UNO schlägt Alarm:
Abwanderung tötet Afrikas Gesundheitswesen
06. Mrz 2008 11:56
 |  Im Kontinent mit den schwersten Aids-Auswirkungen mangelt es an Ärzten | Foto: Quelle |
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Wegen miserabler Gehälter gehen viele afrikanische Ärzte ins Ausland. Die Folgen sind katastrophal: Nur drei Prozent der weltweiten Mediziner arbeiten in Afrika - ein Arzt kommt auf 100.000 Patienten.
Die Zahlen, die der ugandische Gesundheitsminister Stephen Mallinga auf der weltweit ersten Konferenz über Fachkräftemangel im Gesundheitswesen vorlegte, sind alarmierend: Mehr als eine Million Ärzte und Krankenschwestern fehlen in Afrika südlich der Sahara. Und das auf dem Kontinent, dessen meist knapp finanziertes und löchriges Gesundheitswesen mit den schwersten Auswirkungen der Immunschwächekrankheit Aids, mit Tuberkulose, mit Malaria und dem oft schlechten Gesundheitszustand von Millionen unterernährten Menschen fertig werden muss.
Nur drei Prozent des medizinischen Fachpersonals weltweit sind nach UN-Angaben in Schwarzafrika tätig - obwohl dort elf Prozent der Weltbevölkerung leben und 25 Prozent des weltweiten Krankheitsaufkommens verzeichnet werden. Allein aus Uganda wanderten bereits 500 Ärzte und Krankenschwestern ab - in arabische Staaten, nach Großbritannien, oder wo immer sie auf eine bessere Bezahlung hoffen können.
Jeder vierte afrikanische Arzt arbeitet im Ausland
«Dieser Wegzug schadet dem Gesundheitswesen Ugandas, dem Überleben von Frauen und Kindern, er verkürzt die Lebenserwartung», klagte Mallinga. Schon jetzt kommen auf einen Arzt in dem ostafrikanischen Land 100.000 Patienten. Und es ist zunehmend schwieriger, die Fachkräfte im Land zu halten. Zumal viele der ugandischen Ärzte so wenig verdienen, dass sie nicht einmal ihre Miete zahlen können. Mallinga war in Kampala nicht allein mit seinen Klagen. Aus 57 Ländern waren Politiker und Fachleute zusammengekommen, um zu beraten, wie einer nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO dramatischen Entwicklung begegnet werden kann. Weltweit fehlen nach WHO-Angaben vier Millionen Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen. In 57 Staaten, meist in Afrika, wird der Fachkräftemangel als kritisch eingestuft. Etwa ein Viertel der in Afrika ausgebildeten Ärzte arbeitet derzeit in wohlhabenderen Staaten.
«Die wenigsten Ärzte wollen zurück»
«Die reichen Länder sollten nicht im Gesundheitssystem der armen Länder nach Mitarbeitern wildern», rügte die südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang. Die Abwanderung auf Kosten der Menschen in den Entwicklungsländern sei «nicht akzeptabel», betonte auch Francis Omaswa, Direktor der von der WHO vor zwei Jahren gegründeten Task Force «Arbeitskräfte im globalen Gesundheitswesen».Als erste Zusage, um dem Trend entgegenzuwirken, versprach Msimang, Südafrika werde keine Ärzte und Krankenschwestern mehr aus Ländern rekrutieren, die unter Personalmangel leiden. Ihr ugandischer Kollege, der zuvor über die Abwanderung von 200 Ärzten nach Südafrika geklagt hatte, wird es mit Wohlwollen vernommen haben.
Lydia Mungherela, eine 1986 von Uganda nach Südafrika abgewanderte Ärztin, machte auf der noch bis Freitag dauernden Konferenz wenig Hoffnung auf eine Rückkehr idealistischer Ärzte, die wissen, dass sie in ihrer Heimat dringend gebraucht werden. «Man kann die Lage in Südafrika und Uganda nicht vergleichen», sagte sie. «Die Bezahlung ist sehr, sehr gut (in Südafrika) und es gibt viele ugandische Ärzte dort. Die wenigsten wollen zurück.» (Eva Krafczyk und Henry Wasswa, dpa)