Nach Fidel Castros Abtritt:
In Kuba kommen Reformen durch die Hintertür
21.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Seit einer Woche etwa gibt es den neuen Blog «Potro Salvaje», der die staatlichen Zügel ignoriert und mit dem die Kubaner gesperrte Websites finden, verbotene Inhalte herunterladen und darüber diskutieren können. Auch private wirtschaftliche Aktivitäten sind bereits jetzt Realität - auch ohne staatlichen Segen. CDs und DVDs werden offen auf der Straße gehandelt. Private Taxifahrer bieten ihre Dienste an. In Restaurants spielen Musiker und verkaufen ihre CDs, die sie oft überraschend professionell gebrannt haben - und zwar nicht auf staatlichen Computern.
Der Regierung bleibt nur die Möglichkeit, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, das der dampfende Kessel nicht explodiert, dessen Deckel Präsident Raúl Castro schon vor Monaten leicht angehoben hat. Das Parteiorgan «Granma» warnte vor «falschen Erwartungen» im Hinblick auf versprochene Änderungen. Voraussetzung für ihre Verabschiedung sei «mehr Fleiß, mehr Arbeit und größere Produktion». Die Anschaffung elektronischer Geräte müssten sich die Kubaner erst noch verdienen.
Viel Zeit hat Kuba vielleicht nicht mehr. Denn was geschehen kann, wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht bald spürbar bessert, wird der Leitung des Staates fast Tag für Tag vor Augen geführt. Erst vergangene Woche türmten sieben Fußballspieler der Nationalmannschaft, als sie in die USA reisten, um dort um die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu spielen. Die Folge für Kuba war fatal: Die Nationalmannschaft verfügte nur noch über zehn Spieler, verlor die restlichen Begegnungen und verspielte damit die Reise nach China. (Franz Smets, dpa)

