Präsidentenwahl in Russland:
Dmitri Medwedew - Putins Marionette im Kreml
Medwedew ist Spross einer Akademiker-Familie. Noch zu Sowjetzeiten studierte er Jura an der Staatlichen Universität Leningrad, heute Staatliche Universität St. Petersburg, zu deren Studenten vor ihm auch Putin zählte. Nach seinem Examen 1987 promovierte Medwedew und schlug zunächst eine Hochschullaufbahn ein. Der Fan von Rockbands wie Deep Purple und Black Sabbath heiratete 1989 seine Jugendliebe Swetlana, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat.
Die Wege des ehemaligen Geheimdienstlers Putin und Medwedews kreuzten sich schon früh: Als Leiter der Abteilung für auswärtige Beziehungen im St. Petersburger Bürgermeisteramt holte Putin Anfang der 90er Jahre den jungen Zivilrechtler als Berater an seine Seite. Der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit: 1999 folgte Medwedew, der sich während seiner Studienzeit auch als Gewichtheber versuchte, seinem 13 Jahre älteren Mentor nach Moskau.
Seit 2005 ist Medwedew Erster Stellvertretender Ministerpräsident und in dieser Funktion vor allem für die so genannten Nationalen Projekte zuständig. So kümmert er sich um die Förderung der maroden Landwirtschaft, die Sanierung des Gesundheits- und Bildungswesens und den kommunalen Wohnungsbau.
Erfolge kann er jedoch kaum vorweisen - zumindest nimmt mehr als die Hälfte der Russen die Projekte gar nicht wahr, wie das unabhängige Moskauer Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum herausfand. Drei Viertel gehen sogar davon aus, dass das Geld dafür zweckentfremdet oder gestohlen wird. In Kreml-Kreisen hat Medwedew den Ruf eines exzellenten Verwalters und zugleich brillanten Intriganten. Es sei kaum möglich, etwas Konkretes über ihn und seine Ansichten zu sagen, meint Lilia Schewzowa vom Moskauer Carnegie-Center.
Außerdem rechtfertigt er nicht nur den Krieg in Tschetschenien, er befürwortet auch die harten Eingriffe des Staates in die Wirtschaft. Bis heute verteidigt er den mehrheitlichen Besitz des Staates an Gasprom.
Zwar übte Medwedew leise Kritik an der Zerschlagung des Ölkonzerns Jukos und daran, dass der damalige Chef Michail Chodorkowski zu acht Jahren Haft nach Sibirien verbannt wurde. Es gelang ihm aber nicht, sich gegen einen der engsten Putin-Berater und Drahtzieher der Jukos-Zerschlagung, Igor Setschin, durchzusetzen.
Putin hat seinen Nachfolger sorgfältig ausgewählt: Er hält Medwedew für seinen treuesten und ungefährlichsten Erben, ohne eigene Gefolgschaft und völlig abhängig von seinem Rat und seiner Hilfe. Dieser bezeugte denn auch unmittelbar nach seiner Nominierung seine Ergebenheit: Er halte es für äußerst wichtig, dass Putin Ministerpräsident werde.

