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Wahlsieg in Italien: 

Berlusconi will die Ärmel aufkrempeln

15. Apr 2008 14:11
Hat seinen Wählern viel versprochen: Silvio Berlusconi
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Italien hat den Rechtspopulisten mit einer komfortablen Mehrheit erneut auf den Schild gehoben. Nun will der designierte Premier rasch die Müllkrise in Neapel angehen und die marode Airline Alitalia retten. Aber er plant noch mehr.

Fröhlicher wirkten die Italiener am Morgen nach dem Kampf um Rom nicht. Ob am Bartresen beim Cappuccino mit Hörnchen oder in der Metro auf der Fahrt zur Arbeit – allenthalben wurden erst einmal die Gratiszeitungen studiert, die vom Urnengang und dem überzeugenden Wahlsieg Silvio Berlusconis berichteten.

Der Wähler vertraut noch am ehesten darauf, dass der Medienzar mit dem Macher-Anspruch die sich häufenden Probleme des Landes diesmal besser im Auge behält. Und das mit komfortablen Parlamentsmehrheiten. Was will Berlusconi (71) denn mehr? Nun könnte er zeigen, dass er es besser machen kann, schließlich möchte er als Staatsmann in die italienischen Geschichtsbücher eingehen.

«Die immer neue Wiedergeburt Berlusconis» – Nach dem soliden Sieg der Rechten gab sogar die linksliberale römische «La Repubblica» dem Mann erst einmal politischen Zukunftskredit, auch wenn keiner seiner Gegner vergessen hat, wie Berlusconi als Selbstdarsteller viel außenpolitisches Porzellan zerschlagen hatte. Wiederholt angeklagt wegen Bestechung oder Korruption, hatte er als Ministerpräsident das Land von 2001 bis 2006 zudem alles andere als auf Vordermann gebracht. Und jetzt wird Europas «rotes Tuch», wenn es nach ihm geht, wieder fünf Jahre lang aus der Ewigen Stadt heraus Italiens Geschicke bestimmen.

«Ich weiß, wo nun Hand angelegt werden muss»

Berlusconi verspricht einiges: Er will sofort die Ärmel aufkrempeln. Das schlank geplante Kabinett von zwölf Ministern soll als erstes mit dem zum Himmel stinkenden Müll in Neapel konfrontiert werden und das unter den Nägeln brennende Problem der maroden Alitalia anpacken. «Ich weiß, wo nun Hand angelegt werden muss», sagt Berlusconi. Im Sog der Globalisierung und der hausgemachten Krisen suchen die Italiener Halt beim rechten Mann, das ist ihm klar. Und offenbar verzeihen sie ihm seine begrenzte Achtung vor Justiz und Institutionen.

Berlusconi steht im Rampenlicht, aber es gab auch ein «Erdbeben im Parlament». So umschreibt der Mailänder «Corriere della Sera» das verblüffende Ergebnis einer Art Doppelstrategie, mit der die Wähler Berlusconi aufs Schild gehoben und in den Kammern aufgeräumt haben. Auch ohne Wahlrechtsreform ist Italien auf dem Weg zum Zweiparteiensystem. Der Parteiendschungel aus rivalisierenden Gruppen und Grüppchen, der nicht zuletzt zum Sturz der Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi beigetragen hatte, ist mit der Wahl gelichtet. Das «Erdbeben» brachte die radikale Linke zum Einsturz. Auch die rechtsextreme «La Destra» bleibt vor der Parlamentstür – mehr Freiraum also für die «Großen».

Rechtspopulisten in Norditalien stark

Der Rechtspopulist Umberto Bossi
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Am meisten wird sich «Il Cavaliere» noch mit einem anderen Mann aus dem Norden herumschlagen müssen. Denn zu seinem Parteienbündnis «Volk der Freiheit» gehört die rechtspopulistische Lega Nord mit drei Millionen Wählerstimmen hinter sich. «Umberto Bossi und Silvio Berlusconi gewinnen», so titelte das Gratisblatt «metro». Lega-Chef Bossi hat im Norden einen bemerkenswerten Sieg hingelegt, mit einer Partei, die in Italien gern mit der CSU verglichen wird. Damit hat Berlusconi einen starken Partner, der einen «autonomen Norden» will.

Wie auch immer: Nach einem Sieg, dessen Deutlichkeit selbst Politikwissenschaftler überraschte, nimmt ein auffallend gelassener Berlusconi das Ruder wieder in die Hand. Sicher, Steuergeschenke hat er im Wahlkampf den Italienern versprochen, nicht aber das Blaue vom Himmel. Der enttäuschten Opposition hat er noch in der Wahlnacht die Hand gereicht, denn die wirtschaftlichen und sozialen Probleme legen ein gemeinsames Vorgehen dringend nahe. Entschuldigungen gibt es für Berlusconi nicht mehr. Er wurde gewählt, um – auch ohne Zauberstab – Italien, den «armen kranken Mann Europas», etwas genesen zu lassen. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)


 
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