18. Apr 2008 08:34
Der Papst hat bei seinem Besuch in Washington einen Missbrauchsskandal wieder ins Rampenlicht gerückt, der die katholische Kirche in den USA vor Jahren in eine schwere Krise gestürzt hatte. Ein kurzer Rückblick.
Einer 2004 veröffentlichten Studie zufolge haben mindestens 4400 Priester über einen Zeitraum von 50 Jahren knapp 11.000 Kinder sexuell missbraucht. In den meisten Fällen waren es Jungen. Vier Prozent aller katholischen Priester in den USA vergingen sich demnach an Kindern. Einige Kirchenobere wussten von Übergriffen, die Taten wurden zunächst aber oft verheimlicht, Täter nicht bestraft, allenfalls versetzt. Der Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law, musste 2002 zurücktreten, weil er den Pädophilie-Skandal mit mehr als 500 Fällen in seiner Diözese jahrelang vertuscht hatte.
Insgesamt hat der Skandal die Kirche Entschädigungszahlungen von mehr als 1,5 Milliarden Dollar gekostet. Mehrere Diözesen gerieten an den Rand des finanziellen Ruins. Einige, wie San Diego, meldeten Insolvenz an. Allein die Diözese Los Angeles zahlte 660 Millionen Dollar an mehr als 500 Opfer.
Als Folge des Skandals verlor die katholische Kirche in den USA stark an Ansehen. Es gab viele Kirchenaustritte, die aber durch katholische Einwanderer aus Mittel- und Südamerika ausgeglichen wurden. Inzwischen stellen Latinos etwa 40 Prozent der mit rund 65 Millionen Gläubigen weiterhin größten Kirche der USA. (dpa)