in der ersten Maihälfte von der tibetischen Seite aus auch auf den Mount Everest getragen werden. (dpa/AP)