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Niederländer fürchten Proteste: 

Wilders provoziert Muslime mit Hass-Video

28. Mrz 2008 11:18, ergänzt 11:23
Szene aus dem Film
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Die Niederlande haben einen handfesten Skandal: Ein im Internet veröffentlichter Film des Rechtspopulisten Wilders erregt Politik und Öffentlichkeit. Aus Angst vor der Wut der Muslime hat Den Haag den Regierungssitz abgeriegelt.

Seit Monaten herrscht in den Niederlanden Unruhe wegen eines islamkritischen Films des rechtspopulistischen Politikers Geert Wilders. Viele holländische Zeitungen hatten beinahe täglich darüber berichtet, und die Öffentlichkeit verfolgte das Vorhaben mit größter Aufmerksamkeit. Seit Donnerstag ist der Film «Fitna» nun im Internet zu sehen – und hat sofort die Politiker auf den Plan gerufen. Wilders hatte den Film mittags auf der Seite www.liveleak.com veröffentlicht. In weniger als 24 Stunden wurde der 15-minütige Streifen bereits vier Millionen Mal aufgerufen.

Laut Wilders soll der Film den Koran als «faschistisches Buch» entlarven. So zeigt er Verse aus dem Koran, wonach die Ungläubigen zu töten seien, kombiniert mit Bildern der Anschläge vom 11. September 2001 und dem Mord am Filmemacher Theo van Gogh. Dazu gibt es Ausschnitte von Ansprachen radikaler Prediger. Einer von ihnen zieht dramatisch ein Schwert. Die Hinrichtung einer Frau ist zu sehen, Kinder mit blutigen Gesichtern. «Die Zukunft der Niederlande?», fragt eine Textzeile. Am Ende wird ein Blatt Papier zerrissen. Im Untertitel wird dem Zuschauer versichert, es sei nur eine Seite aus einem Telefonbuch. «Es ist nicht meine Sache, sondern die der Muslime, die Hass säenden Seiten aus dem Koran zu reißen», heißt es dann. Der Film beginnt und endet mit einer der umstrittenen dänischen Mohammed-Karikaturen.

Regierungssitz abgeriegelt

Dass der Film die gut 800.000 Muslime im Land kränken und verletzen würde, dürfte jedem klar sein. Nachdem 2004 der Filmemacher van Gogh wegen eines ebenfalls islamkritischen Films auf offener Straße ermordet wurde und die Hauptdarstellerin Ayaan Hirsi Ali sich von der Polizei schützen lassen musste, ist die Atmosphäre zwischen den bis dahin als tolerant geltenden Niederländern und der muslimischen Minderheit im Land angespannt.

Deshalb und auch um radikalen Reaktionen in muslimischen Ländern vorzubeugen, distanzierte sich die Regierung in Den Haag mit klaren Worten von dem Streifen: «Der Film setzt den Islam mit Gewalt gleich. Das weisen wir zurück. Wir bedauern, dass Herr Wilders diesen Film veröffentlicht hat. Wir glauben, er dient keinem anderen Zweck, als zu beleidigen», sagte Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Aus Furcht vor gewalttätigen Protesten riegelte die Polizei den Parlaments- und Regierungssitz ab.

Auch der Fraktionsvorsitzende der regierenden Christdemokraten, Pieter van Geel, nannte den Film «gemein und verletzend». Eine Sprecherin der mitregierenden Sozialdemokraten sagte, Wilders stelle bereits bekannte Szenen so zusammen, dass sie «angsteinflößend» wirken. Die Zeitung «De Volkskrant» kommentierte am Freitag, der Film ähnele Propagandamitteln, mit denen totalitäre Regime Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzen.

«Film nicht so schlimm wie erwartet»

Die Reaktionen muslimischer Vertretungen in den Niederlanden fielen bislang verhalten aus. Ein Sprecher der Muslime teilte mit, Wilders teste mit dem Film die Grenzen, überschreite sie aber nicht. «Für Herrn Wilders ist das schon recht subtil.» Der Film sei nicht so schlimm wie erwartet, meinte hingegen der Islamwissenschaftler Maurits Berger von der Universität Leiden. Er zeige nur Bilder, «die wir alle schon kennen». Der Film sage mehr über Wilders als über den Koran. Ein Richter wollte am Freitag einen Antrag von Muslimen anhören, die in dem Film einen Fall von Volksverhetzung sehen.

Geert Wilders
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Den aus Venlo an der Grenze zu Deutschland stammenden Wilders ficht all das nicht an. Balkenende hatte ihn wiederholt aufgerufen, nicht nur seine Meinungsfreiheit zu gebrauchen, sondern - zumal als Abgeordneter der «Partei für die Freiheit» - auch gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen. Der Politiker mit der blondgefärbten Mähne hält dagegen, Balkenende sei nur «feige» und habe «die Seite der Taliban» ergriffen.

Exil-Iraner kündigt neuen Anti-Islam-Film an

Ohnehin steht das Land schon vor einem neuen Skandal. Der Exil-Iraner und Gründer des Komitees für Ex-Muslime, Ehsan Jami, kündigte am Donnerstag an, den Zeichentrickfilm «The Life of Mohammed» am 20. April auszustrahlen. Wo das geschehen soll, verriet er nicht. Das Datum 20. April sei bewusst gewählt, sagte Jami der Tageszeitung «Volkskrant». «Es ist ein symbolisches Datum, der Geburtstag von Adolf Hitler. Er ist tot und der Prophet auch, aber ihre Ideen leben weiter.»

Das niederländische Fernsehen zeigte bereits Ausschnitte aus dem zwölf Minuten langen Zeichentrickfilm. Dabei war eine dem Propheten Mohammed ähnelnde Figur zu sehen, an dessen Hand ein kleines Mädchen mit einem Teddybär lief. Die Szene geht auf die im Koran beschriebene Ehe Mohammeds mit der neunjährigen Aysa zurück. In dem Film ist der Prophet mit einer Erektion abgebildet, und auf dem Minarett einer Moschee im Hintergrund hängt ein Hakenkreuz. (dpa/AP/epd)

 
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