Die Iraker haben zwar auch heute noch viele Sorgen. Doch es sind nicht mehr die gleichen wie noch vor Jahresfrist, als jeden Tag Dutzende von Leichen auf den Straßen aufgelesen wurden. Vor allem in der Hauptstadt spricht man inzwischen fast weniger über die Gewalt als über die wuchernde Korruption und die schlechten staatlichen Leistungen. Anders als zu Saddams Zeiten, als jedes kritische Wort über den «großen Führer» mit dem Tod bestraft wurde, halten sich die Iraker in Sachen Politikerschelte heute nicht mehr zurück.«Ich glaube, was die Sicherheit angeht, so haben wir das Schlimmste überstanden. Aber was wir jetzt brauchen, sind fähigere Politiker, die Volk und Vaterland lieben und nicht nur an ihre Posten denken und daran, wie sie den Staat am besten beklauen können», sagt Salim al-Dschabiri aus Bagdad.
«Es gibt überhaupt keinen Strom mehr, mit der Gesundheitsversorgung und dem Bildungswesen geht es rapide bergab und staatliche Bauprojekte gibt es gar nicht», klagt die Beamtin Zeina Mohammed. Für die Bürger sei der einzige Vorteil gegenüber der Zeit des alten Regimes die neu gewonnene Meinungsfreiheit, sagt sie.