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Nato-Gipfel in Rumänien: 

Ausnahmezustand in Bukarest

01. Apr 2008 16:25
Eine Stadt im Gipfel-Fieber: Bukarest schmückt sich
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Die rumänische Metropole glättet ihr Antlitz und putzt sich für den Besuch der Nato-Staatschefs heraus. In Rumänien weckt der Gipfel Erinnerungen an ein dunkles Kapitel der Landesgeschichte, berichtet Andreas Hinz.

Großreinemachen vor dem Gipfel. Überall in der Stadt wird geputzt, geschraubt, gesichert. Bukarest macht sich fein für den hohen Besuch. Und so mancher Bürger denkt an die Ära Ceaucescu, wenn man den Stimmen glauben darf, die ein lokaler Radiosender ausstrahlt. Wie damals werden, bevor die Staatsgäste kommen, noch schnell die löchrigen Strassen geteert, Fassaden gestrichen, neue Straßenschilder befestigt, frische Blumen gepflanzt. Und wie in alten Zeiten wird für die ausländischen Gäste eine der wichtigsten Verkehrsadern gesperrt. Auch Kindergärten, Schulen und Universitäten wurden für die Dauer des Gipfels geschlossen, die meisten öffentlichen Bediensteten dürfen oder müssen zuhause bleiben.

Bei den chronisch verstopften Straßen der rumänischen Hauptstadt dürfte das kaum eine Entlastung bringen. Viele Bukarester fühlen sich bei dem drohenden Chaos an den Frankophonie-Gipfel vor eineinhalb Jahren erinnert. Damals kamen mehr als sechzig Staats- und Regierungschefs samt Entourage - die Stadt war lahmgelegt.

Inhalte sind zweitrangig

Zum Nato-Gipfel kommen zwar nur 26 Regierungschefs, aber allein die US-Delegation hat rund 1000 Mitarbeiter im Gefolge. Zu viel, meinen genervte Einwohner: Einige haben bereits die Stadt verlassen, andere gehen kaum noch aus der Wohnung. Die Stadt wirkt wie ausgestorben, die großen Einkaufscenter sind fast menschenleer.

In den Medien dagegen sprudelt es vor Inhalten. Die Fernsehsender überbieten sich mit Sonderberichten. In den Nachrichten auf Antena 2 wird von Hundefängern in Bukarest berichtet, die noch rasch die unzähligen herumlaufenden Vierbeiner einsammeln.

Die Zeitung „Romania Libera“ listet alle durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen auf. Die Aufstellung reicht von stationierten Kampfjets bis zu versiegelten Gullydeckeln. „Die Medien konzentrieren sich nur auf die organisatorischen Details. Sie wollen sich nicht um die Inhalte des Nato-Treffens kümmern“ kritisiert Katharina Loetzsch, Redakteurin bei der in Bukarest erscheinenden „Allgemeinen Deutschen Zeitung“. Nach Ansicht der Journalistin hat Rumänien kaum Gewicht in der Nato und kann keine eigenen Themen einbringen. „Die Inhalte sind für die Rumänen folglich nicht so interessant. Sie können eigentlich nur bei der Organisation des Gipfels mitreden“ schlussfolgert sie. „Die heiklen Themen lassen die Medien lieber unter den Tisch fallen.“

Erster rumänischer Toter in Afghanistan

Innerhalb der Nato steht Rumänien seit einigen Wochen deutlich unter Druck - die Regierung lehnt eine Anerkennung des Kosovo entschieden ab. Sie fürchtet, die Szekler, ein Teil der ungarischen Minderheit, könnten andernfalls in ihren eigenen Autonomiebestrebungen bestärkt werden. Zudem beklagt Rumänien, einer der engsten Bündnispartner der USA, seit kurzem den ersten toten Soldaten in Afghanistan. Darüber berichten die Medien freilich nur am Rande.

Loetzsch wundert sich über die fehlende öffentliche Diskussionen: «In anderen Ländern wird nach solchen Zwischenfällen laut über einen Rückzug nachgedacht.» Ab Mittwoch wird sie ihre Zeitung vom Nato-Gipfel berichten. Ihre Akkreditierung hat sie bereits abgeholt, dazu bekam sie einen Nato-Rucksack und sogar einen eigens kreierten Nato-Wein. Fast wie in alten Zeiten. Damals bei Ceaucescu.

 
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