Wahlsieg in Italien:
Berlusconi will die Ärmel aufkrempeln
15.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Die immer neue Wiedergeburt Berlusconis» Nach dem soliden Sieg der Rechten gab sogar die linksliberale römische «La Repubblica» dem Mann erst einmal politischen Zukunftskredit, auch wenn keiner seiner Gegner vergessen hat, wie Berlusconi als Selbstdarsteller viel außenpolitisches Porzellan zerschlagen hatte. Wiederholt angeklagt wegen Bestechung oder Korruption, hatte er als Ministerpräsident das Land von 2001 bis 2006 zudem alles andere als auf Vordermann gebracht. Und jetzt wird Europas «rotes Tuch», wenn es nach ihm geht, wieder fünf Jahre lang aus der Ewigen Stadt heraus Italiens Geschicke bestimmen.
Berlusconi steht im Rampenlicht, aber es gab auch ein «Erdbeben im Parlament». So umschreibt der Mailänder «Corriere della Sera» das verblüffende Ergebnis einer Art Doppelstrategie, mit der die Wähler Berlusconi aufs Schild gehoben und in den Kammern aufgeräumt haben. Auch ohne Wahlrechtsreform ist Italien auf dem Weg zum Zweiparteiensystem. Der Parteiendschungel aus rivalisierenden Gruppen und Grüppchen, der nicht zuletzt zum Sturz der Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi beigetragen hatte, ist mit der Wahl gelichtet. Das «Erdbeben» brachte die radikale Linke zum Einsturz. Auch die rechtsextreme «La Destra» bleibt vor der Parlamentstür mehr Freiraum also für die «Großen».
Wie auch immer: Nach einem Sieg, dessen Deutlichkeit selbst Politikwissenschaftler überraschte, nimmt ein auffallend gelassener Berlusconi das Ruder wieder in die Hand. Sicher, Steuergeschenke hat er im Wahlkampf den Italienern versprochen, nicht aber das Blaue vom Himmel. Der enttäuschten Opposition hat er noch in der Wahlnacht die Hand gereicht, denn die wirtschaftlichen und sozialen Probleme legen ein gemeinsames Vorgehen dringend nahe. Entschuldigungen gibt es für Berlusconi nicht mehr. Er wurde gewählt, um auch ohne Zauberstab Italien, den «armen kranken Mann Europas», etwas genesen zu lassen. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

