26.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Demonstrant trägt die alte weiß-rot-weiße Fahne von Weißrussland
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die «letzte Diktatur Europas» zeigt eine harte Hand gegenüber der Opposition: Zahlreiche Regierungskritiker bekommen ein Gerichtsverfahren. Dabei ist die Aufregung über die niedergeknüppelten Proteste groß.
Nach der gewaltsamen Auflösung von Straßenprotesten im autoritär regierten Weißrussland hat die Justiz in Minsk Verfahren gegen 70 Regierungskritiker eingeleitet. In einem Eilverfahren wurde ein Gegner von Präsident Alexander Lukaschenko am Mittwoch zu drei Tagen Gefängnis verurteilt, wie die Agentur Interfax aus Minsk meldete. Die Polizei war am Dienstagabend mit Schlagstöcken brutal gegen Demonstranten vorgegangen. Zahlreiche Menschen wurden schwer verletzt, mehr als 100 wurden festgenommen. Die Regierungsgegner wollten entgegen einem Verbot der Behörden im Zentrum von Minsk demonstrieren.
Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch, der bei westlichen Politikern deutlich beliebter ist als Lukaschenko, kritisierte den Polizeieinsatz als «pure Machtdemonstration». Auch ältere Frauen seien grausam verprügelt worden. Journalisten warfen den Einsatzkräften grobe Gewalt gegen Berichterstatter vor. Mehrere Reporter wurden in Gewahrsam genommen, darunter ein Fotograf. Ein litauischer Fernsehjournalist berichtete, die Einsatzkräfte hätten zudem Ausrüstungsgegenstände beschädigt, Aufnahmen beschlagnahmt und Kollegen stundenlang festgehalten.
Die weißrussischen Behörden wiesen am Mittwoch zwei Demonstranten aus Polen aus. Auch seien rund 20 festgenommene Kundgebungsteilnehmer freigelassen worden, da sie noch minderjährig seien, sagte ein Justizsprecher in Minsk. Offiziell war die Kundgebung dem 90. Jahrestag der Gründung Weißrusslands am 25. März 1918 gewidmet. Das Land wurde später in die Sowjetunion eingegliedert. Lukaschenko, der ein Anhänger der früheren Sowjetunion ist, gilt als Gegner dieser traditionellen Kundgebungen.
Regimekritiker hatten am Dienstag die alte weiß-rot-weiße Fahne Weißrusslands sowie blaue Europaflaggen geschwenkt. Die Organisatoren der Aktion sprachen von 1000 Teilnehmern, die Polizei von 500. Beim Zugriff kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Weißrussische Regierungskritiker bezeichnen ihr Land als die letzte Diktatur Europas. (dpa)