25.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Afghanische Bauarbeiter rekonstruieren ein Haus in der Altstadt von Kabul
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Milliardenspenden der westlichen Länder für den Wiederaufbau Afghanistans treffen in der Region nur tröpfelnd ein. Fast die Hälfte der zugesagten Gelder stünden noch aus, beklagen Hilfsorganisationen.
Afghanistan wartet nach Angaben von Hilfsorganisationen bislang vergeblich auf Hilfsgelder in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar (6,43 Milliarden Euro). Von den zugesagten 25 Milliarden Dollar seien nur 15 Milliarden angekommen, heißt es in einem am Dienstag in Kabul vom ACBAR-Dachverband der 94 in Afghanistan tätigen Hilfsorganisationen vorgelegten Report. Zudem litten die Friedensaussichten für das Land unter dem «verschwenderischen und ineffektiven» Umgang mit den Hilfsgeldern.
«Der Wiederaufbau Afghanistans bedarf einer anhaltenden und substanziellen Verpflichtung zur Hilfe - aber die Spender haben es versäumt, ihre Hilfsversprechen an Afghanistan zu erfüllen», sagte der Autor des Berichts, Matt Waldman, der bei der Hilfsorganisation Oxfam für Afghanistan zuständig ist.
Nach dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 hatte die internationale Gemeinschaft dem vom Krieg zerstörten Land zum Wiederaufbau und der Bildung eigener Sicherheitskräfte zum Kampf gegen den Terrorismus 25 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern zugesagt. Die Regierung in Kabul bestreitet dem Bericht zufolge heute rund 90 Prozent der öffentlichen Ausgaben aus Spendengeldern.
40 Prozent der Gelder fließen zu den Spendern zurückDie USA als größte Spendernation hätten bislang jedoch erst rund die Hälfte der zugesagten 10,4 Milliarden Dollar gezahlt. Andere Spender wie die EU und Deutschland hinkten ebenfalls hinterher und hätten weniger als zwei Drittel der 1,7 Milliarden beziehungsweise 1,2 Milliarden Dollar ausgezahlt.
Von den an Afghanistan gezahlten Geldern würden dann wiederum 40 Prozent durch Unternehmensgewinne, Beraterkosten und andere Gebühren an die reichen Nationen zurückfließen. «Zu viel der Hilfen der reichen Länder werden verschwendet, sind ineffektiv oder unkoordiniert», sagte Waldman.
In dem Oxfam-Report wird darauf verwiesen, dass sich die Kosten für den US-Militäreinsatz in Afghanistan auf 100 Millionen Dollar pro Tag belaufen, während die Höhe der Hilfsgelder aller Spenderländer zusammen pro Tag seit 2001 im Durchschnitt lediglich sieben Millionen Dollar betrage. (dpa)