Reaktion auf Tumulte: 

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Reaktion auf Tumulte 

Lupe IOC erwägt Stopp des Fackellaufs

Der Dauerprotest zeigt Wirkung: Das Olympische Komitee denkt bereits über eine Absage des traditionellen Laufs nach. Auch der Bundestag beschäftigt sich mit der Tibet-Frage.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schließt nicht mehr aus, dass auf den internationalen Teil des Fackellaufs für die Olympischen Spiele in Peking verzichtet werden könnte. «Das ist sicher etwas, das im Exekutivrat besprochen wird», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge am Dienstag. Der Exekutivrat werde am Freitag über die Möglichkeiten beraten. Noch sei noch nichts beschlossen, sagte Rogge. Er wolle auch nicht spekulieren, in welche Richtung eine Entscheidung gehen werde. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Thomas Bach, sagte, er sei gegen einen Verzicht auf den internationalen Teil des Fackellaufs, doch werde jetzt darüber diskutiert. «Wir sollten nicht zulassen, dass die Gewalt unser Handeln bestimmt», mahnte er.


Die Olympische Fackel ist nun auf ihrer internationalen Reise in San Francisco eingetroffen. Nach Medienberichten standen bei der Ankunft auf dem Flughafen mehr als 500 Sicherheitskräfte bereit. Für Mittwoch werden in San Francisco Demonstrationen erwartet. Dann soll die Fackel, die am Dienstag nach den Tumulten in Paris zunächst zu einem geheimen Ort gebracht wurde, auf einer etwa zehn Kilometer langen Route getragen werden.

«Peinliches Schauspiel»
Der Ehrenpräsident des DOSB, Manfred von Richthofen, hat angesichts der Proteste gegen die chinesische Politik den Sinn des Olympischen Fackellaufs infrage gestellt. «Es ist ein peinliches Schauspiel», sagte er dem Deutschlandfunk.

«Man fragt sich, ob dieser Fackellauf einen Sinn hat in der Vorbereitung der Olympischen Spiele», fügte er hinzu. Der ehemalige Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) glaubt, dass die Gesamtsituation für das Internationale Olympische Komitee (IOC) zur Nagelprobe werde.

Sarkozy bedauert «trauriges Schauspiel» von Paris
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat unterdessen Verständnis für die Kränkung Chinas nach dem chaotischen Fackellauf in Paris geäußert, Peking aber zugleich zu einem Dialog mit dem Dalai Lama aufgefordert.

Es habe sich ein «trauriges Schauspiel» in Paris abgespielt. Es müsse verhindert werden, «dass die olympische Fackel zur Geisel genommen wird», sagte Sarkozy am Dienstag im südwestlichen Cahors. Die Gründe dafür seien aber sehr Besorgnis erregend und nur ein Dialog (mit den Tibetern) werde friedliche Sommerspiele ermöglichen.

Nächste Station: Buenos Aires
Der traditionelle Lauf war in Griechenland, in Istanbul, London und Paris von Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik begleitet worden. Nach San Francisco soll die Fackel noch nach Buenos Aires in Argentinien und dann ein Dutzend weiterer Länder reisen, bevor sie am 4. Mai nach China kommt.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der USA (Usoc), Peter Ueberroth, hat die olympischen Meetings in Peking aus Angst vor Protesten beim Fackellauf in San Francisco vorzeitig verlassen. Ueberroth reiste bereits am Dienstag statt wie geplant am Freitag zurück in die USA. Der Chef-Organisator der Spiele 1984 in Los Angeles soll sogar ein Krisentelefonat mit US-Präsident George W. Bush geführt haben.

Stellungnahme im Sportausschuss
Im Sportausschuss des Bundestags wird der DOSB-Ehrenpräsident von Richthofen am Mittwoch zu den aktuellen Diskussionen über Menschenrechtsverletzungen und die Durchführung der Olympischen Spiele in Peking Stellung beziehen. Der Tagesordnungspunkt «Aktuelle Situation vor den Olympischen Spielen» wurde aus aktuellem Anlass neu aufgenommen. Unmittelbar nach der Ausschussdebatte will das Plenum am Nachmittag eine Aktuelle Stunde über Menschenrechtsverletzungen in Tibet durchführen.

Peking setzt weiter auf San Francisco
Peking hofft weiterhin, dass der für Mittwoch in San Francisco geplante Lauf «sicher, erfolgreich und reibungslos» verlaufen werde, sagte am Dienstag die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu. Mit der Unterbrechung und Sabotage des Fackellaufs hätten die Demonstranten gegen die Olympische Charta und den Olympischen Geist verstoßen. (AP/dpa/nz)
Der Brücken-Protest im US-Fernsehen