Olympische Spiele in Peking:
Tibeter starten Protestwanderung gegen China
10. Mrz 2008 10:09, ergänzt 11:51
 |  Protest gegen die olympischen Spiele in China | Foto: dpa |
|
Aus der Sicht vieler Tibeter nutzt China die Olympischen Spiele, um die Besetzung Tibets zu legitimieren. Mit einer spektakulären Aktion wollen sie dagegen demonstrieren.
Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking haben am Montag rund 100 Exil-Tibeter von Indien aus einen Protestmarsch in ihre von China besetzte Heimat begonnen.
Die chinesische Regierung nutze Olympia als Plattform, um die illegale Besetzung Tibets zu legitimieren, sagte der Präsident des Tibetischen Jugend-Kongresses, Tsewang Rigzin, im nordindischen Dharamsala. «Wir zeigen auf, dass Tibet den Tibetern gehört und wir nie aufgeben werden, bis Tibet unabhängig wird.» Der Marsch begann in Dharamsala, dem Sitz des Dalai Lamas und der tibetischen Exil-Regierung.Die Tibetische Aufstandsbewegung teilte am Montag mit, unter den Marschierenden seien Mönche, Nonnen und Jugendliche, die im Exil geboren worden seien und Tibet noch nie gesehen hätten. Ziel sei, «die tibetische Freiheitsbewegung wieder zu beleben und die chinesische Besatzung Tibets zu bekämpfen». Der Beginn des Marsches, den mehrere Organisationen von Exil-Tibetern organisieren, fiel mit dem 49. Jahrestag des Aufstands gegen China in Tibet 1959 zusammen.
«In Tibet nimmt die Unterdrückung weiter zu»
Der Dalai Lama machte die chinesische Regierung derweil für eine Verschlechterung der Menschenrechtslage verantwortlich. «In Tibet nimmt die Unterdrückung weiter zu», sagte das geistige Oberhaupt der Tibeter am Montag in einer Ansprache zum Jahrestag. In seinem Exil im nordindischen Dharamsala kritisierte der Dalai Lama «zahlreiche, unvorstellbare und grausame Menschenrechtsverletzungen, Verweigerung der Religionsfreiheit und die Politisierung religiöser Themen». Verantwortlich sei der Mangel an Respekt, den die chinesische Regierung dem tibetischen Volk entgegenbringe.
Dalai Lama befürwortet die Olympischen Spiele in China
Der Dalai Lama betonte, er habe die Idee, die Olympischen Spiele nach China zu vergeben, «von Anfang an» unterstützt. Die internationale Gemeinschaft solle im August nicht nur ihre Athleten schicken, sondern China auch an die Prinzipien Meinungsfreiheit, Ausdrucksfreiheit, Gleichheit und Freundschaft erinnern. Die Welt müsse auch nach den Olympischen Spielen auf kontinuierlichen Wandel in China hinwirken. Er erkennt die Souveränität Chinas über Tibet an, fordert aber «echte Autonomie» für seine Heimat. In der von seinem Büro übersetzten und verbreiteten Rede beklagte der 72-Jährige am Montag, China nenne die Regionen, in denen Tibeter lebten, zwar autonom. Das sei aber nur ein leeres Wort.
Nach dem Scheitern des Aufstands in Tibet war der 14. Dalai Lama im März 1959 vor chinesischen Besatzungstruppen nach Indien geflohen, wo ihm die Regierung seitdem Asyl gewährt. Insgesamt leben etwa 130.000 Tibeter im Exil, hauptsächlich in Indien, Nepal und Bhutan. (dpa)