Aufstand der Mahdi-Armee:
Milizen überrennen Polizeiwachen in Basra
27. Mrz 2008 16:24
 |  Demonstranten in Bagdad | Foto: AP |
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Die Kämpfe zwischen der Armee und der Miliz des radikalen Schiitenpredigers Al Sadr im Südirak weiten sich aus. Experten warnen bereits vor Auswirkungen auf den Öl-Export des Landes.
Die Kämpfe im Süden des Irak haben am Donnerstag den dritten Tag in Folge angehalten. Die Zahl der Toten stieg nach einer Schätzung von Polizei und Krankenhäusern auf fast 200, davon mindestens 60 allein in der südirakischen Stadt Hilla. Auch im Bagdader Viertel Sadr City, einer Hochburg des radikalen Predigers Muktada Al Sadr, habe es in Gefechten in der Nacht zum Donnerstag 17 Tote gegeben. Zehntausende Anhänger Al Sadrs demonstrierten gegen das Vorgehen der Regierungstruppen in Basra und Bagdad.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der einer rivalisierenden schiitischen Organisation angehört, leitet persönlich den Einsatz. Er hat den Sadr-Anhängern ein Ultimatum bis Freitag gestellt, ihre Waffen abzugeben. Sonst werde noch härter gegen sie vorgegangen. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, die Regierungstruppen hätten Basra offenbar nicht unter Kontrolle gebracht. Berichte deuteten daraufhin, dass Sadrs Kämpfer einige Polizeiwachen überrannt hätten. Zudem wurde gemeldet, bei einem Sprengstoffanschlag auf den Polizeichef von Basra seien drei seiner Leibwächter ums Leben gekommen. General Abdul Dschalil Chalaf selbst sei unversehrt geblieben.
Auswirkungen auf Öl-Export befürchtet
Bei Basra wurde ein Anschlag auf eine Pipeline verübt, die zu einem der beiden Öl-Terminals im Golf führt. Nach Angaben aus irakischen Ölexportkreisen wird sich der Schaden auf die Ausfuhrmenge auswirken, das genaue Ausmaß sei aber nicht abzuschätzen. Zudem sollen alle alle ausländischen Mitarbeiter der in Basra arbeitenden Öl-Firmen ihre Arbeitsplätze verlassen haben, nachdem zwei nepalesische Wachleute von Extremisten getötet worden seien. Der irakische Ölminister Hussein Al Scharistani versuchte dagegen, Sorgen internationaler Ölfirmen zu zerstreuen. «Die Lage in Basra ist zwar noch instabil», sagte er. «Dies hat aber keine negativen Auswirkungen auf die Ölförderung und die Anlagen für den Export.»
Sadr-Gefolgsmann fordert Rücktritt Al-Malikis
In Bagdad erklärte ein Anhänger der Sadr- Bewegung, in dem Stadtteil Sadr-City hätten bewaffnete Iraker US-Soldaten angegriffen, nachdem diese die Zufahrtswege zu dem Viertel abgeriegelt hätten. Sadrs höchster Repräsentant in Sadr City in Bagdad, Scheich Salman al Feraidschi, forderte in einer Erklärung den Rücktritt Al-Malikis, das Ende der Militäroffensive gegen seine Organisation und die Freilassung von Sadr-Anhängern. Tausende demonstrierten in dem Viertel für den Geistlichen, dessen Mahdi-Armee vor sieben Monaten eine Waffenruhe verkündet hatte und einhielt. Sollte diese beendet werden, wäre das eine dramatische Eskalation nach Monaten relativer Ruhe im Irak. (nz/dpa/AP)