Attentat in Religionsschule: 

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Attentat in Religionsschule 

Lupe Palästinenser erschießt Jerusalemer Studenten

Er war als orthodoxer Jude verkleidet und schoss zehn Minuten lang um sich: Ein Palästinenser hat in einem Priesterseminar in West-Jerusalem zahlreiche Israelis getötet und schwer verletzt. Israel riegelt das Westjordanland ab.

Bei einem Anschlag auf eine jüdische Religionsschule in Jerusalem hat ein Palästinenser mindestens acht Menschen getötet. Dutzende Schüler wurden bei dem Angriff verletzt oder erlitten einen Schock, wie israelische Medien berichteten. Mindestens drei Schüler wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Nach dem Terroranschlag von Jerusalem mit neun Toten verschärfte Israel am Freitag die Sicherheitsmaßnahmen landesweit. An Ortseingängen seien Kontrollposten eingerichtet worden, berichtete der israelische Rundfunk. Darüber hinaus sei das Westjordanland bis zum Sonntag abgesperrt worden.

Der als orthodoxer Jude verkleidete Palästinenser war in die Religionsschule Merkas Harav in der Nähe des Jerusalemer Hauptbahnhofs eingedrungen. Der mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnete Attentäter schoss laut Augenzeugenberichten rund zehn Minuten lang um sich. Ein Offizier der israelischen Armee hörte die Schüsse, eilte zu Hilfe und erschoss den Angreifer. Nach Angaben des Polizeisprechers von Jerusalem, Aharon Franco, handelte es sich um einen Einzeltäter. Anders als zunächst von israelischen Medien berichtet, fand die Polizei keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Weste mit gefüllten Magazinen.

Zehn Minuten Schießerei
Ein israelisches Einsatzkommando stürmte nach dem Anschlag die Religionsschule. Die Suche nach einem vermuteten zweiten oder dritten Attentäter verlief jedoch ergebnislos. Die Jerusalemer Polizei errichtete weiträumig Straßensperren, um mögliche Helfershelfer zu finden. Nach dem Anschlag umstellten hunderte Polizisten das Gelände und suchten nach Verdächtigen. Die Rabbinerschule, die sich im Jerusalemer Viertel Kirjat Mosche befindet, wurde evakuiert.

Augenzeugen sagten im Fernsehen, die Schießerei habe mindestens zehn Minuten gedauert. Ein Schüler berichtete, er habe sich mit seinem Gewehr auf dem Dach eines nahegelegenen Gebäudes versteckt. Ein Angreifer mit einer automatischen Waffe sei aus der Bibliothek gekommen. «Der Terrorist kam zum Eingang und ich habe ihm zwei Mal in den Kopf geschossen», sagte der Religionsschüler. Ein Sanitäter berichtete, der Schusswechsel habe noch angedauert, als die Rettungsdienste an der Schule eintrafen. «Wir gingen in Deckung, der Krankenwagen wurde getroffen», sagte er. «Da drin ist es schrecklich – Leichen und Verwundete – einfach furchtbar.»

«Sehr traurigen Abend»
Die Talmud-Schule Mercas Harav im Viertel Kirjat Mosche ist ein bekanntes Studienzentrum. Ihm werden enge Verbindungen zur Führung der jüdischen Siedler im Westjordanland nachgesagt. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich mehrere hundert orthodoxe Studenten im Alter von 16 bis 30 Jahren in der Schule auf. Viele Schüler hielten sich noch an der Unglücksstelle auf. Die aufgebrachte Menge skandierte: «Tötet die Araber».

Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza Palästinenser auf die Straße und feuerten Freudenschüsse in die Luft. Der Jerusalemer Bürgermeister Uri Lupolianski sprach im Fernsehen von einem «sehr traurigen Abend» für die Stadt: «Viele Menschen wurden im Herzen Jerusalems getötet.» In Berlin sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): «Ich verurteile diesen verbrecherischen Akt auf das Schärfste.»

Abbas verurteilt Anschlag
Der gemäßigte palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat den Anschlag auf eine jüdische Religionsschule in Jerusalem verurteilt, bei der ein militanter Palästinenser am Donnerstag mindestens sieben Menschen getötet hat. «Der Präsident verurteilt den Angriff, der die Religionsschule in Jerusalem zum Ziel hat», heißt es in der in Ramallah verbreiteten Erklärung. «Der Präsident verurteilt alle Angriffe, die Zivilpersonen zum Ziel haben, seien es palästinensische oder israelische.» Im Gegensatz zu Abbas hatte die radikale Hamas-Organisation, die den Gazastreifen regiert, den Anschlag begrüßt.

Im vergangenen Jahr gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Zwischen 2001 und 2004, dem Höhepunkt der israelisch-palästinensischen Kämpfe, war Jerusalem häufig der Schauplatz palästinensischer Anschläge, darunter zahlreiche Selbstmordattentate auf Busse. Die israelischen Sicherheitskräfte haben erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben. (AP/dpa)