Vorwahlkampf in den USA:
Obama warnt vor Ausspielen der «Rassenkarte»
19. Mrz 2008 11:38
 |  Obama distanziert sich von seinem Pastor | Foto: AP |
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Nachdem umstrittene Äußerungen seines Pastors öffentlich geworden sind, hat US-Senator Obama erstmals das Thema Hautfarbe im Vorwahlkampf thematisiert. Man dürfe die Rassenfrage nicht ignorieren.
Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat davor gewarnt, die Rassenfrage zum zentralen Wahlkampfthema in den USA zu missbrauchen. Obama forderte die Amerikaner auf, sich ungeachtet der noch immer bestehenden Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen den wahren Problemen zu widmen.
Dazu gehörten die Gesundheitsversorgung, die Wirtschaftslage und der Irakkrieg. Die «Rassenkarte» sollte im Kampf um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten keine Rolle spielen, sagte er am Dienstag in Philadelphia weiter. Obama distanzierte sich in seiner angekündigten Grundsatzrede zur Rassenfrage erneut scharf von seinem früheren Pastor Jeremiah Wright. Dieser hatte in einer Predigt vehement gegen die Herrschaft der «reichen Weißen» gewettert und «Gott verdamme Amerika» gefordert.
«Inakzeptabel» und «unentschuldbar»
Obama nannte die derzeit ständig im US-Fernsehen wiederholten Äußerungen Wrights «abwegig», «inakzeptabel» und «unentschuldbar». Der Geistliche habe «die Größe und das Gute der USA herabgewürdigt».
Er wolle den Mann, der ihn zum christlichen Glauben inspiriere, ihn traute und seine Töchter taufte, jedoch nicht verstoßen. «Ich kann ihn genauso wenig verleugnen, wie ich die schwarze Gemeinde verleugnen kann», sagte Obama. «Ich kann ihn genauso wenig verleugnen, wie ich meine weiße Großmutter verleugnen kann.» Diese Frau habe viele Opfer für ihn gebracht, aber auch rassistische Stereotype geäußert.
Rassenfrage nicht ignorieren
Der «Feuersturm des Protestes» wegen der Predigt belege, dass der Weg zu bürgerlicher Gleichheit und friedlichem Nebeneinander zwischen den Rassen noch lange nicht beendet sei, betonte Obama. Deshalb dürfe die Rassenfrage auch nicht ignoriert und verdrängt werden. Noch immer seien schwarze Amerikaner in vieler Hinsicht oft benachteiligt. Dagegen glaubten Weiße, keine Privilegien zu haben. «Wut und Bitterkeit der Rassentrennung bestehen noch».
Der Senator, Sohn eines schwarzen Vaters und einer weißen Mutter, äußert sich nur selten zu seiner Hautfarbe. In seiner Rede sprach er jedoch über Sklaverei, den Prozess gegen O.J. Simpson und die Hilfsbemühungen nach dem Hurrikan «Katrina». Obama erinnerte an den Rassismus in den USA in der Vergangenheit und erklärte, die Wut über diese Geschehnisse entlade sich in schwarzen Kirchengemeinden oft in den Sonntagspredigten.
Lebende Brücke
Die «New York Times» bewertet die Rede Obamas als Versuch, sich selbst als lebende Brücke zwischen Schwarzen und Weißen zu etablieren. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten, dass er niemals so naiv war zu glauben, die Trennung zwischen schwarz und weiß mit nur einer Kandidatur lösen zu können. Die Rede wurde live im Kabelfernsehen übertragen und richtete sich unter anderem an die Super-Delegierten, die wahrscheinlich über die Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten entscheiden werden. (nz,dpa, AP)