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Fünf Jahre Irakkrieg: 

Bagdad im Zeichen von Korruption und Gewalt

19. Mrz 2008 13:14
Szene der Verwüstung vor der jordanischen Botschaft in Bagdad am 7. August 2003
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Fünf Jahre nach dem Einmarsch der britischen und US-Truppen sehnen sich viele Iraker nach dem Regime von Saddam Hussein zurück. Sie tun dies nicht, weil sie den Diktator liebten, sondern weil es ihnen heute viel schlechter geht.

Auf der Brücke zwischen Bagdads Schiiten-Vorort Kadhemija und dem Sunniten-Viertel Al-Dabbasch fahren wieder Autos. Die Polizei hat die Betonsperren entfernt, die hier vor zwei Jahren aufgestellt worden waren. «Die Sicherheitslage hat sich verbessert, deshalb können jetzt viele Sperrungen wieder aufgehoben werden», heißt es aus der Kommandozentrale der Polizei in Bagdad.

Die Straßen der Hauptstadt sind für Spaziergänger heute, fünf Jahre nach Beginn der Irak-Invasion durch die amerikanischen und britischen Truppen, aber immer noch gefährlicher als zu Zeiten des Regimes von Saddam Hussein. Das alte Regime hatte politische Gegner und vermeintliche Feinde zwar ohne Gnade verfolgt und gequält, gleichzeitig aber durch ein engmaschiges Polizei- und Spitzelnetz fast völlige Kontrolle auf den Straßen gehabt. «Heute hört man viele Stimmen von Leuten, die sich nach dem Regime von damals zurücksehnen, nicht weil sie es geliebt hätten, sondern weil sie ihre heutige Situation hassen», schreibt der Chefredakteur der in London erscheinenden arabischen Zeitung «Al-Quds Al-Arabi», Abdul Bari Atwan.

Wuchernde Korruption

Die Iraker haben zwar auch heute noch viele Sorgen. Doch es sind nicht mehr die gleichen wie noch vor Jahresfrist, als jeden Tag Dutzende von Leichen auf den Straßen aufgelesen wurden. Vor allem in der Hauptstadt spricht man inzwischen fast weniger über die Gewalt als über die wuchernde Korruption und die schlechten staatlichen Leistungen. Anders als zu Saddams Zeiten, als jedes kritische Wort über den «großen Führer» mit dem Tod bestraft wurde, halten sich die Iraker in Sachen Politikerschelte heute nicht mehr zurück.

«Ich glaube, was die Sicherheit angeht, so haben wir das Schlimmste überstanden. Aber was wir jetzt brauchen, sind fähigere Politiker, die Volk und Vaterland lieben und nicht nur an ihre Posten denken und daran, wie sie den Staat am besten beklauen können», sagt Salim al-Dschabiri aus Bagdad.

«Es gibt überhaupt keinen Strom mehr, mit der Gesundheitsversorgung und dem Bildungswesen geht es rapide bergab und staatliche Bauprojekte gibt es gar nicht», klagt die Beamtin Zeina Mohammed. Für die Bürger sei der einzige Vorteil gegenüber der Zeit des alten Regimes die neu gewonnene Meinungsfreiheit, sagt sie.

Der Krieg hat Al Qaeda ins Land geholt

Der Lehrer Adnan Abbas aus Bagdad fordert seine Landsleute fünf Jahre nach der Invasion zur Selbstkritik auf: «Wir Iraker haben es nicht geschafft, die Besatzung zurückzudrängen. Stattdessen haben wir uns mit sinnlosen Fragen aufgehalten - wie der Besetzung von Regierungsposten. Außerdem haben wir Al Qaeda den Weg in unser Land geebnet, obwohl die Ideologie und die Methoden dieser Organisation gar nicht in den Irak passen.»

Tief verwurzelt sind im Irak die religiösen Parteien der Schiiten, die in der Saddam-Ära verboten waren. Ihre Mitglieder kehrten im Frühjahr 2003 nach dem Einmarsch der ausländischen Truppen aus dem Exil zurück und haben heute eine starke Machtbasis in Staat und Regierung. In den Städten des Südens streiten korrupte schiitische Politiker um die Pfründe. Im freien Spiel der Kräfte setzt sich meist durch, wessen Miliz die Sicherheitskräfte und die Verwaltung am stärksten eingeschüchtert oder am besten unterwandert hat.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki
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Zwar spricht Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor den Teilnehmern einer Versöhnungskonferenz in Bagdad vom «Geist der Nächstenliebe und der Brüderlichkeit», der sich in den vergangenen Monaten im Irak verbreitet habe. Doch die Schlagzeilen der lokalen Medien, die am gleichen Tag über 42 Tote bei einem Anschlag in Kerbela und über die Beerdigung von sechs Kindern berichten, die am Vorabend in Bagdad von einer Mörsergranate getroffen worden waren, zeigt, dass der Kampf gegen Hass und Grausamkeit im Irak noch lange nicht gewonnen ist. (nz/Kadhem al-Atabi und Anne-Beatrice Clasmann, dpa)
 
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