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Fünf Jahre Irakkrieg: 

US-Streitkräfte ziehen ernüchternde Bilanz

19. Mrz 2008 13:14
Särge toter US-Soldaten im Irak
Das Desaster im Irak, bei dem bislang Tausende US-Soldaten getötet wurden, hat die Schwächen der Militärführung offenbart. Trotz der Lehren aus Vietnam war das Pentagon nicht auf einen Guerillakrieg vorbereitet.

Der Krieg im Irak, so beschrieb es ein US-Kommandeur, begann am 7. August 2003. An diesem Tag starben bei der Explosion einer Autobombe vor der jordanischen Botschaft zwölf Menschen. Das war rund drei Monate, nachdem US-Präsident George W. Bush triumphal das Ende der «Hauptkriegshandlungen» im Irak verkündet hatte. Heute, tausende Bomben und Todesopfer später, fünf Jahre nach Beginn der US-Invasion im Zweistromland, wird beim US-Militär immer noch analysiert, wie es nach dem Bilderbuchauftakt des Feldzugs zu einem derartigen Desaster kommen konnte.

Dabei geht es um mehr als um den Irak. Der Guerillakrieg, der sich aus dem konventionellen Krieg gegen das Land entwickelte, ist ein Beispiel für die militärischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Armeen und einzelnen Gruppen wie Terroristen oder militanten Fundamentalisten im Stil von Hamas und Hisbollah sind ein wahrscheinlicheres Szenario der Zukunft als Waffengänge zwischen Staaten, wie viele Militärstudien aufzeigen. Und auf diese Art der Konfrontation, das haben die Erfahrungen im Irak gezeigt, sind die USA anscheinend unzureichend vorbereitet.

Asymmetrische Kriege nennt man das: Ein Goliath kämpft gegen einen David, eine Supermacht wie die USA mit allen personellen und militärtechnischen Vorteilen kämpft gegen einen Zwerg, einen «unsichtbaren» Feind ohne Uniform, der den Sieg des vermeintlich Überlegenen durch unkonventionelle Mittel zu vereiteln sucht. «Und einen solchen Gegner kann man selbst nur unkonventionell bekämpfen», urteilt etwa der Westpoint-Militärhistoriker Matthew Moten. Genau das aber hätten die USA im Irak nicht getan.

Erfahrungen aus dem Vietnamkrieg ignoriert

Wie ein roter Faden zieht sich die Quintessenz durch die Studien: Die militärische und politische Führung der USA vergaß oder ignorierte im Irak alle Lehren aus dem Vietnamkrieg, in dem die Guerilla die Supermacht zu einem demütigenden Rückzug zwang. Stattdessen wurden Parallelen zu dem Debakel von damals noch negiert, als zunehmender Widerstand gegen die Besatzer bereits unübersehbar war. «Vietnam! Ich will nicht über Vietnam sprechen. Dies ist nicht Vietnam. Dies ist der Irak!», wetterte etwa noch im Spätsommer 2003 der Chef der damaligen US-Übergangsverwaltung im Irak, Paul Bremer. Und auch der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erschien lange Zeit blind und taub für dieses Thema. «Der Grund, warum ich nicht die Bezeichnung Guerillakrieg benutze, ist, dass es keinen solchen gibt», sagte er im Herbst 2003.

Es fing für die USA so gut an. Nur zwei Wochen anstatt der veranschlagten sieben benötigten die US-Truppen, um vom Süden her durch das Land nach Bagdad zu marschieren. Dann ging es bergab. Entgegen allen Erwartungen fanden praktisch alle Kämpfe in und nahe Städten statt, in denen es Gefahren wie Hinterhalte, Heckenschützen und versteckte Sprengsätze gibt - wie in den Dschungeln von Vietnam. Und für derartige Einsätze waren die wenigsten US-Soldaten ausgebildet. Schlimmer noch: Hilflos musste die High-Tech-Nation USA zusehen, wie immer mehr ihrer Soldaten durch zum Teil primitive selbst gebaute Bomben von Rebellen zerfetzt wurden.

Bittere Lehren aus dem Guerillakampf

Von Psychologie bei der Reaktion der US-Militärs fehlte lange Zeit jede Spur - nach Ansicht vieler Militärexperten ein Hauptgrund für das Debakel. «Rebellen und Terroristen zu töten allein hilft nicht», kommentierte eine Militärzeitung. «Das schafft nur neue Untergrundkämpfer. Die Aufständischen verschmelzen mit der Bevölkerung. Sie sind ein Teil von ihr. Um zu gewinnen, muss man als Schwerpunkt die Menschen zu einer freiwilligen Kooperation bewegen.»

Daran hat das US-Militär inzwischen verstärkt gearbeitet, mit Erfolg in vielen Provinzen, wie unabhängige Beobachter bestätigen. Und inzwischen gibt es beim US-Militär auch gut besuchte Ausbildungskurse in Sachen Guerillakampf. Für die Führer von Einheiten im Irak ist ein solches Training mittlerweile ein Muss. Es sind bittere Lehren: Inzwischen sind fast 4000 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen, der weitaus größte Teil durch Rebellen. (nz/Gabriele Chwallek, dpa)

 
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