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Wahlen in Italien: 

Berlusconi, mein Freund

13. Apr 2008 13:59
Silvio Berlusconi testet ein Stück Mozzarella
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Warum nur, warum? Für Außenstehende erscheint es geradezu bizarr, dass Berlusconi und seine Partei «Popolo della Libertà» bei den italienischen Wahlen so gute Chancen haben. Mamma mia, in welche Erklärungsnot das Italiener im Ausland bringt! Zum Beispiel Giuseppe Pitronaci.

Erklären kann man das nicht. Auch wenn es die Frage der Fragen ist. Die Frage, die Italiener außerhalb Italiens derzeit so oft hören müssen wie die nach dem Wetter in Italien. Berlusconi führt mit seiner Partei die Wahlumfragen an. Warum?

Als Ministerpräsident war Berlusconi berüchtigt dafür, sich Staat und Gesetze nach privaten Bedürfnissen zurechtzubasteln. Ihm, dem reichsten Mann Italiens, war die Justiz wegen diverser Delikte auf den Fersen. So erließ er ein Gesetz, durch das die obersten Staatsrepräsentanten von Strafverfolgung verschont bleiben. Die Verjährungsfrist für Strafverfolgung setzte er herab. Er entkriminalisierte Bilanz-Fälscher. Er vermehrte sein Vermögen. Die Staatsverschuldung auch. Der Personenschutz für Justizbeamte, die gegen die Mafia ermitteln, wurde unter seiner Regierung halbiert. Einer seiner Minister sagte, man müsse mit der Mafia leben. Berlusconi ließ Mitarbeiter der staatlichen Fernsehanstalt RAI, die nicht auf seiner Linie lagen, entlassen.

Silvio Berlusconi zerfetzt das gegnerische Wahlprogramm
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Auch jetzt, kurz vor einem möglichen Comeback, trat er wieder als entschiedener Gegner allzu differenzierter Politik auf. Er zerriss das Wahlprogramm einer Gegenpartei vor laufender Kamera in Stücke. Er will Staatsanwälte regelmäßig auf psychische Gesundheit hin prüfen lassen. Einer jungen Frau mit prekärem Arbeitsverhältnis empfahl er, sich einen reichen Mann wie seinen Sohn zu suchen.

Warum hat dieser Mann so viele Anhänger? Außerhalb Italiens versteht das niemand. Man sollte die Frage denen stellen, die sie beantworten können: die Italiener in Italien. Ihre Antwort: Wir verstehen es auch nicht. Und wenn man die fragt, die ihn wählen? Schwierig, denn niemand wählt Berlusconi. Jedenfalls gibt das niemand zu. Offenbar haben Berlusconi-Wähler ein Bewusstsein dafür, dass das, was er macht, nicht ganz kompatibel ist mit gewissen europäischen Mindest-Anforderungen an moralisch vertretbare Politik. Sind den Berlusconi-Anhängern solche Standards egal? Warum wählen sie ihn trotzdem?

Angst vor Veränderung

Man kann nur spekulieren über die Gründe. Klar, die Medienmacht. Mehrere TV-Kanäle mit hoher Popularität sind Berlusconi-Kanäle. Hinzu kommen Zeitungen, Zeitschriften, Werbeagenturen. Einlullungspotential ist genug da. Aber auch der Anarchisten-Faktor ist hoch in Italiens Bevölkerung und der setzt der Einlullung durchaus Grenzen.

Vielleicht macht den Berlusconi-Wählern Angst, dass sich was ändern könnte in Italien. Dass es mehr Neutralität geben könnte statt Vetternwirtschaft. Mehr Verbindlichkeit statt vieler Möglichkeiten, zu tricksen. Mehr Rechtssicherheit statt Korruption. Solche Änderungen können in der Tat Angst machen. Reichen Menschen und armen. Die Lebenshaltungskosten in Italien sind hoch, für untere Einkommens-Schichten ist es nicht leicht, über die Runden zu kommen – besonders ohne Kontakte oder Tricksereien. Der Wegfall solcher Möglichkeiten kann Existenzsorgen bereiten.

Brief von Berlusconi

Berlusconi also als ein Garant dafür, dass alles so bleibt, wie es ist: Einen Job durch den Freund eines Verwandten. Ein bisschen weniger Geldknappheit durch korrupte Behörden. Eine Gefälligkeit gegen eine andere. Das gibt Sicherheit, Gewissheit, Verlässlichkeit. Berlusconi steht für die Fortsetzung des Klientelwesens, das schon im Alten Rom Bestand hatte. Dass vor allem wohlhabende Unternehmer und die Mafia von alledem profitieren, nimmt man in Kauf. Schließlich muss man als erstes an sich selbst denken und an den engsten Angehörigenkreis. Dann an den weiteren Angehörigenkreis. Irgendwann vielleicht auch an das Gemeinwesen, falls noch was übrig bleibt. Ach nein, das gibt man dann auch lieber den Freunden und Freundesfreunden.

Die wahlberechtigten Auslandsitaliener haben einen Brief von Berlusconi erhalten. «Cara amica, caro amico» stand darin. Liebe Freundin, lieber Freund. In Handschrift. Im Brief steht, dass er, Berlusconi, Italien wieder mehr Geltung verschaffen wolle. Er wirbt um jede Stimme. Am Schluss schreibt Silvio: «Danke von Herzen und eine innige Umarmung». Wieder handschriftlich. Plus Unterschrift. Umarmung. Innig. Freunde. Das ist das Italien Berlusconis. Emotionen fotokopiert und in Massen vervielfältigt. Freundschaft als Geschäft. Gib mir deine Stimme, ich lass’ dich und deine Geschäfte in Ruhe. Auch in Mafiakreisen wird von Freundschaft gesprochen.

 
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