Attentat auf Bundeswehr in Afghanistan:
Deutsche Soldaten bei Anschlag schwer verletzt
27. Mrz 2008 12:15, ergänzt 12:45
 |  Deutsche Soldaten bei ihrem Einsatz in Kundus | Foto: dpa |
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Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine nächtliche Patrouille sind drei Bundeswehrsoldaten verletzt worden. Die Regierung in Kabul befürchtet, dass die Taliban nun verstärkt im Norden des Landes aktiv werden.
In der Nacht zum Donnerstag ist auf eine Bundeswehr-Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams in Afghanistan ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Zwei Soldaten seien schwer, ein weiterer leicht verletzt worden.
Nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Geltow bei Potsdam waren die Soldaten in einem geschützten Fahrzeug vom Typ Dingo unterwegs, als es gegen 20.40 Uhr MEZ am Straßenrand zu einer Explosion kam. Den Angaben zufolge soll es sich um eine Landmine gehandelt haben, die beim Auffahren des gepanzerten Fahrzeugs explodierte.Die Verletzten seien noch am Anschlagsort von deutschen Sanitätern versorgt und dann in Rettungszentren in Kundus und Masar-i-Sharif gebracht worden. Die zwei Schwerverletzten würden nach Deutschland ausgeflogen. Sie befänden sich in einem stabilen und transportfähigen Zustand.
Ausweitung der Taliban-Aktivitäten befürchtet
Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, sagte, Taliban-Kämpfer hätten den Sprengsatz gelegt. Erst am Mittwoch hatte die afghanische Regierung davor gewarnt, dass die Taliban ihre Aktivitäten im Norden und Westen des Landes verstärken. Die Aufständischen «werden versuchen, den Krieg auf den Westen und den Norden auszudehnen», sagte der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak auf einer Pressekonferenz in Kabul, die per Videoschaltung ins Nato-Hauptquartier in Brüssel übertragen wurde. Bislang galten der Norden und Westen Afghanistans als relativ ruhig verglichen mit dem hart umkämpften Süden und Osten des Landes.
Seit dem vergangenen Sommer mehren sich aber die Raketenangriffe auf das Bundeswehrlager in der nordafghanischen Stadt Kundus, wie Offiziere dort in der vergangenen Woche vor Journalisten berichteten: «Es vergeht kaum mehr eine Woche, fast kein Tag, an dem es keinen Raketenangriff gibt», sagte Oberstleutnant Dietmar Jeserich.
Taliban verlieren Rückhalt in Bevölkerung
Wardak betonte indes, das «Gravitätszentrum» der Gewalt in Afghanistan seien immer noch die Regionen im Süden und Osten. Er hoffe, dass es den Aufständischen nicht gelingen werde, ihre Aktivitäten im Norden und Westen zu verschärfen: «Ich bezweifle, dass sie Erfolg haben werden», sagte der afghanische Verteidigungsminister. Zur Begründung erklärte Wardak, die Taliban verlören an Rückhalt in der Bevölkerung. Die Afghanen stellten fest, dass die Aufständischen nicht einmal das Leben von Frauen und Kindern achteten: «Immer mehr Leute versuchen, sich von ihnen fernzuhalten.»Die der Bevölkerungsgruppe der Paschtunen entstammenden Taliban haben ihren stärksten Rückhalt traditionell im Süden des Landes. Im Norden dominieren andere Bevölkerungsgruppen. Dort sind rund Afghanistan sind rund 3.200 Bundeswehrsoldaten stationiert. (nz/dpa/AP)