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50 Jahre EU-Parlament: 

Europa feiert seine Demokratie

12. Mrz 2008 17:29
José Manuel Barroso bei seiner Ansprache im Parlament
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Zunächst als «Schwatzbude» verschrien, kann das EU-Parlament inzwischen auf eine stolze Geschichte zurückblicken. Beim Festakt in Straßburg betonten die Redner die wachsende Bedeutung des Parlaments.

Die Erweiterung der Europäischen Union und die Durchsetzung der Demokratie in ganz Europa gehören nach Einschätzung des Präsidenten des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), zu den größten Erfolgen der Europapolitik der vergangenen 50 Jahre. Das Europaparlament, das diese Entwicklung engagiert mitgetragen habe, «ist zum Vorbild für andere Regionen in der Welt geworden», sagte Pöttering am Mittwoch in Straßburg bei einer Feierstunde zum 50. Jahrestag der Volksvertretung, die am 19. März 1958 als «Gemeinsame Europäische Parlamentarische Versammlung» erstmals in Straßburg zusammentrat.

Die Machterweiterung des Parlaments in den bisherigen 50 Jahren sei kein Grund zur Selbstzufriedenheit, «wir haben für unsere Rechte gekämpft», sagte Pöttering. «Wenn der Reformvertrag von Lissabon erwartungsgemäß zum 1. Januar 2009 in Kraft tritt, dann wird das Europäische Parlament in nahezu hundert Prozent europäischer Gesetzgebung gleichberechtigt sein mit dem Ministerrat», sagte der CDU-Politiker in einem WDR-Interview.

An der Feier nahmen zahlreiche Vertreter nationaler Parlamente und ehemalige Präsidenten des Europaparlaments teil, darunter der deutsche Christdemokrat Egon Klepsch und der Sozialdemokrat Klaus Hänsch. Der amtierende EU-Ratspräsident, der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa, unterstrich «die führende Rolle des EU-Parlaments bei Menschenrechten und im interkulturellen Dialog». Auch durch den Kontakt zu anderen Parlamenten bereichere es die Europäische Union, sagte Jansa.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, ein starkes Europaparlament sei ein unverzichtbarer Partner für die anderen EU-Institutionen. Mit dem Reformvertrag von Lissabon werde auch die Kommission gestärkt, da ihre doppelte Legitimierung durch das EU-Parlament und die Regierungen ausgeweitet werde, sagte er.

Einst als «Papiertiger» belächelt

Das Parlament, in früheren Jahren als «Papiertiger» und «Schwatzbude» belächelt, hat heute in etwa 90 Politikbereichen mitzuentscheiden, wobei die Mitsprache über den Geldbeutel am schwersten wiegt. Ohne das Ja-Wort der Volksvertretung gibt es keinen EU-Haushalt.

Dennoch ist die Straßburger Volksvertretung nicht mit einem nationalen Parlament gleichzusetzen. Dafür fehlt ihr das Recht, Gesetze vorschlagen. Dies bleibt in Europa der EU-Kommission vorbehalten. Zu den «großen Siegen» in jüngster Zeit gehört die Dienstleistungsrichtlinie, in der auf Druck des Parlaments der Sozialschutz für nationale Arbeitnehmer verstärkt wurde.

Die Wirtschaft und Interessensgruppen haben den Machtfaktor Europaparlament längst erkannt. In Brüssel und Straßburg sind bis zu 5000 Lobbyisten und mehr als 1000 Vertreter von Organisationen aktiv, um auf europäische Gesetzgebungsverfahren Einfluss zu nehmen. (dpa/epd)

 
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