Medienecho auf Besuch in Israel:
Merkels Rede für Araber eine Provokation
19. Mrz 2008 14:19
 |  Merkel redet in der Knesset | Foto: dpa |
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Nicht alle haben der Knesset-Rede der Bundeskanzlerin mit Begeisterung gelauscht. Vor allem arabische Zeitungen beurteilen Merkels Auftritt kritisch. Sie habe kein Recht, Israel auf Kosten der Palästinenser zu unterstützen.
Ein geteiltes Echo hat die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Parlament in Jerusalem in israelischen und arabischen Zeitungen ausgelöst. «Merkel sagt der Knesset, Deutschland hält mit Israel gegen Iran», titelte die «Jerusalem Post» am Mittwoch.
Die auflagenstärkste Tageszeitung «Jediot Achronot» machte mit dem Zitat Merkels auf: «Ich verneige mich vor den Opfern» des Holocaust. Zugleich bemerkte das Blatt, trotz Merkels Bekenntnis zur Verantwortung für den Holocaust würde eine Mehrheit der Deutschen nach jüngsten Umfragen keine spezielle Verantwortung für das heutige Israel empfinden. Der ehemalige Präsident der Knesset, Schewah Weiss, schrieb in der Tageszeitung «Maaviv», der Auftritt Merkels am Vortag sei ein hervorragender Beweis der fortwährenden Freundschaft Deutschlands.
Provokation für Araber
Ausführlich berichteten arabische Medien über den Besuch der Bundeskanzlerin in Israel. Die syrische Zeitung «Al-Baath», das Sprachrohr der regierenden Baath-Partei von Präsident Baschar al- Assad, kritisierte, Merkel habe es in ihrer Rede versäumt, auf die «israelischen Verbrechen im Gazastreifen» hinzuweisen. Dies sei für die Palästinenser und auch für andere Araber eine Provokation. Der Bundeskanzlerin stehe es zwar frei, die Politik ihres Landes zu bestimmen und souveräne Entscheidungen zu treffen. Sie habe aber kein Recht, Israel «auf Kosten der Palästinenser» mehr Unterstützung zukommen zu lassen.
Ausgewogene Rolle dahin
Ähnlich äußerte sich die jordanische Zeitung «Alarab Alyawm». «Wir sind alle enttäuscht, weil uns Deutschland in den vergangenen Jahren an eine ausgewogene Rolle in der Palästinenserfrage gewöhnt hatte, doch durch Merkels (Israel-)Besuch ist diese Rolle gänzlich dahin», schrieb das Blatt. Mit Bezug auf Merkels Bekenntnis zur Verteidigung der Sicherheit Israels warf die Zeitung die Frage auf, ob Merkel «eine strategische Partnerschaft mit einem Staat (eingehen wolle), der Land dreier arabischer Staaten besetzt hält und in einen fortdauernden Krieg gegen das palästinensische und das libanesische Volk verstrickt ist.» (dpa)