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Diplomatische Beziehungen beendet: 

Breite Front gegen Kolumbien

04. Mrz 2008 08:07, ergänzt 08:36
Brasiliens Chefdiplomat Amorin fordert eine Entschuldigung Kolumbiens
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Die als «Akt der Selbstverteidigung» gerechtfertigte kolumbianische Militäraktion in Ecuador vergiftet das politische Klima in Südamerika. Brasilien will nun zwischen den Konfliktparteien vermitteln.

Ecuador und Venezuela haben als Reaktion auf den kolumbianischen Militärschlag in Ecuador die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien beendet. Beide Staaten wiesen die Botschafter und alle anderen Diplomaten Kolumbiens am Montag aus und verfügten die Schließung der Botschaften. Die Botschafter und Diplomaten der beiden Länder in Kolumbien waren bereits am Vortag zurückbeordert worden. Zugleich wurden die Truppen an der Grenze zu Kolumbien verstärkt.

Fast zeitgleich wiesen die Regierungen in Quito und Caracas zudem kolumbianische Vorwürfe zurück, sie hätten die marxistische Rebellengruppe «Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens» (Farc) unterstützt. Die Vorwürfe sollten nur dazu dienen, von der «unverschämten» Verletzung der Souveränität Ecuadors abzulenken, sagte ein Sprecher des venezolanischen Außenministeriums. Lateinamerikanische Regierungen, aber auch die Bundesregierung riefen alle Beteiligten zur Mäßigung auf.

«Chancen einer Freilassung sind vertan»

Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa warf Kolumbien vor, mit dem Militärschlag gegen sein Land eine möglicherweise kurz bevorstehende Freilassung der früheren kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt verhindert zu haben. «Die Bemühungen um die Freilassung von zwölf Geiseln, darunter Ingrid Betancourt, waren weit fortgeschritten. Ich kann nicht ausschließen, dass Kolumbiens Überfall absichtlich geführt wurde, um diese Freilassung zu verhindern», sagte Correa. Die Freilassung sei für die erste Märzhälfte vorgesehen. «Diese Chancen sind jetzt alle vertan», so Correa.

Amorim: Krise beenden

Brasilien schaltete sich in den Konflikt ein und forderte eine «bedingungslose Entschuldigung» von Kolumbien bei der Regierung von Ecuador. Auf einer Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am Dienstag in Washington wolle man außerdem die Gründung einer OAS-Untersuchungskommission vorschlagen, die ermitteln solle, welches Land im Konflikt im Recht sei, sagte Außenminister Celso Amorim am Montag in Brasilia. Brasiliens Chefdiplomat meinte, es habe eine Verletzung des ecuadorianischen Territoriums gegeben, die zu verurteilen sei. «Das ist etwas sehr Schlimmes», so Amorim. Brasilien wolle nun dazu beitragen, dass die Krise so schnell wie möglich beigelegt werde. Auch die linksgerichtete chilenische Präsidentin Michelle Bachelet betonte, Kolumbien sei Ecuador eine Erklärung schuldig.

Kolumbien: «Akt der Selbstverteidigung»

Kolumbien hat sich zwar für die Militäraktion entschuldigt, Außenminister Fernando Araújo bezeichnete den Angriff jedoch als «notwendigen» Vorstoß über die Grenze hinweg und rechtfertigte ihn als einen «Akt der Selbstverteidigung», berichtet die ARD-«Tagesschau». Der kolumbianische Polizeichef Óscar Naranjo erhob zeitgleich schwere Vorwürfe gegen Venezuela und Ecuador. Die Regierung von Chávez habe die Farc mit 200 Millioen Euro unterstützt, sagte er unter Berufung auf Dokumente, die in Computern von Reyes gefunden worden sein sollen. Nach Angaben von Naranjo belegen die entdeckten Dokumente auch mehrere Gespräche zwischen Chavez und Farc-Chef Manuel Marulanda. In einem Brief habe der venezolanische Präsident der Rebellenorganisation sogar Hilfe für den Fall eines Angriffs der USA angeboten.

Kolumbianische Truppen hatten bei einem Luftangriff am Samstag ein Rebellen-Lager in Ecuador angegriffen und dabei den Farc-Vize Raúl Reyes und nach ecuadorianischen Angaben 20 weitere Rebellen getötet. Anschließend waren Bodentruppen nach Ecuador eingedrungen, um die Leiche von Reyes zu bergen und nach Kolumbien zu bringen. (nz/dpa/AP)

 
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