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Nach Fidel Castros Abtritt: 

In Kuba kommen Reformen durch die Hintertür

21. Mrz 2008 10:51
Tritt in die Fußstapfen des großen Bruders: Raúl Castro
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Kubas Staatschef lässt Reformen nur zögernd zu. Doch sein Volk drängt immer mehr auf Liberalisierung und Reisefreiheit. Zumindest virtuell ist die seit kurzem gegeben: in Form eines unabhängig betriebenen Blogs.

Die Reformen in Kuba kommen heimlich und fast unbemerkt, aber unaufhaltsam. Die neue Regierung unter Raúl Castro tritt immer wieder auf die Bremse, um nichts außer Kontrolle geraten zu lassen. Den Hunger nach Reisefreiheit, Internetzugang und Fernseher für alle kann sie mangels Devisen vorerst nicht stillen. Doch der Druck wird größer. Das Jugendblatt «Juventud Rebelde» beschwichtigte seine Leser vor wenigen Tagen und forderte sie auf, erst einmal offen über die Probleme des Landes zu sprechen - unter der Ägide von Raúls Bruder Fidel Castro undenkbar.

Und es geschieht bereits. Trotz staatlicher Beschränkungen ist das Internet zum neuen Kommunikationsmittel der Jugend geworden, die damit zum ersten Mal die Möglichkeit hat, die Insel - zumindest virtuell - zu verlassen und sich anderswo in der Welt umzusehen. «Die Mauer existiert nicht mehr», sagt der oppositionelle Journalist Reynaldo Escobar.

Seit einer Woche etwa gibt es den neuen Blog «Potro Salvaje», der die staatlichen Zügel ignoriert und mit dem die Kubaner gesperrte Websites finden, verbotene Inhalte herunterladen und darüber diskutieren können. Auch private wirtschaftliche Aktivitäten sind bereits jetzt Realität - auch ohne staatlichen Segen. CDs und DVDs werden offen auf der Straße gehandelt. Private Taxifahrer bieten ihre Dienste an. In Restaurants spielen Musiker und verkaufen ihre CDs, die sie oft überraschend professionell gebrannt haben - und zwar nicht auf staatlichen Computern.

Der Regierung bleibt nur die Möglichkeit, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, das der dampfende Kessel nicht explodiert, dessen Deckel Präsident Raúl Castro schon vor Monaten leicht angehoben hat. Das Parteiorgan «Granma» warnte vor «falschen Erwartungen» im Hinblick auf versprochene Änderungen. Voraussetzung für ihre Verabschiedung sei «mehr Fleiß, mehr Arbeit und größere Produktion». Die Anschaffung elektronischer Geräte müssten sich die Kubaner erst noch verdienen.

«Einige haben die Hoffnung, dass sich durch die Ankündigung von Maßnahmen alles von selbst löst, von jetzt auf sofort» schreibt das Blatt. Einige «in revolutionärer Situation» erlassene Verbote wie die Anschaffung elektrischer Haushaltsgeräte könnten aufgehoben werden. Andere, wie freies Reisen und die Beendigung der Existenz zweier Währungen im Land, seien eher komplex. Damals - beim Zusammenbruch der kommunistischen Wirtschaftsgemeinschaft Comecon, der Kuba angehörte - fehlten dem Land wie heute die Devisen. Entscheidender Grund für die Beschränkungen sei stets gewesen, «Ungleichheiten in einer markant gleichen Gesellschaft» zu vermeiden.

Viel Zeit hat Kuba vielleicht nicht mehr. Denn was geschehen kann, wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht bald spürbar bessert, wird der Leitung des Staates fast Tag für Tag vor Augen geführt. Erst vergangene Woche türmten sieben Fußballspieler der Nationalmannschaft, als sie in die USA reisten, um dort um die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu spielen. Die Folge für Kuba war fatal: Die Nationalmannschaft verfügte nur noch über zehn Spieler, verlor die restlichen Begegnungen und verspielte damit die Reise nach China. (Franz Smets, dpa)

 
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