10.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Hauptstadt Port-au-Prince versinkt im Chaos
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Präsident von Haiti bekommt die Lage nicht unter Kontrolle. Das Volk plündert Geschäfte und Supermärkte, sogar Schüsse sind zu hören. Nun sollen die Importeure von Lebensmitteln zu Preissenkungen gedrängt werden.
Die haitianische Polizei hat am Mittwoch vergeblich versucht, die angesichts anhaltender Unruhen zugespitzte Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince unter Kontrolle zu bringen. Trotz der ultimativen Aufforderung von Präsident René Preval, die Gewalt einzustellen, plünderten Tausende von Demonstranten weiter Geschäfte, Supermärkte, Tankstellen und gingen auch gegen Radiosender vor. In einigen Stadtteilen breite sich Panik aus, berichtete ein Einwohner des Stadtviertels Petionville.
In Port-au-Prince zogen am Mittwoch mit Knüppeln und Steinen bewaffnete Banden durch die Straßen, steckten Autoreifen in Brand und errichteten Straßenbarrikaden. Läden und Regierungsbüros wurden geplündert. In den Elendsvierteln und auch in den wohlhabenderen Vorstädten waren Schüsse zu hören. Viele Geschäfte waren geschlossen. Polizei und die etwa 9000 UN-Blauhelmsoldaten patrouillierten in den Straßen, konnte die Situation aber nicht in den Griff bekommen.
Präsident René Preval meldete sich erstmals seit Beginn der Unruhen in der vergangenen Woche öffentlich zu Wort. Er rief die Bewohner zu einem Ende der Plünderungen auf. «Die Lösung liegt nicht darin, herumzulaufen und Läden zu zerstören», sagte er. «Ich gebe Euch den Befehl, damit aufzuhören.» Der Präsident versprach, die Lebensmittelimporteure zu einer Senkung der Preise zu drängen. Die weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise treffen Haiti besonders hart, wo 80 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Die Preise für Reis, Bohnen, Früchte und Kondensmilch sind seit dem vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Nudeln kosten sogar doppelt so viel.
Preval kündigte jedoch nicht die erwartete Regierungsumbildung an, was von Beobachtern kritisiert wurde. Diese befürchten, dass die Plünderungen auch am Donnerstag weitergehen. Es wird vermutet, dass Drogenbanden oder Anhänger des 2004 gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide die Unruhen provoziert haben mit dem Ziel, die Lage im ärmsten Land Amerikas weiter zu destabilisieren. Haiti ist in Jahrzehnten der Diktatur wirtschaftlich und politisch völlig ruiniert worden. Die UN-Mission Minustah versucht seit Mitte 2004, dem Land den Weg in die Demokratie zu ebnen. (AP/dpa)