Präsidentenwahl in Russland: 

netzeitung.deDmitri Medwedew - Putins Marionette im Kreml

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Dmitri Medwedew (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dmitri Medwedew
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Medwedew gilt als treu ergebener Gefolgsmann Wladimir Putins. Er liebt Rockmusik und schlägt überaus liberale Töne an, die ihm aber niemand abnimmt. Michaela Duhr stellt den künftigen russischen Präsidenten vor.

Im Kampf um das Weiße Haus müssen die US-Präsidentschaftskandidaten monatelang in unzähligen Wahlkampfauftritten und TV-Duellen um die Gunst der Wähler buhlen. Nicht so in Russland - Dmitri Medwedew bleibt all das erspart: Die Wahl des 42-Jährigen zum Nachfolger des russischen Präsidenten Wladimir Putin am kommenden Sonntag gilt als reine Formsache.

Der amtierende Erste Ministerpräsident Medwedew liegt Umfragen zufolge mit 75 Prozent der Stimmen unangefochten an der Spitze. Die anderen Kandidaten im Wettstreit um das Präsidentenamt sind nichts als Beiwerk, wie der Satiriker und Putin-Kritiker Viktor Schenderowitsch lästert. Damit falle es dem Westen leichter, die Augen zu verschließen.
Jüngster Kreml-Chef
Der 1965 in St. Petersburg geborene Medwedew wäre der jüngste Chef im Kreml seit der Oktoberrevolution. Abgesehen davon, dass er sich als treuer Gefolgsmann Putins gibt und vielen als dessen Marionette gilt, ist in der Öffentlichkeit von dem nur 1,60 Meter großen Russen recht wenig bekannt. Wer also ist der künftige Chef im Kreml?

Medwedew ist Spross einer Akademiker-Familie. Noch zu Sowjetzeiten studierte er Jura an der Staatlichen Universität Leningrad, heute Staatliche Universität St. Petersburg, zu deren Studenten vor ihm auch Putin zählte. Nach seinem Examen 1987 promovierte Medwedew und schlug zunächst eine Hochschullaufbahn ein. Der Fan von Rockbands wie Deep Purple und Black Sabbath heiratete 1989 seine Jugendliebe Swetlana, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat.

Die Wege des ehemaligen Geheimdienstlers Putin und Medwedews kreuzten sich schon früh: Als Leiter der Abteilung für auswärtige Beziehungen im St. Petersburger Bürgermeisteramt holte Putin Anfang der 90er Jahre den jungen Zivilrechtler als Berater an seine Seite. Der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit: 1999 folgte Medwedew, der sich während seiner Studienzeit auch als Gewichtheber versuchte, seinem 13 Jahre älteren Mentor nach Moskau.

Wenig erfolgreiche Projekte
Anfang 2000 führte Medwedew den Präsidentschaftswahlkampf seines Weggefährten. Als dieser wenige Monate später das Amt des russischen Staatschefs übernahm, wechselte er in die Präsidialverwaltung. 2003 machte ihn Putin zum Stabschef im Kreml. Neben seinem Job in der Präsidialverwaltung sitzt Medwedew zudem an der Spitze des Aufsichtsrates des mächtigen Energiekonzerns Gasprom.

Seit 2005 ist Medwedew Erster Stellvertretender Ministerpräsident und in dieser Funktion vor allem für die so genannten Nationalen Projekte zuständig. So kümmert er sich um die Förderung der maroden Landwirtschaft, die Sanierung des Gesundheits- und Bildungswesens und den kommunalen Wohnungsbau.

Erfolge kann er jedoch kaum vorweisen - zumindest nimmt mehr als die Hälfte der Russen die Projekte gar nicht wahr, wie das unabhängige Moskauer Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum herausfand. Drei Viertel gehen sogar davon aus, dass das Geld dafür zweckentfremdet oder gestohlen wird. In Kreml-Kreisen hat Medwedew den Ruf eines exzellenten Verwalters und zugleich brillanten Intriganten. Es sei kaum möglich, etwas Konkretes über ihn und seine Ansichten zu sagen, meint Lilia Schewzowa vom Moskauer Carnegie-Center.

Vermeintlich liberal
Medwedew schlägt zwar überaus liberale Töne an: Auf zwei Säulen solle seine Politik fußen, auf Recht und Freiheit, verkündete er vor wenigen Wochen auf dem Wirtschaftsforum im sibirischen Krasnojarsk. «Wir müssen die Unabhängigkeit der Massenmedien verteidigen», forderte er. Allerdings hatte er Putin stillschweigend bei der Gleichschaltung unabhängiger Medien unterstützt.

Außerdem rechtfertigt er nicht nur den Krieg in Tschetschenien, er befürwortet auch die harten Eingriffe des Staates in die Wirtschaft. Bis heute verteidigt er den mehrheitlichen Besitz des Staates an Gasprom.

Zwar übte Medwedew leise Kritik an der Zerschlagung des Ölkonzerns Jukos und daran, dass der damalige Chef Michail Chodorkowski zu acht Jahren Haft nach Sibirien verbannt wurde. Es gelang ihm aber nicht, sich gegen einen der engsten Putin-Berater und Drahtzieher der Jukos-Zerschlagung, Igor Setschin, durchzusetzen.

Putin hat seinen Nachfolger sorgfältig ausgewählt: Er hält Medwedew für seinen treuesten und ungefährlichsten Erben, ohne eigene Gefolgschaft und völlig abhängig von seinem Rat und seiner Hilfe. Dieser bezeugte denn auch unmittelbar nach seiner Nominierung seine Ergebenheit: Er halte es für äußerst wichtig, dass Putin Ministerpräsident werde.