24.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Embryonale Stammzellen unterm Mikroskop
Foto: University of Wisconsin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während in anderen europäischen Ländern die Debatte zur Stammzellforschung eher schleppend vorankommt, haben britische Politiker Fakten geschaffen. Nun hagelt es Kritik von allen Seiten.
Die britische Regierung ist wegen eines umstrittenen Gesetzes zur Embryonen-Forschung enorm unter Druck geraten. Die katholische Kirche geißelte Pläne, die eine Züchtung von Embryonen aus Mensch und Tier zu Forschungszwecken erlauben, als «monströs». Der schottische Kardinal Keith O'Brien sagte in einer vorab verbreiteten Osteransprache, solche «grotesken» Versuche hätten «Frankenstein-Dimensionen». Der Kirchenführer kritisierte vor allem den Fraktionszwang innerhalb der regierenden Labour-Partei, der den Abgeordneten bei einer Abstimmung den freien Willen abspreche. Auch das Oberhaupt der Katholiken in England und Wales, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, rief zu einer freien Abstimmung auf.
Nach den Plänen sollen bestimmte Forschungen zur Züchtung von Embryonen aus menschlichen und tierischen Zellen erlaubt werden. Mit den Versuchen wollen Forscher feststellen, ob sich solche Chimären-Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten eignen. Unter anderem soll so auch der Bedarf für die komplizierten Eizellspenden von Frauen gesenkt werden. In Deutschland sind derartige Versuche mit menschlichem Erbgut verboten. Über das Gesetz soll voraussichtlich nicht vor Mai abgestimmt werden.
Kritik an Brown aus der eigenen ParteiAuch in der eigenen Labour-Partei stößt Premierminister Gordon Brown auf Kritik. Abgeordnete hatten mit ihrem Rücktritt gedroht, falls sie nicht frei entscheiden könnten. Nach Medienangaben haben zudem die katholische Verkehrsministerin Ruth Kelly und Verteidigungsminister Des Browne ihrem Unmut Luft gemacht. Nach Angaben aus Regierungskreisen suchte Brown nach einem Kompromiss, um eine schwere Krise der Regierung zu verhindern.
Die Regierung verteidigte sich angesichts der heftigen Kritik. Die Gesetze würden «vielen Menschen in diesem Land nützen», sagte Gesundheitsstaatssekretär Ben Bradshaw der BBC. Auch mehr als 200 Medizinerverbände und Wohltätigkeitsorganisationen sprechen sich für eine solche Forschung aus.
Die Zellhybriden sollen zu 99,9 Prozent aus menschlichem und zu 0,1 Prozent aus tierischem Material bestehen. Diese Embryonen müssen nach maximal 14 Tagen zerstört werden. Sie wären dann nicht größer als ein Stecknadelkopf. Bei dem Verfahren werden Zellkerne mit menschlicher DNA, die etwa aus Hautzellen entnommen werden, in Eizellen von Kühen verpflanzt. Zuvor müssen die Kerne der Kuhzellen mit dem Kuh-Erbgut entfernt werden. (nz/dpa)