Predigt in Washington:
Benedikt XVI. warnt vor Gewalt und Entfremdung
17. Apr 2008 23:05
 |  Benedikt XVI. in Washington | Foto: AP |
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Der Papst hat im Baseballstadion von Washington die USA als «Land der Hoffnung» bezeichnet, zugleich aber scharfe Kritik am Verhalten der US-Bischöfe im Sexskandal der katholischen Geistlichen geübt.
Papst Benedikt XVI. hat die USA in einer Predigt vor rund 46.000 Menschen im Baseballstadion in Washington als Land der Hoffnung bezeichnet. Optimismus und Zuversicht seien ein entscheidender Teil des Charakters der Menschen in den USA. Gleichzeitig mahnte er, der Ureinwohner und der versklavten Schwarzen zu gedenken, die im Land schweres Unrecht erlitten hätten. Der Papst warnte außerdem vor einer Zerrüttung der sozialen Beziehungen, steigender Gewalt und Entfremdung. «Wir sehen klare Zeichen eines besorgniserregenden Zusammenbruchs der Grundlagen der Gesellschaft», rief er der Menge zu. Moralische Werte würden zunehmend aufgeweicht, die modernen Gesellschaften, stünden an einem Scheideweg. Hinzu komme «eine zunehmende Achtlosigkeit gegenüber Gott».
Der Papst predigte im neuen Baseballstadion bei strahlendem Sonnenschein in scharlachrotem Messgewand und goldener Bischofsmütze. Das Stadion war prall gefüllt, die Nachfrage nach Eintrittskarten war doppelt so groß wie der zur Verfügung stehende Platz. Schon vier Stunden vor der Messe trafen die ersten Gläubigen ein, zahlreiche warteten vor den Toren und hofften noch auf Eintrittskarten. Unter den Gästen waren auch prominente Abgeordnete wie die Präsidentin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, und der ehemalige Präsidentschaftskandidat John Kerry.
Scharfe Kritik wegen Sexskandal
Die Skandale um die sexuelle Misshandlung von Kindern durch katholische Geistliche sind indes das heikelste Thema auf Benedikts USA-Reise. Am Donnerstag ging er dabei zum dritten Mal in die Offensive. Vor der Menge sagte er: «Keine meiner Worte könnten den Schmerz und das Leid beschreiben, das durch solchen Missbrauch zugefügt wird.» Nach seiner Predigt ging der Papst von dem eigens errichteten Altar hinunter, um die Kommunion auszuteilen. Vor der Messe im Stadion kritisierte Benedikt die amerikanischen Bischöfe scharf wegen ihres Umgangs mit den Skandalen. Zugleich forderte er mehrere hundert US-Bischöfe in einer gemeinsamen Messe am Mittwochabend auf, sich dem gesellschaftlichen Trend zu widersetzen, Religion als Privatangelegenheit zu betrachten.Es sei nicht leicht gewesen, auf den Missbrauch von Kindern durch Geistliche zu reagieren «und manchmal. wurde es sehr schlecht gehandhabt», sagte Benedikt. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Francis George, hatte zuvor gesagt, die «manchmal sehr schlechte Handhabung» habe sowohl die Gläubigen als auch die Kirche selbst erschüttert. Es sei die «gottgegebene Verantwortung» der Bischöfe, gegen jene vorzugehen, die sich so schwerer Vergehen schuldig machten, mahnte der Papst. Man müsse aber auch daran erinnern, dass die ganz große Mehrheit der Priester treu der Kirche und ihren Gemeinden dienten.
«übersexualisierung» der Gesellschaft
Bereits bei seiner Ankunft hatte Benedikt erklärt, der Sexskandal in der katholischen Kirche erfülle ihn mit «tiefer Scham». Später stellte er die Verfehlungen in der Kirche in einen breiteren Zusammenhang und beklagte eine «Übersexualisierung» der Gesellschaft. «Was bedeutet es, von Kinderschutz zu sprechen, wenn Pornografie und Gewalt in so vielen Heimen durch allgemein zugängliche Medien betrachtet werden können?» fragte er. Vor dem Treffen mit den Bischöfen war Benedikt im und vor dem Weißen Haus ein herzlicher Empfang bereitet worden. Benedikt rief dabei die USA zur Konfliktlösung mit diplomatischen Mitteln auf. In einem 45-minütigen Gespräch mit Präsident George W. Bush bekräftigten beide ihre Ablehnung von Terrorismus und dem Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt. Am Freitag wird Benedikt bei den Vereinten Nationen erwartet. Am Samstag besucht er in New York die Gemeinde St. Joseph, die von der Tradition deutscher Einwanderer geprägt ist. Zum Abschluss will der Papst dem Mahnmal am «Ground Zero» seine Referenz erweisen, dem Ort der Terroranschläge vom 11. September 2001. (dpa/AP)