26. Mrz 2008 15:28
Die «letzte Diktatur Europas» zeigt eine harte Hand gegenüber der Opposition: Zahlreiche Regierungskritiker bekommen ein Gerichtsverfahren. Dabei ist die Aufregung über die niedergeknüppelten Proteste groß.
Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch, der bei westlichen Politikern deutlich beliebter ist als Lukaschenko, kritisierte den Polizeieinsatz als «pure Machtdemonstration». Auch ältere Frauen seien grausam verprügelt worden. Journalisten warfen den Einsatzkräften grobe Gewalt gegen Berichterstatter vor. Mehrere Reporter wurden in Gewahrsam genommen, darunter ein Fotograf. Ein litauischer Fernsehjournalist berichtete, die Einsatzkräfte hätten zudem Ausrüstungsgegenstände beschädigt, Aufnahmen beschlagnahmt und Kollegen stundenlang festgehalten.Die weißrussischen Behörden wiesen am Mittwoch zwei Demonstranten aus Polen aus. Auch seien rund 20 festgenommene Kundgebungsteilnehmer freigelassen worden, da sie noch minderjährig seien, sagte ein Justizsprecher in Minsk. Offiziell war die Kundgebung dem 90. Jahrestag der Gründung Weißrusslands am 25. März 1918 gewidmet. Das Land wurde später in die Sowjetunion eingegliedert. Lukaschenko, der ein Anhänger der früheren Sowjetunion ist, gilt als Gegner dieser traditionellen Kundgebungen.
Regimekritiker hatten am Dienstag die alte weiß-rot-weiße Fahne Weißrusslands sowie blaue Europaflaggen geschwenkt. Die Organisatoren der Aktion sprachen von 1000 Teilnehmern, die Polizei von 500. Beim Zugriff kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Weißrussische Regierungskritiker bezeichnen ihr Land als die letzte Diktatur Europas. (dpa)