Affäre um Liechtenstein-Konten:
Australien und USA fahnden nach Steuersündern
27.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auch in den USA werde gegen rund 100 mutmaßliche Steuersünder ermittelt, berichtete die «New York Times». Das US-Finanzamt habe im vergangenen Jahr Unterlagen aus der liechtensteinischen LGT-Bank von einem nicht näher genannten Informanten erhalten, teilte ein Mitarbeiter dem Blatt mit. Er betonte, dass für die Daten kein Geld bezahlt worden sei. Doch könne der Informant nach geltendem US-amerikanischen Recht einen Prozentsatz der Gelder einfordern, die das Finanzamt auf Grund der Unterlagen kassiert. Die Ermittlungen gegen die Steuersünder seien bereits in vollem Gang.
In der Steueraffäre ermittelt auch Frankreich. «Gut 200 Namen» stünden auf einer Liste des Finanzministeriums, schrieb die Zeitung «Le Figaro» am Mittwoch. Die Genannten stünden im Verdacht, Konten in Liechtenstein eröffnet zu haben, um Steuern zu hinterziehen. Bereits am Dienstag hatte die Regierung in Paris bekanntgegeben, von deutschen Ermittlern Informationen «nach gängigen Bedingungen» erhalten zu haben, für diese aber nicht bezahlt zu haben.
«Es gibt auf der Liste von allem etwas, Steuerhinterziehung in der Höhe von vielen Millionen Euro bis zu einigen Hunderttausend», erklärte Visco. «Sagen wir, es ist ein interessanter Querschnitt durch eine gewisse italienische Gesellschaft.» Nach den ersten Erkenntnissen sind Unternehmer, Freiberufler und möglicherweise auch Politiker auf der Liste. Visco bekräftigte das «klare» europäische Signal der Null-Toleranz zu der grenzüberschreitenden Steuerflucht.
Italienische Steuerflüchtlinge ziehen traditionell andere Steuerparadiese vor allem in der Karibik vor. Das Finanzministerium in Rom hielt fest, dass nicht zuletzt die Mafia und das organisierte Verbrechen «nicht nach Liechtenstein gehen, sondern raffiniertere Steuerparadiese bevorzugen.» Der Kampf gegen die Steuerflucht stehe jedenfalls gerade in Italien erst am Anfang, meinte «La Repubblica».
Italien, FRankreich, die USA und Australien gehören zu einem Kreis von neun Staaten, die innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei der Aufdeckung von Steuerhinterziehung über das Fürstentum Liechtenstein zusammenarbeiten. Beteiligt sind auch Großbritannien, Schweden, Spanien, Kanada und Neuseeland. (dpa)

