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Proteste in Tibet: 

«Boykott der Spiele wäre das falsche Signal»

15. Mrz 2008 11:24, ergänzt 20. Mrz 2008 13:02
Chinesische Sicherheitskräfte gehen mit Schlagstöcken gegen prostestierende Mönche in Tibet vor
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Trotz der Gewalt in Tibet und schwerer Menschenrechts-Verletzungen in China warnt Amnesty International vor einem Olympia-Boykott. Michaela Duhr sprach mit AI-Experte Pleiter über die Proteste und das Schweigen des IOC.

Wenige Monate vor den Olympischen Spielen eskalieren die Proteste in Tibet gegen die Herrschaft der Volksrepublik. Die schweren Ausschreitungen forderten bisher mindestens zehn Todesopfer, zahlreiche Mönche wurden festgenommen, mehrere Klöster abgeriegelt. Amnesty International (AI) verurteilt das harte Vorgehen der chinesischen Regierung, warnt aber vor einem Boykott der Olympischen Spiele: «Wir rufen nicht dazu auf, die Spiele zu boykottieren«, sagte Dirk Pleiter, China-Experte von Amnesty International, der Netzeitung. «Das wäre das falsche Signal.»

Die chinesische Bevölkerung unterstütze die Spiele, weil sie zeigen, was das Land - wohlgemerkt nicht die Regierung in Peking – in den vergangenen 30 Jahren erreicht habe, betonte Pleiter. «Sie sind stolz, dass die Spiele in ihrem Land ausgerichtet werden.»

Auf Peking könnte vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) Druck ausüben: «Das IOC könnte Menschenrechtsverletzungen öffentlich kritisieren und auf Verbesserungen bei den Menschenrechten drängen», meint Pleiter. «Doch das Gremium hält sich zurück – Druck wird bislang nicht ausgeübt», kritisierte er.

Noch härteres Vorgehen der Polizei

Seit dem 10. März dauern die zunächst friedlichen Proteste der buddhistischen Mönche und Nonnen nun schon an. Mit ihren Demonstrationen erinnern sie an den 49. Jahrestag des Volksaufstandes gegen die Chinesen. Peking hatte den Aufstand 1959, infolge dessen das Geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, außer Landes floh, gewaltsam beendet.

Demonstranten attackieren einen am Boden liegenden Feuerwehrmann
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Tibetanische Aktivisten erhoffen sich angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele eine große weltweite Öffentlichkeit. «Das könnte den Protestierenden zu Gute kommen», meint auch Pleiter. Die internationale Gemeinschaft schaue sicherlich stärker auf China, auch die Diskussion über den Umgang der Volksrepublik mit den Menschenrechten sei erneut aufgeflammt. Allerdings müssten die Demonstranten ein weit massiveres Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte fürchten, gibt der Menschenrechtler zu Bedenken.

Schon seit Monaten gehe Peking hart gegen Dissidenten vor, wie beispielsweise gegen den Chinesen Hu Jia, sagte Pleiter. Der prominente Bürgerrechtler, der sich für die Rechte von HIV-Infizierten eingesetzt hatte, war im Dezember verhaftet worden. Er soll nun wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» angeklagt werden.

Ermutigt durch die USA

Verständnislos reagierte Pleiter auf die jüngste Entscheidung der USA, China von der schwarzen Liste der zehn schlimmsten Menschenrechtssünder zu streichen. «Peking könnte sich durchaus ermutigt fühlen - nicht nur in Tibet - an seiner harten Linie gegen Andersdenkende, Menschenrechtler, Umweltaktivisten etc. festzuhalten», sagte er. Dieser Schritt sei nach den Beobachtungen von AI in China in keiner Weise gerechtfertigt.

Derweil spitzt sich die Lage in der tibetanischen Hauptstadt Lhasa weiter zu. Chinesische Behörden sprechen von zehn Toten, während die tibeische Exilregierung befürchtet, dass mindestens 100 Menschen bei den Protesten starben. Der Dalai Lama rief die Führung in Peking auf, die Gewalt zu beenden. Er bezeichnete die Zusammenstöße als Zeichen einer «tief verwurzelten Abneigung gegen das tibetische Volk» durch China. Er sei über die Situation zutiefst besorgt, «die sich in Tibet aus friedlichen Demonstrationen entwickelt hat», sagte er in seinem indischen Exil in Dharmsala.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) verurteilte die Gewalt und forderte von Peking die sofortige Freilassung aller Festgenommenen: «Statt friedliche Demonstranten festzunehmen, sollten die Regierungen gemeinsam mit ihnen nach einer Lösung der Probleme suchen», sagte die HRW-Vorsitzende Sophie Richardson. Friedliche Demonstrationen sollten erlaubt und nicht gewaltsam aufgelöst werden.

 
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