Tibet kommt nicht zur Ruhe: 

netzeitung.deProteste in Lhasa trotz chinesischen Drohungen

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Erstmalig berichtet auch das chinesische Fernsehen über die Unruhen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erstmalig berichtet auch das chinesische Fernsehen über die Unruhen
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Augenzeugen haben berichtet, dass in der tibetischen Hauptstadt Lhasa durch ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften die gesamte Stadt stillgelegt wurde. Dennoch gingen wieder Demonstranten auf die Straße.

Einen Tag nach den schweren Unruhen in Tibet sind am Samstag vereinzelt neue Proteste ausgebrochen. Nach Augenzeugenberichten sollen chinesische Sicherheitskräfte wieder geschossen haben. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa, die am Vortag Schauplatz schwerer Ausschreitungen war, seien am Nachmittag trotz des massiven Sicherheitsaufgebots wieder Demonstranten auf die Straße gegangen, berichtete die Organisation Free Tibet Campaign unter Hinweis auf ein Interview des britischen Fernsehsenders ITV mit einem Ausländer in Lhasa. Es seien Schüsse zu hören gewesen.

Urlauber berichteten von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften. Die gesamte Stadt sei regelrecht stillgelegt, berichtete ein 23 Jahre alter Ausländer. Ein weiterer Tourist, der Lhasa am Samstag verließ, erzählte, 24 Stunden seien rund 140 Lastwagen mit Soldaten nach Lhasa gekommen. Die offizielle chinesische Version klingt anders: Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge kehrte in Lhasa am Samstag wieder Ruhe ein.

Die Behörden in Tibet kündigten an, hart gegen die Demonstranten vorzugehen. Zudem gaben sie den Demonstranten die Schuld am Tod «unschuldiger Menschen». Der Vorsitzende der Regierung der autonomen Region Tibet, Champa Phuntsok, sagte am Rande des Volkskongresses in Peking: «Wir haben nicht das Feuer eröffnet. Wir werden aber hart mit diesen Kriminellen umgehen, die diese Aktivitäten zur Spaltung der Nation ausführen.» Allen Demonstranten, die sich bis Dienstag stellen, wurden mildernde Umstände in Aussicht gestellt.

Untschiedliche Opferzahlen
Mindestens 30 Tote seien bestätigt, heißt es in einer von der Exilregierung in Dharmsala veröffentlichten Erklärung. Für mehr als 100 Todesopfer gebe es bislang noch keine Bestätigung. Nach chinesischen Berichten sind Demonstrationen buddhistischer Mönche zum Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesische Herrschaft 1959 am Montag in Gewalt umgeschlagen. Mindestens zehn Menschen seien getötet worden. Die Zusammenstöße in Lhasa sind die schwersten seit 20 Jahren.

Die Olympischen Sommerspiele seien durch die Unruhen nicht gefährdet, sagte ein Sprecher des Organisationskomitees Sun Weide. Auch der Fackellauf, bei dem das olympische Feuer auf den Mount Everest getragen werden soll, werde wie geplant stattfinden.

Proteste auch auf dem Land
Buddhistische Mönche des Labrang Tashikyil Klosters in Sangchu in der chinesischen Provinz Gansu haben nach exiltibetischen Angaben wieder demonstriert. Ihnen hätten sich einfache Tibeter angeschlossen, berichtete das in Indien ansässige Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie. Die Demonstranten, die nach Unabhängigkeit für Tibet gerufen und ihre Unterstützung für den Dalai Lama bekundet hätten, seien zum Sitz der Kreisregierung von Sangchu gezogen.

Paramilitärische chinesische Sicherheitskräfte seien gegen den Protest vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas gegen die Mönche eingesetzt, berichtete die Organisation. Es habe Festnahmen gegeben. Auch sollen Demonstranten von Sicherheitskräften verprügelt worden sein. Genaue Zahlen seien aber nicht bekannt. (dpa/AP)