Zehn Wochen in Afghanistan:
Prinz Harry diente im Einsatz gegen die Taliban
28. Feb 2008 20:27
 |  Prinz Harry in wenig königlicher Garderobe | Foto: AP |
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Eigentlich sollten die Medien schweigen, um den britischen Königssohn nicht in Gefahr zu bringen. Jetzt ist es dennoch amtlich: Harry hat sich «vorbildlich» bewährt. Das Leben an der Front gefällt ihm gut.
Der britische Prinz Harry war insgeheim die letzten zehn Wochen lang in Afghanistan als Offizier im Einsatz gegen die Taliban. Die Nummer drei in der britischen Thronfolge habe militärische Aufgaben in der umkämpften Südprovinz Helmand erfüllt und sei auch unmittelbar an der Front an Kämpfen beteiligt gewesen, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag mit. «Sein Verhalten war beispielhaft», sagte Heereschef Richard Dannatt. «Er war an den Operationen voll beteiligt und ist die gleichen Risiken eingegangen wie alle anderen in seiner Truppe.»
Dannatt äußerte sich «enttäuscht» darüber, dass der Einsatz des Prinzen durch die amerikanische Website Drudge Report bekanntgemacht wurde «ohne uns zu konsultieren». Dadurch sei die Sicherheit des Prinzen, der nun von dem Kampfeinsatz abgezogen wurde, sowie die seiner Kameraden gefährdet worden, erklärte der General. Über die Rückkehr des Prinzen werde in Kürze entschieden. Sein Einsatz wurde entsprechend einer Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und Medienorganisationen nicht öffentlich gemacht. Eine deutsche Zeitschrift und ein australisches Magazin berichteten aber kürzlich über Harrys Stationierung.
«Ich bin sehr glücklich»
Prinz Harry selbst sagte BBC-Reportern in Afghanistan, er sei «sehr glücklich, dass ich hier im Einsatz sein konnte». Zuvor hatte sich der 23-jährige Leutnant mehrfach vergeblich darum bemüht, im Irak eingesetzt zu werden. Dies war vom Oberkommando der britischen Armee unter Hinweis darauf abgelehnt worden, dass Al Qaeda-Terroristen zur Ermordung des Prinzen aufgerufen hatten.Der Prinz habe die letzten zehn Wochen ganz reale Gefahren auf sich genommen und in der umkämpften afghanischen Südprovinz Helmand gegen Taliban-Kräfte gekämpft. Der Sender BBC zeigte den Enkel der britischen Königin Elizabeth II. unter anderem beim Schießen mit einem Maschinengewehr. Es ist bizarr», sagte Harry nach einem Bericht der Nachrichtenagentur PA. «Ich bin hier draußen, habe seit vier Tage nicht richtig geduscht, habe meine Kleidung seit einer Woche nicht gewaschen und trotzdem erscheint das alles normal.»
Stellungen der Taliban in Sichtweite
Der 23-Jährige kämpfte in der Provinz Helmand, in der die meisten der 7.800 britischen Soldaten in Afghanistan stationiert sind. Nach seiner Ankunft am 14. Dezember war er zunächst in Garmsir im Süden der Provinz im Einsatz, nur 500 Meter von Stellungen der Taliban entfernt. Seitdem wurde er versetzt, über die Einzelheiten wird aus Sicherheitsgründen nicht berichtet. Es war am Donnerstag nicht klar, wie lange Harry noch in Afghanistan bleiben wird. In der Nähe der Front musste sich der Prinz an ein wenig königliches Leben praktisch ohne fließendes Wasser und ohne Heizung in den Schlafräumen gewöhnen. Er betonte jedoch, er vermisse nichts. «Wir haben Musik, wir haben Licht, wir haben Essen, wir haben Getränke», erklärte er und fügte schnell hinzu: «Nein, ich vermisse auch keinen Alkohol, wenn das die nächste Frage ist.» Er freue sich, mit den anderen Soldaten Zeit zu verbringen und einfach einer von ihnen zu sein. «Es ist nett, einmal eine normale Person zu ein.«
Alle Einsätze untersagt
Eine Gruppe von Journalisten, darunter auch Amerikaner, hatte den Prinzen in Afghanistan besuchen dürfen. Alle Reporter hatten jedoch versichern müssen, dass sie erst nach der planmäßigen und sicheren Rückkehr Harrys darüber berichten würden. Das Geheimnis wurde jedoch auf noch unbekanntem Weg an den Drudge Report weitergegeben. Daraufhin wurden dem Prinzen offenbar sofort alle Einsätze an der Front in Afghanistan untersagt. (dpa/AP)